Reporter: Rokko, nach dem Champions-League-Spiel gegen Newcastle heute nun die erste Niederlage in der Liga. 1:3 in Luzern. Wie fällt dein erstes Fazit aus?
Rokko: Kurz und ehrlich: absolut verdient. Das muss man so klar sagen. Nach dem Spiel heute gibt es nichts zu beschönigen. Luzern war von der ersten Minute an wacher, griffiger und insgesamt einfach besser vorbereitet auf das, was wir anbieten wollten. Wir haben heute nicht das auf den Platz bekommen, was uns in den letzten Wochen ausgezeichnet hat, und dafür wurden wir bestraft.
Reporter: Der Start ins Spiel war erneut schwierig, früh das 0:1, wenig später sogar das 0:2.
Rokko: Ja, und das zieht sich leider ein bisschen wie ein roter Faden durch die Saison. Wir kassieren einfach zu früh Gegentore. Das ist ein Thema, das wir intern sehr offen ansprechen. Luzern erwischt einen richtig guten Start, ist aggressiv, klar im Pressing und zwingt uns direkt zu Fehlern. Das 1:0 nach acht Minuten kommt nicht von ungefähr, das ist gut herausgespielt. Und nach dem 2:0 läufst du hier auswärts natürlich einem Rückstand hinterher, gegen einen Gegner, der das sehr, sehr clever verteidigt.
Reporter: Danach hatte man den Eindruck, dass Thun lange Zeit keinen richtigen Zugriff bekommt.
Rokko: Genau das ist der Punkt. Wir sind dem Spiel lange hinterhergelaufen, ohne wirklich Kontrolle zu bekommen. Uns ist es nicht gelungen, unser Spiel aufzuziehen. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen müssen wir uns da selbst an die Nase fassen: Wir waren offensiv einfach nicht kreativ genug. Zu wenig Bewegung, zu wenig Tempo, zu wenig Überraschungsmomente. Zum anderen muss man aber auch ganz klar sagen, dass der Trainerkollege das hervorragend gemacht hat. Luzern stand extrem kompakt, hat die Räume gut zugeschoben und uns kaum etwas angeboten.
Reporter: Ehrlich gesagt, kam überraschend wenig in der Offensive über die gesamten 90 Minuten.
Rokko: Ja, das ist leider so. Wenn man ehrlich ist, hatten wir über weite Strecken kaum nennenswerte Offensivaktionen. Drei Schüsse insgesamt, das ist zu wenig. Gerade nach dem Champions-League-Spiel hätte ich mir gewünscht, dass wir diese Energie, dieses Selbstvertrauen mitnehmen. Aber das ist uns heute nicht gelungen. Wir waren oft einen Schritt zu spät, zu statisch und zu leicht auszurechnen.
Reporter: Direkt nach der Pause fällt dann das 3:0 für Luzern.
Rokko: Das ist natürlich ein Nackenschlag. Du kommst aus der Kabine, nimmst dir vor, nochmal alles reinzulegen, und dann kassierst du so früh das dritte Gegentor. Auch da verteidigen wir nicht konsequent genug. Und da sind wir bei einem weiteren Thema, das uns schon die ganze Saison begleitet: defensiv sind wir zu schlecht. Das zieht sich durch, unabhängig vom Gegner. Wir bekommen zu einfach Gegentore, und das rächt sich heute. Wir haben sonst einfach oft das Glück, dass die Offensive uns den Arsch rettet, heute ging da auch wenig und prompt läuft es gegen dich - völlig normal und vielleicht auch mal gut, dass es jetzt passiert ist.
Reporter: Der späte Treffer von Brighton Labeau zum 3:1 kam dann zu spät.
Rokko: Genau. Das Tor freut mich für Brighton, weil er einfach in einer richtig guten Verfassung ist und immer wieder vorangeht. Aber realistisch betrachtet änderte dieses Tor nichts mehr am Spielverlauf. Es war zu spät, um hier noch etwas zu drehen. Luzern war zu stabil, zu abgeklärt und insgesamt einfach reifer heute.
Reporter: Nach dem intensiven Champions-League-Spiel stellt sich die Frage: War vielleicht auch der Kopf noch ein bisschen in Europa?
Rokko: Das will ich nicht als Ausrede gelten lassen, aber natürlich wäre es gelogen zu sagen, dass so ein Champions-League-Abend spurlos an dir vorbeigeht. Das war ein emotionales Spiel, ein Highlight für alle. Trotzdem erwarte ich von uns, dass wir in der Liga Vollgas geben - denn nur so, können wir uns erneut für diesen wunderbaren Wettbewerb qualifizieren.
Reporter: Du hast die Gründe schon angesprochen: fehlende Kreativität vorne, fehlende Stabilität hinten.
Rokko: Ja, das fasst es ziemlich gut zusammen. Offensiv waren wir heute zu ideenlos, defensiv zu anfällig. Das ist keine gute Kombination. Wir haben aktuell nicht diese Balance, die es braucht, um solche Spiele zumindest offen zu gestalten. Und wenn du dann gegen einen gut organisierten Gegner spielst, der seine Chancen konsequent nutzt, dann verlierst du so ein Spiel auch in dieser Höhe verdient.
Reporter: Wie gehst du persönlich mit dieser ersten Niederlage in der Liga um?
Rokko: Ganz ruhig. Niederlagen gehören dazu, gerade in einer Saison, die bisher sehr, sehr gut gelaufen ist. Vielleicht kommt diese Niederlage sogar zum richtigen Zeitpunkt. Sie erdet uns, zeigt uns ganz klar, wo wir stehen und woran wir arbeiten müssen. Wichtig ist jetzt, dass wir nicht anfangen, alles infrage zu stellen. Mund abputzen, analysieren, weitermachen. Das ist Fußball.
Reporter: Trotz allem: ein großes Lob an den Gegner?
Rokko: Absolut. Glückwunsch an den Trainerkollegen, absolut verdienter Sieg. Luzern hat heute gezeigt, wie man uns knacken kann. Sie waren taktisch hervorragend eingestellt, defensiv sehr diszipliniert und offensiv effizient. Das war eine reife Leistung, und da ziehe ich den Hut vor.
Reporter: Was nimmst du aus diesem Spiel mit für die kommenden Aufgaben?
Rokko: Sehr viel. Wir müssen wieder klarer in unseren Abläufen werden, mutiger nach vorne spielen und gleichzeitig defensiv kompakter stehen. Gerade die Balance zwischen Risiko und Absicherung müssen wir besser hinbekommen. Und wir müssen akzeptieren, dass wir nicht jedes Spiel über individuelle Qualität lösen können. Da braucht es mannschaftliche Geschlossenheit, und die haben wir heute vermissen lassen.
Reporter: Abschließend: Wie wichtig ist jetzt der Blick nach vorne?
Rokko: Wichtig, aber auch nicht wichtiger als sonst ehrlicherweise. Wir haben eine gute Ausgangslage in der Liga. Jetzt kommt es darauf an, wie wir mit Rückschlägen umgehen. Und ich bin überzeugt, dass diese Mannschaft die richtige Reaktion zeigen wird. Heute war es ein Dämpfer, ja. Aber keiner, der uns aus der Bahn wirft.
Reporter: Danke für deine offenen Worte, Rokko.
Rokko: Gerne. Und nochmal - Glückwunsch nach Luzern. Verdienter Sieg. Für uns heißt es jetzt, arbeiten, lernen und es beim nächsten Mal besser machen.
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20.11.2025 20:43:54
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