Credit Suisse Super League, 8 Spieltag, 25.02.2026 20:24:05
Reporter: Rokko, 7:2 auswärts bei Servette – das klingt nach einer Machtdemonstration. War es wirklich so klar?
Rokko: Überhaupt nicht! Wenn du nur das Ergebnis liest, denkst du: Spaziergang, Gala, Selbstläufer. Aber das war es in der ersten Halbzeit absolut nicht. Ganz im Gegenteil. Wir sind zwar früh durch Ethan in Führung gegangen, aber wir hatten da überhaupt keinen richtigen Zugriff auf das Spiel. Das 0:1 in der 17. Minute war eher glücklich als herausgespielt. Servette war wacher, aggressiver, klarer in den Aktionen.
Reporter: Trotzdem die frühe Führung – gibt das nicht Sicherheit?
Rokko: Eigentlich schon. Aber diesmal war es eher trügerisch. Wir haben nach dem 0:1 nicht die Kontrolle übernommen, sondern uns eher einlullen lassen. Servette hat das Spiel gemacht, wir sind hinterhergelaufen. Und dann fällt das 1:1 durch Ayé – verdient, wenn man ehrlich ist. Und als sie kurz darauf durch Stevanovic sogar das 2:1 machen, darf sich keiner beschweren. In der Phase waren wir einfach nicht gut genug.
Reporter: Wie kritisch war es da?
Rokko: Sehr kritisch. Mit ein bisschen mehr Konsequenz kann Servette da sogar das 3:1 machen. Wir waren unsauber im Aufbau, haben zu viele einfache Ballverluste gehabt, die Abstände haben nicht gestimmt. Das war nicht das Gesicht, das wir zeigen wollen. Und das habe ich in der Halbzeit auch sehr klar angesprochen.
Reporter: Was wurde in der Kabine gesagt?
Rokko: Dass das so nicht reicht. Dass wir zwar Qualität haben, aber sie auch auf den Platz bringen müssen. Wir haben uns vorgenommen, mutiger zu sein, höher zu stehen, schneller umzuschalten. Und vor allem: mehr Überzeugung in den Aktionen. Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir hier rausgehen und weiter so halbherzig spielen, verlieren wir das Ding. Wenn wir aber unser wahres Gesicht zeigen, drehen wir es.
Reporter: Und dann kam eine völlig andere zweite Halbzeit.
Rokko: Ja, und wie! Ich weiß nicht, was da genau passiert ist, aber plötzlich war eine ganz andere Energie auf dem Platz. Wir waren bissig, klar in den Zweikämpfen, zielstrebig nach vorne. Und dann kam Ethan.
Reporter: Vier Tore und zwei Vorlagen – sein wohl bestes Spiel?
Rokko: Mit Abstand. Das war Wahnsinn. Das 2:2 in der 65. Minute war der Dosenöffner. Da hat man gemerkt: Jetzt kippt etwas. Servette hatte bis dahin noch Kontrolle, aber mit diesem Tor kam Unruhe rein. Und Ethan war einfach nicht zu stoppen. Das 2:3 in der 74., das 2:4 in der 80. – das ging plötzlich Schlag auf Schlag. Er war überall, hat Tiefenläufe gemacht, war eiskalt im Abschluss und gleichzeitig mannschaftsdienlich wie selten.
Reporter: Man hatte das Gefühl, Servette ist komplett auseinandergebrochen.
Rokko: Genau so war es. Und das ist das Verrückte am Fußball. In der ersten Halbzeit hätten sie höher führen können – und plötzlich wirken sie wie paralysiert. Als wir das 2:3 machen, merkst du, wie sie mit dem Kopf kämpfen. Und wir? Wir riechen Blut. Brighton macht das 2:5, Reichmuth trifft zum 2:6, Bertone setzt mit dem 2:7 den Schlusspunkt. Da war das Spiel längst entschieden, aber wir haben nicht aufgehört.
Reporter: Wie erklärst du dir so einen extremen Unterschied zwischen zwei Halbzeiten?
Rokko: Mentalität. Überzeugung. Und vielleicht auch ein bisschen Momentum. In der ersten Halbzeit waren wir gehemmt, in der zweiten frei. Manchmal reicht ein Tor, um alles zu drehen. Das 2:2 war dieser Moment. Danach lief es wie von selbst – wobei „von selbst“ natürlich nicht stimmt. Die Jungs haben brutal gearbeitet.
Reporter: War es ein Risiko, in der Pause so deutlich zu werden?
Rokko: Vielleicht. Aber ich bin lieber ehrlich als diplomatisch. Wir hatten nichts zu verlieren. Entweder wir zeigen Reaktion – oder wir fahren mit leeren Händen nach Hause. Und die Reaktion war beeindruckend.
Reporter: Ist das einer dieser Abende, die eine Mannschaft zusammenschweißen?
Rokko: Absolut. Du liegst auswärts zurück, wirst teilweise hergespielt, und drehst das Ding dann so. Das macht etwas mit einer Mannschaft. Aber wir dürfen es nicht überbewerten. Die erste Halbzeit war nicht gut, das müssen wir genauso klar sagen wie wir die zweite loben.
Reporter: Was sagst du zu Servette und deinem Trainerkollegen?
Rokko: In der ersten Halbzeit haben sie es richtig stark gemacht. Mutig, direkt, klar im Abschluss. Wenn sie das dritte Tor machen, sprechen wir hier vielleicht über ein ganz anderes Ergebnis. Fußball ist brutal ehrlich – du nutzt deine Chancen oder du wirst bestraft. Heute waren wir in der zweiten Halbzeit die effizientere, entschlossenere Mannschaft. Ich wünsche ihm trotzdem nur das Beste, denn bis zur Pause hatte er uns absolut im Griff.
Reporter: Ist das jetzt ein Statement-Sieg?
Rokko: Vielleicht nach außen. Intern wissen wir, dass wir zwei Gesichter gezeigt haben. Aber ja, sieben Tore auswärts sind nicht alltäglich. Wir freuen uns darüber, keine Frage. Vor allem über die Art und Weise, wie wir zurückgekommen sind.
Reporter: Blick nach vorne – was bedeutet dieses Spiel?
Rokko: Selbstvertrauen, aber auch Warnung. Wenn wir 45 Minuten schlafen, wird es irgendwann nicht mehr reichen, nur eine gute Halbzeit zu spielen. Heute hat es gereicht, weil wir in einen Rausch gekommen sind. Nächste Woche kann es anders aussehen.
Reporter: Dein abschließendes Fazit?
Rokko: Eine erste Halbzeit zum Vergessen, eine zweite zum Einrahmen. Ein überragender Ethan Meichtry, eine Mannschaft mit Charakter – und am Ende drei Punkte, die wir uns durch eine unglaubliche Leistungssteigerung absolut verdient haben. Fußball ist manchmal verrückt.
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