Champions League, 8 Spieltag, 15.01.2026 11:07:02
Reporter: Rokko, 1:7 gegen den FC Barcelona – ein Ergebnis, das auf den ersten Blick brutal wirkt. Wie fühlt sich dieser Abend für dich an?
Rokko: Es ist natürlich ein Resultat, das weh tut, darüber brauchen wir nicht reden. Sieben Gegentore zuhause sind nie geil. Gleichzeitig ist das heute aber ein Spiel, das man sehr differenziert betrachten muss. Seit der Auslosung war klar, dass hier wirklich alles zusammenkommen müsste – Weihnachten und Ostern an einem Tag –, damit wir gegen so einen Gegner bestehen können. Barcelona ist ein absolutes Schwergewicht, sportlich wie auch historisch, und das haben sie heute eindrucksvoll gezeigt.
Reporter: Die Freude auf dieses Spiel war bei dir im Vorfeld trotzdem sehr groß.
Rokko: Extrem groß. Und das ist auch unabhängig vom Ergebnis so geblieben. Ich feiere diesen Verein seit Ronaldinho dort gekickt hat. Barcelona ist für mich mehr als nur ein Fußballklub, das ist eine Philosophie, eine Art Fußball zu denken. Dazu kommt, dass ich quasi täglich damit konfrontiert werde, weil mein Bruder sich komplett in diesen Verein verliebt hat. Das gehört bei uns einfach dazu. Umso schöner war es, dass sie jetzt tatsächlich bei uns in Thun auf dem Platz standen.
Reporter: Zusätzlich gibt es mit Joel auf der Trainerbank von Barcelona noch jemanden, den du schon seit vielen Jahren kennst.
Rokko: Ja, absolut. Joel ist ein Wegbegleiter, jemand, den ich sehr schätze. Solche Spiele sind dann etwas ganz Besonderes. Du stehst auf der einen Seite voll im Wettbewerb, willst alles rausholen, willst dich messen. Auf der anderen Seite ist da auch dieser Respekt und diese Freude, sich auf diesem Niveau begegnen zu dürfen. Das macht die Champions League aus.
Reporter: Zum Spiel selbst: Barcelona legt einen unfassbaren Start hin.
Rokko: Das war im Prinzip der Worst Case. Frühes Gegentor, dann direkt das zweite, das dritte – da merkst du einfach, wie gnadenlos effizient und dominant dieser Gegner ist. Barca lässt den Ball laufen, zieht dich auseinander, findet immer wieder Lösungen. Wir waren von Beginn an extrem gefordert, ehrlicherweise auch überfordert, und haben kaum Zugriff bekommen.
Reporter: Lamine Yamal und Robert Lewandowski sorgen früh für klare Verhältnisse.
Rokko: Und das ist genau der Unterschied zu anderen Spielen. Wenn du solche Spieler hast, dann bestrafen sie jeden kleinen Fehler. Yamal mit dieser Leichtigkeit, dieser Frechheit, Lewandowski mit seiner Kaltschnäuzigkeit – das ist Weltklasse. Du kannst etwas richtig machen und wirst trotzdem bestraft. Genau das ist heute passiert.
Reporter: Gab es Phasen, in denen Thun besser im Spiel war?
Rokko: Wenn ich ganz ehrlich bin: vielleicht 15, maximal 20 Minuten über das gesamte Spiel verteilt. Und selbst da würde ich nicht sagen, dass wir klar besser waren, sondern eher, dass wir es geschafft haben, das Spiel etwas ausgeglichener zu gestalten. Wir hatten ein paar Ballbesitzphasen, ein paar ordentliche Angriffe, aber das war alles sehr punktuell.
Reporter: Der Treffer von Brighton Labeau kurz vor der Pause sorgt zumindest für ein kleines Highlight.
Rokko: Absolut. Das war wichtig für uns, für die Jungs, für das Stadion. Dieses 1:5 zur Pause fühlt sich natürlich immer noch hart an, aber wenigstens konnten wir uns belohnen. Brighton arbeitet unglaublich viel, geht immer wieder Wege, und dann macht er das Tor. Das war ein Moment, der gezeigt hat: Wir geben uns hier nicht auf. Und das ist mir extrem wichtig zu betonen - das Ergebnis sieht danach aus, als hätten wir uns aufgegeben. Das war zur keiner Sekunde so, dass sollten sich meine Spieler mal trauen. Wir haben uns die Teilnahme so hart erarbeitet, da sollen die Jungs das gottverdammt nochmal jede Sekunde genießen und alles reinwerfen. Und dann habe ich auch kein Problem damit, wenn man dieses Spiel so deutlich verliert.
Reporter: Trotzdem erhöht Barcelona nach der Pause erneut.
Rokko: Ja, und das unterstreicht einfach ihre Qualität. Sie bleiben konzentriert, spielen ihr Ding weiter, auch bei einer klaren Führung. Dani Olmo, Pedri – das sind Spieler, die jederzeit ein Spiel entscheiden können. Olmo war allgemein heute der Dreh- und Angelpunkt. Da gibt es keinen Spannungsabfall, keinen Leerlauf. Das ist Champions-League-Niveau in Reinform.
Reporter: Wie hast du die Leistung deiner Mannschaft wahrgenommen?
Rokko: Ich bin stolz auf die Einstellung der Jungs. Und das meine ich vollkommen ernst. Wir stehen jetzt weiterhin bei null Punkten, wir haben heute hoch verloren – aber niemand hat aufgehört. Niemand hat sich versteckt. Die Jungs wollten, sie haben alles gegeben, sind gelaufen, haben versucht, mutig zu bleiben. Es hat einfach nicht gereicht, weil der Gegner in allen Belangen besser war.
Reporter: Kann man aus so einem Spiel trotzdem etwas mitnehmen?
Rokko: Natürlich, Niederlagen zeigen dir oft mehr als Siege. Sie zeigen dir wo du gut bist, aber vor allem, wo dir noch etwas fehlt – sei es im Tempo beim Spielaufbau, in der Entscheidungsfindung, in der Präzision unter Druck. Das ist teures Lehrgeld, aber genau dafür ist dieser Wettbewerb da. Du misst dich mit den Besten und lernst daraus.
Reporter: Wie ordnest du die Niederlage im Kontext der Champions-League-Saison ein?
Rokko: Wir wussten von Anfang an, dass das extrem schwer wird. Wir stehen bei null Punkten und warten weiter auf etwas Zählbares, das ist die nackte Wahrheit. Aber wir sind weiterhin topmotiviert. Dieses Spiel hat uns nicht den Glauben genommen, im Gegenteil. Es hat uns gezeigt, wie hoch die Messlatte liegt – und wie viel Spaß es trotzdem machen kann, sich auf dieser Bühne zu zeigen.
Reporter: Du hast den hohen Besuch aus Katalonien angesprochen.
Rokko: Ja, das möchte ich unbedingt betonen. Es war uns eine Ehre, den FC Barcelona hier bei uns in der Schweiz begrüßen zu dürfen. Solche Spiele sind etwas Besonderes für den Verein, für die Fans, für die ganze Region. Dafür sind wir dankbar, unabhängig vom Ergebnis.
Reporter: Abschließend ein Wort zum Trainerkollegen?
Rokko: Ich wünsche Joel und seinem Team von Herzen nur das Beste für den weiteren Verlauf der Champions League. Barcelona hat heute ein bockstarkes Spiel gemacht, absolut würdig eines Topfavoriten. Es war mir eine Freude, dieses Duell zu erleben – sportlich wie menschlich. Wir machen jetzt weiter, arbeiten hart und warten weiter auf den Moment, in dem wir uns vielleicht auch mal belohnen können.
PS: Nochmal sorry, dass du warten musstest!!
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