Champions League, 3 Spieltag, 01.02.2026 11:58:36
Esther Sedlaczek: Rokko, ein zerstörendes 0:6 Zuhause gegen Leeds United. Das Ergebnis ist brutal deutlich, keine zwei Meinungen. Wenn man dich hier so sieht – was überwiegt gerade: Enttäuschung über die Höhe oder eher das nüchterne Einordnen der Realität?
Rokko: Beides, wenn ich ehrlich bin. Natürlich tut so ein Ergebnis weh, gerade zuhause, gerade auf dieser Bühne, für die wir letzte Saison so unheimlich viel investiert haben - da brauchen wir nicht drum herumreden. Aber gleichzeitig bin ich auch Realist. Wir spielen hier gegen einen absoluten Topanwärter auf den Titel, eine Mannschaft mit unfassbarer individueller Qualität, Tempo, Wucht, Effizienz. Wenn Leeds ins Rollen kommt, dann wird es für jede Mannschaft schwer. Der Sieg ist absolut verdient, daran gibt es nichts zu rütteln. Was mich aber trotzdem ruhig schlafen lässt: Ich kann meinen Jungs heute keinen Vorwurf machen. Keinen einzigen.
Esther Sedlaczek: Das klingt nach einer bewussten Trennung zwischen Ergebnis und Leistung.
Rokko: Genau das ist es. Wenn du dir nur das Ergebnis anschaust, denkst du: Komplett chancenlos, überrollt, Klassenunterschied. Und ja, in vielen Phasen war der Unterschied auch sichtbar. Aber es ist eben nicht die ganze Wahrheit. Wir hatten Phasen, in denen wir Druck aufgebaut haben. Wir hatten Chancen. Wir hatten Situationen, wo wir uns gesagt haben: Wenn jetzt einer reinfällt, dann kippt zumindest die Stimmung im Stadion, vielleicht auch ein Stück weit das Spiel. Dieser Ehrentreffer wollte einfach nicht fallen. Und dann bekommst du auf der anderen Seite jeden Fehler, jede Unsauberkeit sofort bestraft.
Esther Sedlaczek: Leeds trifft früh, sehr früh sogar. Wie schwer ist es, gegen so einen Gegner dann nicht direkt in einen Negativstrudel zu geraten?
Rokko: Extrem schwer. Das 0:1 nach neun Minuten tut weh, klar. Aber wir sind danach nicht auseinandergefallen. Wir haben weiter unseren Plan verfolgt, haben versucht, mutig zu bleiben. Das Problem ist: Leeds braucht keine Einladung. Ein kleiner Moment, ein halber Schritt zu spät, und dann geht es brutal schnell. Okafor, Gnonto, James – das ist einfach internationale Spitzenklasse. Die bestrafen dich nicht nur, die machen das auch noch eiskalt.
Esther Sedlaczek: Trotzdem hast du eben gesagt, du kannst deiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Was genau meinst du damit?
Rokko: Einsatz, Wille, Bereitschaft – alles war da. Die Jungs haben nicht aufgehört zu laufen, sie haben sich nicht versteckt. Und das ist mir extrem wichtig. Ich hasse nichts mehr als Spiele, in denen du das Gefühl hast, die Mannschaft ergibt sich ihrem Schicksal. Das war heute nicht der Fall. Wir wollten. Wir haben es versucht. Wir haben uns reingeworfen. Aber manchmal reicht das eben nicht. Manchmal ist der Gegner einfach besser.
Esther Sedlaczek: Noah Okafor trifft dreifach, Leeds insgesamt gnadenlos effizient. Ist das am Ende genau der Unterschied auf diesem Niveau?
Rokko: Ja, absolut. Effizienz ist auf diesem Level alles. Wir haben unsere Chancen nicht genutzt, Leeds nutzt jede. Das ist Champions League. Da wirst du für Nachlässigkeiten nicht verwarnt, da wirst du bestraft. Und das teilweise ohne große Vorwarnung. Okafor hatte heute einen Sahnetag, das muss man anerkennen. Aber auch da sage ich: Das passiert nicht einfach so. Das sind Abläufe, das ist Qualität, das ist Selbstverständnis.
Esther Sedlaczek: Nach sieben Spielen steht ihr nun bei drei Punkten in der Champions League. Wenn man das hört, klingt das ernüchternd.
Rokko: Das ist es auch. Da will ich nichts schönreden. Wir hatten uns deutlich mehr erhofft. Wir haben uns gefreut wie kleine Kinder auf diese Champions-League-Saison. Das war ein riesiges Ziel, ein Traum. Und jetzt stehen wir da und müssen feststellen: Erfahrung ist schön, aber Punkte wären schöner gewesen. Wir haben viele enge Spiele gehabt, viele „hätte, hätte“-Momente. Und am Ende steht eben diese Zahl: drei Punkte nach sieben Spielen. Das tut weh.
Esther Sedlaczek: Entwickelt sich diese Vorfreude auf die Champions League gerade mehr und mehr zu Frust?
Rokko: Ja, das kann man so sagen. Es ist frustrierend, weil du merkst, dass du zwar teilweise mithalten kannst, dass du nicht komplett fehl am Platz bist – und trotzdem nichts Zählbares dabei rumkommt. Und irgendwann reicht es nicht mehr, gut mitzuspielen. Irgendwann willst du Ergebnisse sehen. Genau da stehen wir gerade emotional.
Esther Sedlaczek: Wie gehst du persönlich mit dieser Situation um?
Rokko: Ich versuche, ehrlich zu bleiben. Zu mir selbst und zur Mannschaft. Ich werde mich nicht hinstellen und sagen: Alles super, war doch schön. War es nicht. Aber ich werde auch nicht alles infrage stellen. Wir haben uns diesen Wettbewerb verdient. Und auch wenn es gerade wehtut: Diese Spiele werden uns langfristig besser machen. Davon bin ich überzeugt.
Esther Sedlaczek: Du hast eben die Chancen angesprochen, die ihr hattet. Wie bitter ist es, dass heute nicht mal der Ehrentreffer gelungen ist?
Rokko: Sehr bitter. Für die Jungs, für die Fans, für das Gefühl. Ein Tor hätte nichts am Ausgang geändert, aber es hätte sich besser angefühlt. Es hätte gezeigt: Wir waren da, wir haben uns belohnt. So bleibt dieses nackte 0:6 stehen, und das tut weh.
Esther Sedlaczek: Wie wichtig ist es jetzt, den Blick schnell wieder nach vorne zu richten?
Rokko: Extrem wichtig. Wir haben noch ein Spiel in der Champions League. Und so verrückt es klingt: Darauf müssen wir jetzt unseren vollen Fokus legen. Nicht jammern, nicht zurückschauen, sondern alles reinwerfen. Wir schulden uns selbst, dass wir diese Gruppenphase sauber zu Ende spielen.
Esther Sedlaczek: Was nimmst du aus diesem Spiel mit?
Rokko: Demut. Und Klarheit. Wir wissen jetzt, wo wir stehen und woran wir arbeiten müssen. Aber auch Stolz auf meine Mannschaft. Trotz des Ergebnisses. Weil sie sich nicht aufgegeben hat. Und das ist für mich als Trainer enorm wichtig.
Esther Sedlaczek: Du hast den Trainerkollegen Tiggr noch nicht erwähnt. Wie bewertest du Leeds insgesamt?
Rokko: Top. Ganz ehrlich, Top. Sehr gut eingestellt, brutal effizient, hohes Tempo. Tiggr macht da einen überragenden Job. Das ist eine Mannschaft mit klarer Handschrift. Und wenn so ein Team dann auch noch einen Sahnetag erwischt, dann wird es für den Gegner eben sehr, sehr schwer. Glückwunsch an Leeds, völlig verdient.
Esther Sedlaczek: Letzte Frage, Rokko: Was sagst du deiner Mannschaft heute in der Kabine?
Rokko: Kopf hoch. Wir sind noch da. Wir lassen uns von so einem Abend nicht brechen. Wir analysieren, wir lernen, wir machen weiter. Und wir werden im letzten Spiel nochmal alles raushauen.
Esther Sedlaczek: Rokko, danke dir für die offenen Worte.
Rokko: Danke dir, Esther.
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