Eredivisie, 29 Spieltag, 08.06.2026 13:40:50
Dirk große Schlarmann: Rokko, manchmal gibt es Ergebnisse, bei denen man erstmal zweimal hinschauen muss. Im letzten Spiel sprechen wir noch über den überraschenden Auswärtssieg bei PSV Eindhoven – und jetzt gewinnt ihr das Rückspiel mit 7:1. Gegen dieselbe Mannschaft. Gegen einen Gegner, der über die gesamte Saison hinweg zu den stärksten Teams der Liga gehört. Wie erklärst du dir so einen Abend?
Rokko: Ehrlich gesagt gar nicht. Und ich glaube, das wäre auch vermessen. Es gibt solche Tage im Fußball, an denen einfach vieles zusammenkommt. Wir haben heute ein sehr gutes Spiel gemacht, da müssen wir nicht drum herum reden. Aber gleichzeitig spiegelt das Ergebnis den eigentlichen Leistungsunterschied zwischen beiden Mannschaften nicht wider. PSV ist eine Topmannschaft, das haben sie die gesamte Saison über bewiesen. Deshalb würde ich das Ergebnis heute nicht größer machen als es ist.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem hatte man heute von Beginn an das Gefühl, dass bei euch etwas Besonderes in der Luft liegt. Die Mannschaft wirkte unglaublich fokussiert.
Rokko: Ja, das Gefühl hatte ich tatsächlich auch. Es gibt manchmal Spiele, da merkst du schon in den ersten Minuten, dass die Jungs komplett da sind. Die Körpersprache war gut, die Intensität war da und wir haben uns vorgenommen, mutig zu spielen. Gerade gegen solche Gegner darfst du nicht anfangen, nur zu reagieren. Das war heute ein wichtiger Punkt.
Dirk große Schlarmann: Dabei war der Respekt vor PSV ja durchaus vorhanden.
Rokko: Absolut. Und der wird auch immer da sein. Wir reden hier nicht über irgendeine Mannschaft. PSV hat enorme Qualität. Deshalb war unser Ansatz auch nicht, irgendwie euphorisch in das Spiel zu gehen. Sondern wir wollten konzentriert bleiben und die Dinge umsetzen, die uns in den vergangenen Wochen stark gemacht haben.
Dirk große Schlarmann: Nach dem 1:0 durch Zeefuik lief zunächst alles nach Plan. Dann gleicht Veerman aus und viele hätten wahrscheinlich gedacht: Jetzt übernimmt PSV langsam die Kontrolle.
Rokko: Ja, das hätte durchaus passieren können. Denn solche Mannschaften haben die Qualität, ein Spiel innerhalb weniger Minuten komplett zu drehen - wie im Hinspiel gesehen. Umso wichtiger war für uns die Reaktion darauf. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Mannschaft nervös wurde. Wir sind bei unserem Spiel geblieben.
Dirk große Schlarmann: Der Zeitpunkt des 2:1 und des 3:1 war dann natürlich enorm wichtig.
Rokko: Definitiv. Gerade das Tor kurz vor der Halbzeit zum 3:1 war für uns Gold wert. Du gehst mit einem ganz anderen Gefühl in die Kabine. Gleichzeitig war uns aber auch klar, dass noch überhaupt nichts entschieden ist. Gegen PSV darfst du nie glauben, dass ein Spiel vorbei ist.
Dirk große Schlarmann: Und dann kommen diese zehn Minuten nach der Pause.
Rokko: Ja, das war wahrscheinlich die entscheidende Phase. Wir kommen gut raus, machen das 4:1, kurz darauf das 5:1. Plötzlich läuft das Spiel komplett in unsere Richtung. Solche Momente musst du nutzen, wenn sie kommen.
Dirk große Schlarmann: Hattest du in dieser Phase das Gefühl, dass deine Mannschaft in einen richtigen Flow gekommen ist?
Rokko: Ja, das kann man schon so sagen. Die Abläufe haben gepasst, die Entscheidungen waren gut und wir haben unsere Chancen genutzt. Das ist etwas, was man sich als Trainer natürlich wünscht. Aber gleichzeitig weißt du auch, dass solche Phasen nicht selbstverständlich sind.
Dirk große Schlarmann: Es wirkte fast so, als würde jeder Angriff gefährlich werden.
Rokko: Das kam wahrscheinlich auch daher, dass wir sehr zielstrebig gespielt haben. Wir haben nicht viel nachgedacht, sondern die Situationen sauber ausgespielt. Und wenn dann das Selbstvertrauen dazukommt, entstehen solche Spiele.
Dirk große Schlarmann: Besonders auffällig war heute wieder Lequincio Zeefuik. Zwei Tore, ständig anspielbar, ständig präsent.
Rokko: Ja, Lequincio macht aktuell eine sehr gute Phase durch. Aber auch bei ihm gilt: Das ist immer eine Teamleistung. Natürlich freut es mich für ihn, weil Stürmer von Toren leben. Aber ich freue mich genauso für die Jungs, die ihm die Bälle vorbereiten und die Wege machen.
Dirk große Schlarmann: Wenn man auf die vergangenen Wochen schaut, entsteht schon der Eindruck, dass Heracles aktuell einen sehr reifen Fußball spielt.
Rokko: Vielleicht. Aber ich glaube, man muss immer vorsichtig sein. Fußball ist sehr schnelllebig. Mal gewinnst du, dann verlierst du vielleicht wieder ein Spiel und plötzlich wird alles anders bewertet. Deshalb versuche ich, die Dinge möglichst sachlich einzuordnen.
Dirk große Schlarmann: Das gelingt dir erstaunlich gut für jemanden, der gerade PSV mit 7:1 geschlagen hat.
Rokko: (lacht) Ja, aber was soll ich jetzt machen? Wenn ich heute abhebe, bekomme ich nächste Woche die Quittung. So funktioniert Fußball einfach nicht. Natürlich freuen wir uns riesig über diesen Sieg. Aber wir wissen auch, dass das kein Selbstläufer ist.
Dirk große Schlarmann: Ist das vielleicht sogar die größte Stärke deiner Mannschaft aktuell? Dass sie trotz der Ergebnisse relativ geerdet wirkt?
Rokko: Das will ich den Jungs raten, denn wenn hier einer die Haftung zum Boden verliert, sitzt er schnell auf der Tribüne. Wir haben eine Mannschaft, die sehr hart arbeitet. Die Jungs wissen, wo wir herkommen und was wir uns erarbeitet haben. Niemand hat uns diese Saison geschenkt. Deshalb gibt es auch keinen Grund, plötzlich etwas anderes zu denken.
Dirk große Schlarmann: Wenn wir auf die Tabelle schauen, dann wird das Thema Europa natürlich immer konkreter.
Rokko: Ja, das lässt sich nicht mehr komplett ausblenden. Dafür sind wir mittlerweile zu weit in der Saison. Aber gleichzeitig wissen wir auch, dass noch schwere Aufgaben auf uns warten. Die Liga ist stark, viele Mannschaften können jeden schlagen.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem muss man doch sagen, dass ihr eure eigenen Erwartungen bereits übertroffen habt.
Rokko: Ja, das würde ich schon so unterschreiben. Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, wo wir jetzt stehen, hätte ich das wahrscheinlich sofort angenommen. Aber genau deshalb genießen wir die Situation auch.
Dirk große Schlarmann: Was macht dich aktuell optimistisch für die kommenden Wochen?
Rokko: Dass die Mannschaft weiterhin hungrig wirkt. Ich habe nicht das Gefühl, dass sich jemand zurücklehnt. Die Jungs wollen sich verbessern, sie wollen weiter lernen. Das ist für mich wichtiger als jedes einzelne Ergebnis.
Dirk große Schlarmann: Noch ein Wort zum Gegner. Denn bei solchen Ergebnissen geht oft unter, dass PSV weiterhin eine absolute Spitzenmannschaft ist.
Rokko: Genau deshalb möchte ich das ausdrücklich erwähnen. Der Trainerkollege leistet dort hervorragende Arbeit. Sie spielen eine starke Saison und werden auch weiterhin viele Spiele gewinnen. Deshalb empfinde ich heute vor allem Respekt. Solche Ergebnisse passieren im Fußball manchmal, aber sie ändern nichts daran, wie stark diese Mannschaft ist.
Dirk große Schlarmann: Und genau deshalb fühlt sich dieser Sieg wahrscheinlich auch besonders an.
Rokko: Ja, weil wir wissen, wie schwer so etwas ist. Aber wir werden ihn genauso einordnen wie jeden anderen Sieg auch. Drei Punkte, nicht mehr und nicht weniger.
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk!
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