KNVB Beker, 4 Spieltag, 08.06.2026 13:57:20
Dirk große Schlarmann: Rokko, wenn man die letzten Duelle zwischen euch und PSV betrachtet, dann hatte man fast das Gefühl, ihr hättet deren Nummer geknackt. Zwei Siege in der Liga, beide absolut verdient, dazu teilweise wirklich beeindruckende Leistungen. Und jetzt steht am Ende im Pokal-Halbfinale ein 6:2 für Eindhoven. Ist das heute einfach die Erinnerung daran gewesen, wie brutal stark diese Mannschaft sein kann?
Rokko: Ja, ich glaube, das trifft es ganz gut. Wir haben in den beiden Ligaspielen wirklich sehr gute Leistungen gezeigt und uns die Siege auch verdient. Aber genau deshalb war uns vor dem Spiel bewusst, dass PSV heute nochmal mit einer anderen Wucht kommen würde. Das ist eine Spitzenmannschaft, die nicht ohne Grund dort steht, wo sie steht. Und man hat heute gesehen, warum.
Dirk große Schlarmann: Dabei war der Start doch eigentlich gar nicht schlecht. Wenn man ehrlich ist, hatte ich sogar das Gefühl, dass ihr in der ersten halben Stunde mindestens ebenbürtig wart.
Rokko: Das sehe ich ähnlich. Ich fand sogar, dass wir bis ungefähr zur 30. Minute richtig gut im Spiel waren, leicht besser. Wir hatten Ballbesitzphasen, wir waren mutig und wir haben PSV vor Aufgaben gestellt. Das frühe 0:1 war die Belohnung dafür. Bis dahin war das genau das Spiel, das wir uns vorgestellt hatten.
Dirk große Schlarmann: Und dann kippte es langsam.
Rokko: Genau. Das ist auch das, was große Mannschaften auszeichnet. Sie brauchen manchmal gar keine zehn Chancen, um ein Spiel in ihre Richtung zu ziehen. PSV wurde nach und nach stärker, hat mehr Kontrolle übernommen und die Qualität kam immer mehr zum Vorschein.
Dirk große Schlarmann: Wenn man auf die Tore schaut, dann war vor allem Ruben van Bommel heute kaum zu stoppen.
Rokko: Ja, der hat ein sehr starkes Spiel gemacht. Aber generell muss man sagen, dass PSV offensiv enorm viel Qualität auf den Platz gebracht hat. Wir haben in einigen Situationen nicht optimal verteidigt, das gehört auch zur Wahrheit dazu. Aber selbst wenn du vieles richtig machst, finden solche Spieler oft Lösungen.
Dirk große Schlarmann: War das heute vielleicht auch eine Partie, in der man gemerkt hat, wie teuer Fehler auf diesem Niveau sind?
Rokko: Absolut. In der ersten halben Stunde waren wir gut drin, dann kassierst du den Ausgleich und plötzlich verändert sich die Dynamik. Das Stadion wird lauter, der Gegner bekommt Selbstvertrauen und dann musst du in den entscheidenden Momenten absolut auf der Höhe sein. Das waren wir heute nicht immer.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem hatte ich nicht den Eindruck, dass deine Mannschaft sich aufgegeben hat.
Rokko: Nein, überhaupt nicht. Das wäre auch nicht unser Anspruch. Die Jungs haben bis zum Schluss gearbeitet. Natürlich wurde es irgendwann schwierig, weil PSV immer mehr Kontrolle hatte. Aber die Mannschaft hat weiter versucht, Lösungen zu finden.
Dirk große Schlarmann: Wenn wir ehrlich sind: Das Ergebnis wirkt am Ende deutlicher als der eigentliche Spielverlauf.
Rokko: Ja, das würde ich schon sagen. Ich finde, ein oder zwei Tore zu hoch ist das Ergebnis schon. Versteh mich nicht falsch: PSV hat verdient gewonnen und verdient das Finale erreicht. Darüber müssen wir gar nicht diskutieren. Aber wenn man die gesamten 90 Minuten betrachtet, dann war das Spiel enger, als es das Endresultat vermuten lässt.
Dirk große Schlarmann: Ist das vielleicht sogar das Ärgerliche? Dass man trotz einer ordentlichen Leistung mit einem sehr deutlichen Ergebnis nach Hause fährt?
Rokko: Ein Stück weit schon. Aber am Ende bringt es nichts, darüber lange nachzudenken. Im Pokal zählt nur das Weiterkommen. Und das hat PSV geschafft. Wir müssen das anerkennen und den Fokus auf die Dinge legen, die wir besser machen können.
Dirk große Schlarmann: Du wirkst erstaunlich gelassen für jemanden, dessen Pokalreise gerade im Halbfinale beendet wurde.
Rokko: Natürlich tut das weh. Wenn du im Halbfinale stehst, dann träumst du auch vom Finale. Das wäre gelogen, wenn ich etwas anderes behaupten würde. Aber ich bin gleichzeitig auch stolz auf die Mannschaft. Wir haben einen guten Pokalwettbewerb gespielt und uns bis hierhin gearbeitet. Heute war Schluss gegen einen sehr starken Gegner. Das gehört im Sport dazu.
Dirk große Schlarmann: Ist das vielleicht auch ein Zeichen dafür, wie weit sich Heracles in dieser Saison entwickelt hat? Dass man nach einem Halbfinal-Aus bei PSV zwar enttäuscht ist, aber gleichzeitig weiß, dass man insgesamt eine starke Saison spielt?
Rokko: Ja, vielleicht. Wenn wir ehrlich sind, hätten viele vor der Saison wahrscheinlich nicht erwartet, dass wir so lange im Pokal dabei sind und gleichzeitig in der Liga eine so gute Rolle spielen. Deshalb dürfen wir das Gesamtbild nicht vergessen.
Dirk große Schlarmann: Das ist ein Punkt, den du häufig betonst.
Rokko: Weil er wichtig ist. Fußball besteht nicht nur aus einem Spiel. Natürlich analysieren wir heute diese Niederlage. Aber wir dürfen nicht vergessen, wo wir stehen und was wir bislang erreicht haben. Die Entwicklung der Mannschaft ist sehr positiv.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem wird heute wahrscheinlich erstmal die Enttäuschung überwiegen.
Rokko: Klar. Direkt nach dem Spiel denkt niemand an langfristige Entwicklungen. Da denkst du nur daran, dass du ein Finale verpasst hast. Das ist ganz normal. Aber mit etwas Abstand wird man die Dinge wieder etwas nüchterner betrachten können.
Dirk große Schlarmann: Du hast gerade die Entwicklung angesprochen. Ist so ein Spiel vielleicht sogar hilfreich, weil es einem nochmal zeigt, woran man arbeiten muss?
Rokko: Definitiv. Gerade gegen Topmannschaften lernst du unglaublich viel. Du bekommst aufgezeigt, welche Dinge bereits funktionieren und welche noch nicht. Solche Erfahrungen sind wertvoll, auch wenn sie in dem Moment weh tun.
Dirk große Schlarmann: Lass uns noch kurz über den Gegner sprechen. PSV trifft nun im Finale auf Feyenoord.
Rokko: Ja, und dazu möchte ich meinem Trainerkollegen ausdrücklich gratulieren. Sie haben heute ein sehr gutes Spiel gemacht und sich das Finale verdient. Ich wünsche ihm und seiner Mannschaft viel Erfolg gegen Feyenoord. Das wird sicherlich ein großartiges Finale.
Dirk große Schlarmann: Wenn du einen Favoriten nennen müsstest?
Rokko: Da halte ich mich raus. Beide Mannschaften haben enorme Qualität. Ich werde das Finale als neutraler Zuschauer genießen.
Dirk große Schlarmann: Zum Abschluss: Was nimmt deine Mannschaft aus diesem Abend mit?
Rokko: Die Erkenntnis, dass wir uns mit sehr guten Mannschaften messen können, aber auch die Demut zu verstehen, dass wir weiterhin hart arbeiten müssen. Wir haben heute verdient verloren. Das müssen wir akzeptieren. Aber wir werden deswegen nicht alles infrage stellen. Wir stehen wieder auf, arbeiten weiter und richten den Blick nach vorne.
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch. Trotz des Ausscheidens alles Gute für die kommenden Aufgaben.
Rokko: Vielen Dank, Dirk. Und natürlich auch Glückwunsch an PSV und viel Erfolg im Finale!
63
26