Eredivisie, 16 Spieltag, 19.04.2026 21:46:30
Dirk große Schlarmann: Rokko, 3:7 am Ende – das ist natürlich erstmal ein Ergebnis, bei dem man schlucken muss. Lass uns trotzdem wie immer ein bisschen einordnen: War das heute einfach ein gebrauchter Tag oder war der Gegner so gut?
Rokko: Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem. Natürlich ist so ein Ergebnis erstmal deutlich, da brauchen wir nicht drum herum reden. Aber ich finde schon, dass man es richtig einordnen muss. Wir waren nicht komplett chancenlos oder völlig unterlegen, aber Twente hat es einfach richtig gut gemacht. Und das musst du dann auch anerkennen. Gleichzeitig hatten wir Phasen im Spiel, wo wir selbst nicht auf unserem Niveau waren – gerade zu Beginn der zweiten Halbzeit. Und das wird dann auf diesem Level direkt bestraft.
Dirk große Schlarmann: Du sprichst es an – der Start ins Spiel. Sehr früh das Gegentor, direkt im Hintertreffen. Wie sehr beeinflusst das so eine Partie?
Rokko: Das macht natürlich etwas mit dem Spielverlauf. Wenn du früh in Rückstand gerätst, musst du hinterherlaufen. Das wollten wir eigentlich vermeiden. Aber ich fand trotzdem, dass wir danach ganz ordentlich reingekommen sind. Wir waren nicht komplett weg vom Fenster, sondern hatten schon unsere Phasen. Vielleicht nicht ganz so klar wie der Gegner, aber wir waren in Schlagdistanz.
Dirk große Schlarmann: Was heute auffällig war: Twente hat immer wieder sehr schnell das Mittelfeld überbrückt. Direkte, scharfe Pässe nach vorne, viel Tempo. Wie schwer ist das zu verteidigen?
Rokko: Extrem schwer. Das haben sie wirklich sehr gut gemacht. Diese direkten Bälle, oft in die Spitze oder über die Außen, dann wird der Ball gut abgeschirmt, schnell weiterverarbeitet – das ist schon Qualität. Vor allem, weil das alles sehr schnell geht. Du hast kaum Zeit, dich zu sortieren. Und wenn du da einen Schritt zu spät bist, dann wird es gefährlich. Das war heute ein entscheidender Faktor.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem hattest du zur Halbzeit das Gefühl, da geht noch was?
Rokko: Ja, absolut. Wir waren dran, das war so mein Eindruck. Klar, wir lagen hinten, aber es war nicht so, dass das Spiel komplett weg war. Wir hatten das Gefühl, wenn wir ein, zwei Dinge anpassen, dann können wir nochmal rankommen. Deshalb war die Halbzeit für uns eigentlich wichtig, um genau diese Dinge anzusprechen.
Dirk große Schlarmann: Und dann kommt die Phase direkt nach Wiederanpfiff – wahrscheinlich die schwächste Phase eurerseits, oder?
Rokko: Ja, das muss man so klar sagen. Das war nicht gut genug. Da haben wir den Zugriff verloren, waren nicht mehr so kompakt, haben zu viele Räume angeboten. Und gegen eine Mannschaft wie Twente wird das dann sofort bestraft. Das war am Ende auch die Phase, die das Spiel entschieden hat.
Dirk große Schlarmann: Ist das dann eher ein mentales Thema oder ein taktisches?
Rokko: Ich glaube, es ist von allem etwas. Natürlich geht es auch um Konzentration, um Wachsamkeit. Aber es sind auch Abläufe, die in dem Moment nicht gepasst haben. Wichtig ist, dass wir das sauber analysieren und daraus die richtigen Schlüsse ziehen.
Dirk große Schlarmann: Wenn man das Ergebnis sieht – 7:3 – könnte man meinen, ihr wart defensiv komplett offen. Würdest du das so unterschreiben?
Rokko: Nein, das würde ich so nicht sagen. Klar, sieben Gegentore sind zu viel, da brauchen wir nicht diskutieren. Aber es war nicht so, dass wir komplett die Ordnung verloren haben. Vielmehr hat der Gegner seine Chancen extrem gut genutzt. Sie waren sehr effizient, sehr klar im Abschluss. Und das macht dann den Unterschied.
Dirk große Schlarmann: Lass uns kurz den Blick weiten. Nach zuletzt sehr starken Wochen – wie wichtig ist es, so eine Niederlage richtig einzuordnen?
Rokko: Sehr wichtig. Im Fußball geht es nie nur nach oben. Solche Spiele gehören dazu. Entscheidend ist, wie du damit umgehst. Wir werden das analysieren, wir werden die Dinge ansprechen – und dann geht es weiter. Es bringt nichts, jetzt alles infrage zu stellen.
Dirk große Schlarmann: Du wirkst trotz der Deutlichkeit relativ ruhig.
Rokko: Ja, schon. Natürlich ärgert man sich nach so einem Spiel, das ist klar. Aber ich glaube, es ist wichtig, nicht in Extreme zu verfallen. Wir haben vorher viele Dinge gut gemacht, und die sind durch dieses eine Spiel nicht plötzlich weg. Genauso gibt es Dinge, die heute nicht gut waren – und die müssen wir verbessern.
Dirk große Schlarmann: Was nimmst du denn positiv mit aus diesem Spiel?
Rokko: Dass wir uns nicht komplett haben hängen lassen. Auch wenn das Ergebnis am Ende deutlich ist, haben die Jungs weiter gearbeitet, weiter versucht, Lösungen zu finden. Das ist nicht selbstverständlich. Und das ist etwas, worauf man aufbauen kann.
Dirk große Schlarmann: Und wo siehst du den größten Hebel für die nächsten Spiele?
Rokko: Ganz klar in der Konstanz und in der Kompaktheit. Gerade gegen solche Gegner musst du über 90 Minuten sehr sauber arbeiten und in jeder Sekunde konzentriert beliben. Kleine Fehler werden direkt bestraft. Da müssen wir einfach noch stabiler werden.
Dirk große Schlarmann: Ein paar Worte noch zum Gegner – du hast es schon angedeutet, aber vielleicht nochmal zusammengefasst.
Rokko: Twente hat das wirklich sehr gut gemacht. Sehr klar im Spiel nach vorne, sehr effizient im Abschluss. Das war schon beeindruckend. Deshalb Glückwunsch an meinen Trainerkollegen, das war eine starke Leistung.
Dirk große Schlarmann: Wie gehst du jetzt in die kommenden Tage? Viel Analyse oder eher Fokus nach vorne?
Rokko: Beides. Wir werden das Spiel analysieren, die Dinge klar ansprechen. Aber dann geht der Blick auch schnell nach vorne. Die Saison ist lang, und wir haben noch viele Spiele vor uns. Da zählt es, schnell wieder in unseren Rhythmus zu kommen.
Dirk große Schlarmann: Letzte Frage, Rokko: Kann so eine Niederlage auch helfen, den Fokus wieder zu schärfen?
Rokko: Ja, das kann sie. Auch wenn man das in dem Moment vielleicht nicht hören will. Aber solche Spiele zeigen dir sehr klar, wo du stehst und was du verbessern musst. Wichtig ist, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen.
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk!
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