Eliteserien, 13 Spieltag, 09.05.2026 00:00:12
Dirk große Schlarmann: Rokko, wenn man nur aufs Ergebnis schaut, dann denkt man erstmal: „Bryne marschiert da locker durch.“ 5:2, drei Punkte, offensiv wieder richtig stark. Aber ich hab dich gerade schon unten am Spielfeldrand gesehen – so richtig euphorisch wirkst du gar nicht. Warum?
Rokko: Weil das Ergebnis heute ein bisschen trügt, wenn ich ehrlich bin. Natürlich freuen wir uns brutal über die drei Punkte, gar keine Frage. Aber ich finde schon, dass das deutlich knapper war, als dieses 5:2 am Ende aussagt. Das war über weite Strecken ein absolutes 50/50-Spiel. Beide Mannschaften hätten das heute gewinnen können. Und deshalb wäre es aus meiner Sicht falsch, jetzt so zu tun, als hätten wir hier den Gegner komplett dominiert.
Dirk große Schlarmann: Dabei ging es für euch ja denkbar schlecht los. Früher Rückstand, und zwar verdient.
Rokko: Ja, total verdient sogar. Vålerenga war direkt da. Die waren wach, aggressiv, hatten eine gute Intensität in ihrem Spiel. Wir dagegen sind ehrlich gesagt gar nicht richtig reingekommen am Anfang. Da haben wir uns schwergetan mit den Abläufen, hatten wenig Zugriff und waren oft einen Schritt zu spät.
Dirk große Schlarmann: Hattest du in dieser Anfangsphase das Gefühl: „Heute könnte es richtig schwierig werden“?
Rokko: Ja, definitiv. Das hat man sofort gemerkt. Der Gegner war richtig gut vorbereitet, hat uns kaum Luft gegeben und selbst sehr mutig gespielt. Gerade in den ersten Minuten fand ich Vålerenga sogar besser als uns. Deshalb war die Führung aus meiner Sicht auch komplett verdient.
Dirk große Schlarmann: Und trotzdem kippt das Spiel irgendwann komplett in eure Richtung. Wie erklärst du dir das?
Rokko: Ich glaube gar nicht, dass es komplett gekippt ist. Das klingt jetzt vielleicht komisch bei einem 5:2, aber ich fand schon, dass das Spiel lange offen war. Wir haben uns einfach nach und nach besser reingearbeitet. Wir wurden ruhiger am Ball, klarer in unseren Aktionen und haben unsere Chancen dann eben auch genutzt. Und das war heute wahrscheinlich der größte Unterschied: die Effizienz.
Dirk große Schlarmann: Das ist spannend, weil du gerade fast mehr über den Gegner sprichst als über deine eigene Mannschaft.
Rokko: Ja, weil ich finde, dass man das erwähnen muss. Vålerenga hat ein richtig gutes Spiel gemacht. Wirklich. Die haben uns alles abverlangt. Und ich glaube, wenn du dieses Spiel zehnmal spielst, dann gehen wahrscheinlich mehrere davon auch anders aus. Heute waren wir einfach in den entscheidenden Momenten kaltschnäuziger.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem hatte man irgendwann schon das Gefühl, dass Bryne dieses Spiel emotional mehr und mehr an sich zieht.
Rokko: Ja, das würde ich schon sagen. Gerade nach dem Ausgleich hat man gemerkt, dass wir besser in unseren Rhythmus kommen. Die Jungs haben angefangen, mutiger zu spielen, mehr Lösungen zu finden. Aber auch da: Es war nie komplett einseitig. Vålerenga blieb immer gefährlich.
Dirk große Schlarmann: Was mir auffällt bei euch: Selbst wenn ihr mal nicht perfekt ins Spiel kommt, wirkt ihr aktuell trotzdem stabil. Früher hattet ihr manchmal Spiele, die euch dann komplett entglitten sind.
Rokko: Ja, das stimmt wahrscheinlich. Und das ist vielleicht tatsächlich ein Entwicklungsschritt. Wir bleiben aktuell ruhiger in schwierigen Phasen. Früher wurden wir manchmal hektisch, wenn Dinge nicht direkt funktioniert haben. Jetzt haben die Jungs mehr Vertrauen in sich selbst und in die Abläufe. Das hilft natürlich enorm.
Dirk große Schlarmann: Würdest du sagen, dass genau das aktuell eure größte Stärke ist? Diese Ruhe?
Rokko: Eine unserer Stärken, ja. Aber auch die Mentalität. Die Mannschaft glaubt momentan daran, dass sie Spiele drehen kann. Und das ist wichtig. Gerade heute nach dem frühen Rückstand. Da hätte man auch anfangen können zu zweifeln. Stattdessen bleiben die Jungs dran.
Dirk große Schlarmann: Jetzt muss man natürlich trotzdem über eure Zahlen sprechen. Wieder viele Tore, wieder ein Sieg – ihr seid schon sehr konstant unterwegs momentan.
Rokko: Ja, das läuft aktuell natürlich gut, das kann man nicht wegdiskutieren. Aber ich glaube, wir profitieren gerade auch davon, dass die Mannschaft als Einheit funktioniert. Da geht keiner vorne spazieren oder denkt nur an sich selbst. Jeder arbeitet für den anderen. Und genau das brauchst du, um über längere Zeit erfolgreich zu sein.
Dirk große Schlarmann: Du klingst trotzdem immer wieder so, als würdest du bewusst auf die Bremse treten.
Rokko: (lacht) Vielleicht ein bisschen, ja. Aber das liegt einfach daran, dass ich weiß, wie schnell sich Dinge im Fußball ändern können.
Dirk große Schlarmann: Wie sehr genießt man solche Phasen denn trotzdem als Trainer?
Rokko: Sehr. Wirklich. Gerade weil du sie nie als selbstverständlich ansehen darfst. Du arbeitest jeden Tag hart dafür, investierst unglaublich viel Zeit – und wenn du dann siehst, dass sich Dinge entwickeln, dass die Mannschaft Fortschritte macht, dann macht das einfach Freude.
Dirk große Schlarmann: Was gefällt dir aktuell besonders an Bryne?
Rokko: Dass wir unangenehm geworden sind. Ich glaube, gegen uns spielt aktuell niemand gerne. Nicht, weil wir alles perfekt machen, sondern weil die Jungs immer arbeiten, immer dranbleiben und nie aufgeben. Das zeichnet uns momentan aus.
Dirk große Schlarmann: Träumen erlaubt?
Rokko: Klar. Dafür spielt man doch Fußball. Die Jungs dürfen träumen, die Fans dürfen träumen. Und natürlich haben wir intern Ziele. Aber wir definieren uns nicht nur über Tabellenplätze. Wichtig ist erstmal, dass wir weiter diese Entwicklung zeigen.
Dirk große Schlarmann: Noch ein Wort zu deinem Trainerkollegen heute?
Rokko: Sehr gerne. Ich habe großen Respekt vor ihm und seiner Mannschaft. Das war heute ein richtig starkes Spiel von Vålerenga. Das Ergebnis wird ihnen eigentlich nicht gerecht. Deshalb wünsche ich ihm wirklich nur das Beste für die kommenden Wochen. Ich glaube, wenn sie so weiterspielen, werden sie noch viele Punkte holen.
Dirk große Schlarmann: Das klang jetzt fast wie eine kleine Liebeserklärung. „Dir mein Bester viel Erfolg weiterhin“, hast du ihm eben schon zugerufen.
Rokko: (lacht) Ja, absolut ehrlich gemeint. Man kennt sich inzwischen, man schätzt sich. Und genau das macht solche Duelle ja auch besonders.
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk!
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