KNVB Beker, 3 Spieltag, 07.05.2026 15:11:17
Dirk große Schlarmann: Rokko, ganz ehrlich – genau auf solche Abende freut man sich doch im Pokal, oder? Ajax Amsterdam, volles Haus - wenn auch in der Ferne -, zwei Mannschaften in Topform und am Ende ein wildes 3:4 für euch. Wie sehr genießt man so einen Fußballabend?
Rokko: Extrem. Genau dafür liebt man diesen Wettbewerb doch. Pokalspiele haben einfach ihren ganz eigenen Charakter. Da geht’s nicht nur um Punkte oder Tabellenstände, sondern wirklich um alles oder nichts. Und wenn du dann noch gegen Ajax spielst, auswärts, mit dieser Kulisse, dann ist das natürlich etwas Besonderes. Vor dem Spiel war der Respekt riesig, weil wir genau wussten, was da auf uns zukommt. Der Trainerkollege hat ja selbst vorher schon von einem Topspiel gesprochen – und ich glaube, am Ende haben beide Mannschaften auch genau das geliefert.
Dirk große Schlarmann: Hattest du das Gefühl, dass man diese besondere Atmosphäre deiner Mannschaft angemerkt hat? Weil ihr ja wirklich mutig reingegangen seid.
Rokko: Absolut. Und das hat mich vielleicht sogar am meisten gefreut. Wir sind nicht hierher gefahren mit dem Gedanken, irgendwie nur zu überleben oder das Spiel lange offen zu halten. Die Jungs wollten Fußball spielen. Man hat von Anfang an gesehen, dass wir mutig auftreten wollten, dass wir den Ball haben wollten. Gerade die ersten 20 Minuten fand ich richtig stark von uns. Viel Ballbesitz, gute Ruhe im Spiel, saubere Kombinationen – und vor allem haben wir uns daraus echte Chancen herausgespielt.
Dirk große Schlarmann: Und folgerichtig dann auch die frühe Führung durch Žamburek.
Rokko: Genau. Und die war zu dem Zeitpunkt auch verdient, finde ich. Wir waren richtig gut drin im Spiel. Aber gleichzeitig weißt du bei Ajax natürlich: Das heißt erstmal gar nichts. Die Qualität dort ist enorm. Und genau das hat man dann auch gesehen.
Dirk große Schlarmann: Ajax wirkte vom Rückstand überhaupt nicht beeindruckt.
Rokko: Nein, überhaupt nicht. Das war schon beeindruckend. Die bleiben ruhig, lassen sich nicht aus dem Konzept bringen und warten auf ihre Momente. Und vorne haben sie mit Dolberg natürlich einen Spieler gehabt, der heute brutal effizient war. Der war ja gefühlt bei jeder gefährlichen Aktion beteiligt.
Dirk große Schlarmann: Lass uns über ihn sprechen. Drei Tore, ständig gefährlich – war er heute der Unterschiedsspieler?
Rokko: Er war auf jeden Fall überragend, das muss man ganz klar sagen. Gerade im Strafraum war das unglaublich stark. Du hattest teilweise das Gefühl, dass jeder Ball in seiner Nähe gefährlich wird. Und trotzdem finde ich wichtig zu sagen: Wir haben defensiv nicht schlecht gespielt. Das klingt bei drei Gegentoren vielleicht komisch, aber Ajax hat einfach enorme Qualität gehabt. Dolberg war da heute sicherlich herausragend.
Dirk große Schlarmann: Was ich spannend fand: Das Spiel hatte irgendwie einen ganz besonderen Rhythmus. Ihr geht in Führung, Ajax gleicht aus. Dann wieder ihr, dann wieder Ajax. Das zog sich ja fast durch die komplette Partie.
Rokko: Ja, total verrückt eigentlich. Und genau deshalb war das mental auch unglaublich intensiv. Du arbeitest dich wieder in Führung, investierst viel – und plötzlich steht’s wieder Unentschieden. Das kann einem schon Energie ziehen. Aber genau da muss ich meiner Mannschaft ein riesiges Kompliment machen. Wir sind ruhig geblieben. Niemand hat angefangen wild zu werden oder die Ordnung zu verlieren.
Dirk große Schlarmann: Gerade nach dem 3:3 hatte ich kurz das Gefühl, das Momentum kippt jetzt Richtung Ajax.
Rokko: Ja, ehrlich gesagt hatte ich diesen Gedanken auch ganz kurz. Weil du natürlich merkst, wie das Stadion dann nochmal kommt. Ajax hatte in dieser Phase viel Energie. Und wenn du dreimal zurückkommst wie sie heute, dann bekommst du automatisch dieses Gefühl: „Vielleicht drehen wir das jetzt komplett.“ Aber ich fand stark, wie meine Jungs darauf reagiert haben.
Dirk große Schlarmann: Und dann Mario Engels. 74. Minute. Das 4:3. Was ging da in dir vor?
Rokko: Pure Erleichterung erstmal. (lacht) Nein, aber das war natürlich ein brutal wichtiger Treffer. Vor allem, weil Ajax zuvor gerade dieses Momentum hatte. Und Mario macht das dann einfach richtig stark. Insgesamt war das offensiv heute sowieso eine sehr reife Leistung von uns. Wir hatten gute Abläufe, viel Bewegung und haben immer wieder Lösungen gefunden gegen eine Mannschaft, die defensiv eigentlich enorm schwer zu bespielen ist.
Dirk große Schlarmann: Würdest du sagen, ihr wart über 90 Minuten die bessere Mannschaft?
Rokko: Ich finde schon, ja. Aber das klingt immer schwierig nach so einem engen Spiel. Ajax hatte natürlich auch seine starken Phasen und hätte das Ding genauso gewinnen können. Aber wenn ich auf die gesamten 90 Minuten schaue, hatten wir schon mehr Kontrolle über viele Phasen. Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr klare Spielanteile und auch die saubereren Angriffe. Deshalb geht der Sieg für mich schon in Ordnung. Aber eben knapp.
Dirk große Schlarmann: Das Verrückte ist ja: Schon das Ligaspiel zwischen euch war komplett wild. Hattest du das Gefühl, dass sich das heute irgendwie fortsetzt?
Rokko: Ja, total. Wir wussten beide wahrscheinlich schon vorher, dass das kein normales Spiel wird. Dafür kennen sich die Mannschaften inzwischen auch zu gut. Beide Teams wollen Fußball spielen, beide haben Qualität nach vorne. Und dann entwickelt sich manchmal genau so ein Spiel. Für die Zuschauer wahrscheinlich überragend – für die Trainer eher weniger entspannt.
Dirk große Schlarmann: Jetzt seid ihr eine Runde weiter im Pokal. Wie wichtig ist dieser Wettbewerb aktuell für euch?
Rokko: Sehr wichtig. Der Pokal hat einfach einen besonderen Reiz. Du bist irgendwann nur noch wenige Spiele von etwas Großem entfernt. Natürlich liegt der Fokus weiterhin auch auf der Liga, aber wir nehmen den Pokal extrem ernst. Und solche Siege geben dir natürlich zusätzlich Selbstvertrauen.
Dirk große Schlarmann: Man merkt schon, dass bei euch aktuell einiges zusammenpasst. Wie nimmst du die Entwicklung deiner Mannschaft wahr?
Rokko: Sehr positiv. Und was mir aktuell besonders gefällt: Die Jungs bleiben trotz der Ergebnisse ruhig. Das ist wichtig. Natürlich freuen wir uns über solche Siege, das wäre ja auch Quatsch, wenn nicht. Aber wir wissen auch, dass noch viele schwierige Aufgaben kommen werden. Gerade die richtig dicken Brocken warten teilweise noch auf uns.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem wächst doch automatisch auch die Erwartungshaltung, oder?
Rokko: Klar, das ist normal. Wenn du Spiele gewinnst und guten Fußball spielst, dann steigen die Erwartungen. Das gehört dazu. Aber intern versuchen wir bewusst ruhig zu bleiben. Wir wollen uns weiterentwickeln und konstant bleiben. Das ist die große Herausforderung.
Dirk große Schlarmann: Was sagt so ein Sieg über deine Mannschaft aus?
Rokko: Dass sie mental gewachsen ist. Ich glaube, vor einiger Zeit hätten wir so ein Spiel vielleicht noch aus der Hand gegeben. Heute bleiben wir ruhig, kommen immer wieder zurück in unseren Rhythmus und finden Lösungen. Das ist ein gutes Zeichen.
Dirk große Schlarmann: Und jetzt wahrscheinlich einfach genießen und dann schnell wieder Fokus auf das nächste Spiel?
Rokko: Genau. Heute darf man sich freuen, definitiv. Solche Abende musst du auch genießen. Aber danach geht’s weiter. Die Saison ist noch lang und wir haben noch viel vor uns.
Dirk große Schlarmann: Letzte Frage: Gibt’s im Pokal eigentlich einen Wunschgegner?
Rokko: Ehrlich gesagt nein. Wenn du den Pokal gewinnen willst, musst du ohnehin jeden schlagen. Deshalb nehmen wir, wie es kommt. Und nach so einem Spiel heute freuen wir uns einfach erstmal auf die nächste Runde.
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk!
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