Eredivisie, 22 Spieltag, 22.04.2026 19:39:56
Dirk große Schlarmann: Rokko, in kurzer Zeit 2x gegen den gleichen Gegner, schaut man nur auf das Ergebnis, dann denkt man sich: klare Angelegenheit, 5:1, souverän runtergespielt. Wenn man das Spiel aber gesehen hat, war das ja gerade in der ersten Halbzeit alles andere als eindeutig, oder?
Rokko: Richtig analysiert, Dirk - Mensch, du hättest ja auch Spieleanalyst werden können (zwinkern). Das Ergebnis täuscht da ein Stück weit, wenn man ehrlich ist. Die erste Halbzeit war komplett auf Augenhöhe, das muss man ganz klar sagen. Beide Mannschaften waren gut im Spiel, beide hatten ihre Phasen, beide waren gefährlich. Da hätte es genauso gut 1:1 oder 2:2 stehen können. Wir haben in der Phase einfach unsere Chancen besser genutzt, das war der Unterschied.
Dirk große Schlarmann: Das klingt nach genau dem Gegenteil vom Pokalspiel, wo du gesagt hast, es war ein 50/50-Spiel, das ihr vielleicht ein bisschen glücklich gezogen habt. Heute dann eher effizienter?
Rokko: Ja, das trifft es ganz gut. Im Pokal war es wirklich komplett offen, da hätte es in beide Richtungen gehen können. Heute war es vom Spielverlauf her ähnlich eng in der ersten Halbzeit, aber wir waren vor dem Tor einfach klarer. Und das ist dann eben oft entscheidend auf dem Niveau. Wenn du deine Chancen nutzt und der Gegner vielleicht eine oder zwei liegen lässt, dann kippt so ein Spiel in deine Richtung.
Dirk große Schlarmann: Dann kommt dieser Moment direkt nach der Pause – Doppelschlag, zwei Tore in kurzer Zeit. War das der Knackpunkt?
Rokko: Ja, ich glaube schon. Das war die Phase, die das Spiel entschieden hat. Du kommst aus der Kabine, hast dir ein paar Dinge vorgenommen, willst eigentlich stabil bleiben – und dann triffst du direkt zweimal. Das gibt dir natürlich extrem viel Sicherheit. Und für den Gegner ist das brutal, weil er eigentlich gut im Spiel war und plötzlich zwei Tore hinten liegt.
Dirk große Schlarmann: Wie erklärst du dir das? Ist das eine Frage von Mentalität?
Rokko: Nunja, wir kommen aktuell sehr wach aus der Kabine, das muss man schon sagen. Die Jungs sind fokussiert, wissen, was sie wollen. Und dann hast du natürlich auch die Qualität vorne, um solche Situationen auszunutzen. Aber ich will da auch gar nicht zu viel reininterpretieren – es gibt genauso Spiele, da passiert genau das Gegenteil.
Dirk große Schlarmann: Danach hatte man schon das Gefühl, dass ihr das Spiel mehr und mehr unter Kontrolle bekommt.
Rokko: Ja, das würde ich auch so sehen. Mit dem 4:2 im Pokal war es ähnlich – wenn du diesen kleinen Abstand hast, dann bekommst du ein anderes Gefühl für das Spiel. Heute war es nach dem Doppelschlag so, dass wir ruhiger geworden sind, klarer in unseren Aktionen. Wir haben den Ball besser laufen lassen und defensiv auch stabiler gestanden.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem, wenn wir nochmal auf die erste Halbzeit schauen – warst du da komplett zufrieden oder gab es Punkte, wo du sagst, da müssen wir besser werden?
Rokko: Es gibt immer Dinge, die besser gehen, das ist klar. Wir hatten Phasen, in denen wir vielleicht einen Tick zu offen waren oder die Wege nicht ganz sauber gegangen sind. Aber insgesamt war das schon in Ordnung. Gegen so einen Gegner ist es normal, dass du nicht 90 Minuten komplett die Kontrolle hast. Wichtig war, dass wir im Spiel geblieben sind.
Dirk große Schlarmann: Wenn man eure letzten Spiele betrachtet – Pokal, jetzt Liga – hat man das Gefühl, dass ihr auch in engen Spielen Lösungen findet. Ist das ein Entwicklungsschritt?
Rokko: Puh, gute Frage - so habe ich das noch gar nicht gesehen. Wir haben Spiele dabei gehabt, die sehr knapp waren, wo es auf Kleinigkeiten ankommt. Und da ist es wichtig, ruhig zu bleiben, nicht hektisch zu werden. Ich finde, das macht die Mannschaft im Moment ganz gut. Wir finden Wege, auch wenn es nicht perfekt läuft.
Dirk große Schlarmann: Du sprichst die Entwicklung an – insgesamt wirkt das aktuell sehr stabil. Wie nimmst du das wahr?
Rokko: Sehr positiv, klar. Aber ich bleibe dabei: Wir müssen das richtig einordnen. Wir haben eine gute Phase, wir holen unsere Punkte, wir spielen teilweise auch guten Fußball. Aber wir sind noch lange nicht am Ende unserer Entwicklung. Es gibt viele Dinge, die wir noch verbessern können.
Dirk große Schlarmann: Wenn wir auf die Tabelle schauen, dann sieht das aktuell schon sehr ordentlich aus. Europa ist kein Tabuthema mehr, oder?
Rokko: Nein, intern ist das schon ein Thema, das ist kein Geheimnis. Wir wollen international spielen, das ist unser Ziel. Aber wir wissen auch, dass der Weg dahin noch sehr lang ist. Diese Liga ist extrem ausgeglichen, da kann sich das schnell drehen. Deshalb bleiben wir bei unserem Ansatz: von Spiel zu Spiel denken.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem – solche Siege geben dir natürlich Selbstvertrauen.
Rokko: Klar, das wäre auch komisch, wenn nicht. Wenn du Spiele gewinnst, dann wächst das Selbstvertrauen automatisch. Aber das ist auch etwas, das schnell wieder weg sein kann. Deshalb ist es wichtig, weiter hart zu arbeiten und nicht nachzulassen.
Dirk große Schlarmann: Ein paar Worte zu deinem Gegner heute?
Rokko: Sehr gerne. Ich habe großen Respekt vor meinem Trainerkollegen und seiner Mannschaft. Das war heute in der ersten Halbzeit ein sehr enges Spiel, das darf man nicht vergessen. Sie haben uns alles abverlangt. Das Ergebnis ist am Ende vielleicht etwas zu deutlich, aber das schmälert nicht die Leistung des Gegners.
Dirk große Schlarmann: Du hast jetzt innerhalb kurzer Zeit zweimal gegen sie gespielt – hilft das in der Analyse oder macht es das eher komplizierter?
Rokko: Beides ein bisschen. Du kennst natürlich gewisse Abläufe, weißt, was auf dich zukommt. Gleichzeitig stellt sich der Gegner auch auf dich ein. Das ist immer so ein kleines Schachspiel. Heute hatten wir vielleicht die besseren Lösungen, aber das kann im nächsten Spiel schon wieder ganz anders aussehen.
Dirk große Schlarmann: Wenn wir ein bisschen nach vorne schauen – was wird jetzt entscheidend in den nächsten Wochen?
Rokko: Konstanz. Das ist und bleibt das wichtigste Thema. Es geht nicht darum, ein Spiel wie heute zu gewinnen, sondern darum, über Wochen hinweg die Leistung zu bringen. Auch in Spielen, die vielleicht nicht so laufen, trotzdem Punkte mitzunehmen.
Dirk große Schlarmann: Wo siehst du noch den größten Verbesserungsbedarf?
Rokko: In vielen kleinen Dingen. Im Umschaltspiel, in der Absicherung, in der Entscheidungsfindung im letzten Drittel. Das sind oft Nuancen, die am Ende den Unterschied machen. Da wollen wir uns weiter verbessern.
Dirk große Schlarmann: Letzte Frage: Nach so einem Spiel – wie sehr genießt man das als Trainer?
Rokko: Man freut sich natürlich, keine Frage. Aber es geht relativ schnell weiter. Wir analysieren das Spiel, nehmen die positiven Dinge mit, schauen, was wir besser machen können – und dann richtet sich der Fokus wieder nach vorne. So ist das Geschäft.
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk!
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