Helvetia Schweizer Cup, 2 Spieltag, 01.02.2026 13:38:17
Esther Sedlaczek: Rokko, ich weiß gar nicht so recht, wo ich da anfangen soll. 5:6 nach Verlängerung, Pokal-Aus, gefühlt alles dabei, was der Fußball so zu bieten hat. Wie fühlst du dich gerade?
Rokko: Leer. Müde. Und irgendwie auch ein bisschen sprachlos. Das ist so ein Spiel, das musst du erst mal sacken lassen. Du gehst nach Hause, legst dich ins Bett, und der Kopf läuft trotzdem weiter. 5:6, das liest sich ja schon absurd. Und trotzdem spiegelt es ziemlich genau wider, was hier heute passiert ist. Ein wildes Spiel, ein offener Schlagabtausch, viele Tore, viele Emotionen – und am Ende stehen wir als Verlierer da.
Esther Sedlaczek: Du sagst es selbst, absurd. Ihr führt 2:0, verliert die Führung, geht in Rückstand, gleicht mehrfach aus, geht in der Verlängerung sogar nochmal in Führung – und trotzdem reicht es nicht. Tut so ein Spiel mehr weh als ein klares 0:3?
Rokko: Hundert Prozent. Ein klares 0:3 kannst du abhaken. Da sagst du: Okay, heute war nicht unser Tag, Mund abputzen, weiter. Aber das hier? Das zermürbt dein Gehirn. Du bist so oft nah dran. Du denkst mehrmals: Jetzt haben wir es. Jetzt kippt es auf unsere Seite. Und jedes Mal kommt Servette wieder zurück. Das ist mental brutal anstrengend. Für die Spieler, für den Trainer, für jeden im Stadion.
Esther Sedlaczek: Lass uns kurz an den Anfang gehen. Ihr kommt eigentlich richtig gut rein, führt nach 30 Minuten 2:0. In dem Moment hattest du wahrscheinlich ein ziemlich gutes Gefühl, oder?
Rokko: Ja, absolut. Wir waren gut im Spiel, sauber in unseren Aktionen. Genau so wollten wir das angehen, gerade nach der Champions League. Wir wollten zeigen: Okay, neues Spiel, neuer Wettbewerb, neue Energie. Und dann gehst du 2:0 in Führung, denkst dir: Alles klar, jetzt bitte ruhig bleiben, sauber weiterspielen.
Esther Sedlaczek: Und dann kippte das Spiel so langsam.
Rokko: Ja. Servette wurde stärker, mutiger, aggressiver. Und man hat gemerkt: Das ist eine Mannschaft, die richtig Qualität hat. Die kommen nicht aus Zufall immer wieder zurück. Die glauben an sich. Und wir haben es in dieser Phase einfach nicht geschafft, das Spiel zu beruhigen. Das muss man ehrlich sagen.
Esther Sedlaczek: War das eher eine Sache des Kopfes oder der Beine?
Rokko: Beides. Irgendwann merkst du, dass die Beine schwerer werden, dass du einen Schritt zu spät kommst. Und dann passiert das im Kopf. Du wirst unsauber, triffst falsche Entscheidungen. Und gegen so einen Gegner wird das gnadenlos bestraft.
Esther Sedlaczek: Nach der Pause dreht Servette das Spiel, ihr lauft plötzlich hinterher. Gab es da einen Moment, wo du dachtest: Uh, das wird heute ganz, ganz schwer?
Rokko: Ja, definitiv. Nach dem 2:3. Da habe ich kurz geschluckt. Weil du merkst: Das Momentum ist komplett weg und Servette ist voll da. Aber was ich meiner Mannschaft hoch anrechne: Sie ist nicht auseinandergefallen. Wir kommen nochmal zurück, machen das 3:3. Und da war wieder Hoffnung da.
Esther Sedlaczek: Dieses Spiel war ja wirklich ein einziges Auf und Ab. Wie hält man da als Trainer die Nerven?
Rokko: Gar nicht (zuckt mit den Schultern). Also zumindest nicht komplett. Du versuchst, ruhig zu bleiben, klare Anweisungen zu geben, aber innerlich geht alles durcheinander. Du lebst ja jede Aktion mit. Und wenn dann Tore in dem Takt fallen, ist das emotional einfach extrem.
Esther Sedlaczek: Dann diese Verlängerung. 5:4 für euch in der 102. Minute. Ganz ehrlich: In dem Moment hast du doch gedacht, jetzt ist es durch, oder?
Rokko: Ja. Ich gebe es zu. In dem Moment dachte ich: Jetzt bitte, haltet es. Wir haben so viel investiert, so viel gefressen heute – jetzt bitte diesen Moment genießen. Aber Servette hat einfach nicht locker gelassen. Und genau das zeichnet sie aus.
Esther Sedlaczek: Und dann wieder der Ausgleich, und am Ende sogar noch das 5:6. Wie fühlt sich dieser Schlusspfiff an?
Rokko: Brutal. Einfach brutal. Du stehst da, schaust auf die Anzeigetafel, siehst diese 123. Minute und denkst dir: Das kann doch nicht wahr sein. Aber es ist wahr. Und dann musst du es akzeptieren. So schwer es auch fällt.
Esther Sedlaczek: Du hast vorhin gesagt: Kein Vorwurf an die Mannschaft. Das klingt sehr klar.
Rokko: Ja, weil es die Wahrheit ist. Die Jungs haben alles gegeben. Wirklich alles. Niemand hat sich versteckt, niemand hat aufgegeben. Wir konnten es heute einfach nicht besser. Servette war über die gesamte Spielzeit gesehen die bessere Mannschaft. Punkt. Und wenn du dann verlierst, auch wenn es extrem weh tut, dann ist es eben verdient.
Esther Sedlaczek: Der Pokal ist ja ohnehin nicht unbedingt euer bester Freund, wenn man ehrlich ist.
Rokko: Das kann man so sagen, ja. Letzte Saison war schon bitter, diese Saison ist es wieder bitter. Der Pokal ist für uns bisher kein schöner Wettbewerb. Aber auch das gehört dazu. Nicht jeder Wettbewerb liegt dir gleich.
Esther Sedlaczek: Wie sehr schmerzt dieses Aus auch im Hinblick auf die Belastung der letzten Wochen?
Rokko: Sehr. Wir kommen aus intensiven Wochen, viele Spiele, viel Druck, viele Emotionen. Und dann hoffst du, dass du dir im Pokal vielleicht etwas aufbauen kannst – Selbstvertrauen, ein Erfolgserlebnis. Und stattdessen bekommst du so ein Spiel. Das ist hart, aber es ist auch eine Erfahrung.
Esther Sedlaczek: Du hast den Trainerkollegen HSV-Ente-1887 noch gar nicht erwähnt.
Rokko: Stimmt, das möchte ich unbedingt noch tun. Großer Respekt. Servette war heute einfach stark. Sehr gut eingestellt, mental brutal präsent. Und auch menschlich ist der Trainerkollege ein feiner Kerl, die Spiele gegen ihn sind immer rasant und bringen brutal viel Spaß. Ich wünsche ihm und seiner Mannschaft nur das Beste. Sie haben sich das heute verdient.
Esther Sedlaczek: Letzte Frage, Rokko: Wie gehst du jetzt mit deiner Mannschaft aus diesem Abend raus?
Rokko: GEmeinsam. Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen. Wir werden uns kurz schütteln, das Spiel aufarbeiten und dann den Blick nach vorne richten. Es bringt nichts, jetzt lange zu jammern. Aber vergessen werde ich dieses Spiel so schnell sicher nicht.
Esther Sedlaczek: Danke dir für deine ehrlichen Worte.
Rokko: Danke dir, Esther.
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