Champions League, 4 Spieltag, 01.02.2026 13:39:59
Esther Sedlaczek: Rokko, 7:1 in Lugano, letzter Spieltag der Champions-League-Gruppenphase, und ich glaube, man sieht dir an, wie schwer dir das fällt. Wie geht es dir gerade?
Rokko: Puh, geradeaus gesagt – beschissen! Das ist mit Abstand die schlechteste Leistung seitdem ich hier Trainer bin. Und heute hatte ich zum ersten Mal wirklich das Gefühl, dass wir uns unserem Schicksal ergeben haben. Das tut extrem weh, das zu sagen, aber so hat es sich angefühlt. Du fährst hierher, weißt, dass es schwer wird, aber dann so unterzugehen, das trifft mich.
Esther Sedlaczek: Lass uns direkt über diese Anfangsphase sprechen. Nach 3 Minuten 0:1, nach 7 Minuten 0:2. Was ging dir da durch den Kopf?
Rokko: Dass das hier ein ganz, ganz langes Spiel wird, wenn wir nicht sofort reagieren. Und wir haben kurz reagiert, machen das 2:1, da keimt ganz kurz Hoffnung auf. Aber das war ein Strohfeuer. Lugano war uns in allem überlegen. Tempo, Aggressivität, Klarheit, Mentalität. Und wenn du dann nach 25, 26, 27 Minuten praktisch auseinanderfällst, dann sagt das alles.
Esther Sedlaczek: Du sprichst Mentalität an. Das ist ein hartes Wort.
Rokko: Ja, aber ich stehe dazu. Heute hat mir etwas gefehlt, was mich normalerweise stolz macht auf diese Mannschaft. Dieser Widerstand. Dieses „Wir gehen hier nicht unter“. Und genau das ist heute passiert. Wir sind untergegangen. Gegen einen großen Konkurrenten aus der Schweiz, auf der großen Bühne, und das schmerzt doppelt.
Esther Sedlaczek: Du hast eben gesagt, zum ersten Mal hattest du das Gefühl, die Mannschaft hat sich ergeben. Kannst du das näher erklären?
Rokko: Es geht um Körpersprache, um Zweikämpfe, um diese kleinen Dinge. Wenn du nach Gegentoren die Köpfe hängen lässt, wenn Wege nicht mehr gegangen werden, wenn du merkst, dass der Glaube fehlt. Das kenne ich so nicht von meinen Jungs. Und deshalb trifft mich das heute auch so. Nicht, weil wir verlieren – sondern wie wir verlieren.
Esther Sedlaczek: Gegen Lugano, einen Gegner, der heute gnadenlos effizient war.
Rokko: Absolut. Und das muss man auch anerkennen. Blacksacki hat seine Mannschaft brutal gut eingestellt. Sie waren von der ersten Minute an da, sie haben uns gepresst, sie haben uns keine Luft gelassen. Claudio Cassano mit vier Toren – das ist natürlich auch außergewöhnlich. Aber er konnte sich heute auf eine Mannschaft verlassen, die ihn perfekt in Szene gesetzt hat.
Esther Sedlaczek: Wenn wir auf die gesamte Champions-League-Gruppenphase schauen: drei Punkte, minus 24 Tore. Das liest sich brutal.
Rokko: Das ist brutal. Und da gibt es auch nichts schönzureden. Wir hatten uns so sehr auf diesen Wettbewerb gefreut. Champions League, große Spiele, große Abende. Und am Ende stehen da drei Punkte und eine Tordifferenz, die einfach nur weh tut. Das ist eine schmerzhafte Realität.
Esther Sedlaczek: Gab es rückblickend einen Moment in dieser Gruppenphase, wo du sagst: Da hätten wir mehr holen müssen?
Rokko: Ja, definitiv. Es gab Spiele, da waren wir näher dran, als es die Ergebnisse vermuten lassen. Aber genau das ist die Champions League. Kleine Fehler werden bestraft, jede Unsicherheit wird gnadenlos ausgenutzt. Und heute war das die extreme Version davon. Gegen Newcastle, Real Sociedad und Häcken hätten wir mehr holen können oder sogar müssen.
Esther Sedlaczek: Du wirkst nicht nur enttäuscht, sondern auch wütend.
Rokko: Ja. Enttäuschung überwiegt, aber da ist auch Wut. Wut über diesen Abschluss. Wut darüber, dass wir uns heute so präsentiert haben. Und auch Wut auf mich selbst. Ich trage die Verantwortung. Ich stehe da vorne, ich treffe die Entscheidungen. Und wenn wir hier 7:1 verlieren, dann ist das auch mein Ergebnis.
Esther Sedlaczek: Du hast vorhin angedeutet, dass vielleicht andere Wettbewerbe besser zu euch passen könnten.
Rokko: Ja, das ist eine ehrliche Einschätzung. Vielleicht sind wir aktuell eher ein Europa-League- oder Conference-League-Team. Das ist keine Schande. Die Champions League ist die absolute Spitze. Und wenn du da nicht bereit bist – mental, spielerisch, strukturell – dann bekommst du genau solche Abende wie heute.
Esther Sedlaczek: Bedeutet das auch Zweifel daran, sich überhaupt wieder für die Champions League zu qualifizieren?
Rokko: Stand jetzt? Ja. So ehrlich muss ich sein. Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Sehr viel. Und bevor wir wieder von der Königsklasse träumen, müssen wir erst mal unsere Hausaufgaben machen. Konstanz, Stabilität und allen voran Mentalität. Das sind große Themen.
Esther Sedlaczek: Wie gehst du jetzt mit der Mannschaft um? Harte Worte oder eher Schutz?
Rokko: Beides. Heute wird es klare Worte geben, weil dieses Spiel aufgearbeitet werden muss. Aber ich werde niemanden öffentlich zerlegen. Das bringt nichts. Wir stehen das gemeinsam durch. Aber ich erwarte auch, dass jeder in den Spiegel schaut. Spieler, Trainer, alle.
Esther Sedlaczek: Die Fans sind den weiten Weg nach Lugano mitgegangen.
Rokko: Und genau deshalb tut es mir so leid. Ich möchte mich ausdrücklich bei den mitgereisten Fans entschuldigen. Sie haben uns unterstützt, auch als es längst um uns geschehen war. Und wir haben ihnen heute nichts zurückgegeben. Das schmerzt mich vielleicht sogar am meisten.
Esther Sedlaczek: Gab es trotz allem irgendetwas Positives, das du aus diesem Abend mitnehmen kannst?
Rokko: Schwer heute, wirklich schwer. Vielleicht die Erkenntnis, wie groß die Lücke noch ist. Und dass wir ehrlich zu uns selbst sein müssen. Das ist schmerzhaft, aber notwendig. Wenn du wachsen willst, brauchst du manchmal solche Ohrfeigen.
Esther Sedlaczek: Und zum Abschluss: Ein Wort zum Trainerkollegen blacksacki?
Rokko: Absoluter Respekt. Lugano war heute in allen Belangen besser. Taktisch, mental, individuell. Blacksacki hat eine starke Mannschaft geformt, und das Ergebnis spricht für sich. Ich wünsche ihm weiterhin nur das Beste. Sie haben sich diesen Abend verdient.
Esther Sedlaczek: Rokko, danke für deine Offenheit in einem sehr schwierigen Moment.
Rokko: Danke dir, Esther.
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