Reporter: Rokko, ein 6:0-Heimsieg gegen den FC Sion, das liest sich erst mal nach einem perfekten Abend. Gleichzeitig kam dieser Sieg nach einer Phase, in der es nicht ganz rund lief. Wie ordnest du diesen Auftritt ein?
Rokko: Es fühlt sich in erster Linie erleichternd an. Nicht, weil wir 6:0 gewonnen haben, sondern weil die Art und Weise gestimmt hat. Wir hatten zuletzt eine Phase, in der wir uns schwergetan haben, nur einen Sieg aus fünf Spielen geholt haben und vieles ein Stück weit gegen uns lief - und ja, teilweise war man auch chancenlos unterlegen, dass gehört zur Wahrheit auch dazu. Heute war es wichtig, eine klare Reaktion zu zeigen – und das haben die Jungs getan.
Reporter: Dabei hatte man zu Beginn nicht den Eindruck, dass es auf so ein klares Ergebnis hinausläuft.
Rokko: Überhaupt nicht. Die Anfangsphase war zäh. Wir waren nicht richtig im Rhythmus, Sion hat uns das Leben schwer gemacht. Man hat gemerkt, dass wir im Kopf gearbeitet haben. Genau in solchen Phasen brauchst du dann Spieler, die vorangehen – und da war Bertone mit seinem Tor enorm wichtig.
Reporter: Danach wirkte Thun wie befreit.
Rokko: Ja, das 1:0 war so ein klassischer Dosenöffner. Plötzlich war mehr Ruhe im Spiel, mehr Selbstverständnis. Die Abläufe waren klarer, die Entscheidungen schneller. Und dann kommt natürlich dazu, dass wir heute vorne brutal effizient waren. Kastriot hatte einen Sahnetag, Brighton macht am Ende auch noch sein Tor – dann kann so ein Spiel natürlich auch in diese Richtung kippen.
Reporter: Würdest du sagen, dass das heute ein Turnaround war?
Rokko: Ich würde sagen, es war ein sehr wichtiger Schritt. Ob es ein kompletter Turnaround ist, wird man sehen. Ein Spiel alleine ändert nicht alles. Aber es war genau der richtige Moment für so eine Leistung. Die Jungs haben gezeigt, dass sie da sind, dass sie arbeiten wollen und dass sie bereit sind, auch nach schwierigeren Wochen wieder anzuschieben.
Reporter: Wie blickst du aktuell insgesamt auf die Saison?
Rokko: Ich bin zufrieden. National passt vieles, da brauchen wir nichts drüber zu reden. Wir stehen gut da, wir haben konstant gepunktet und sind im Soll. International ist es etwas anderes. Da würden wir gerne mit etwas Zählbarem dastehen. Gerade wenn ich an die Spiele gegen Newcastle oder vor allem gegen Real Sociedad denke, dann tut es schon ein bisschen weh. Da war mehr drin.
Reporter: Was genau meinst du damit?
Rokko: Gegen Newcastle haben wir lange gut mitgehalten, haben uns teuer verkauft, aber eben Lehrgeld bezahlt. Und gegen Real Sociedad… das Spiel musst du eigentlich ziehen oder zumindest etwas mitnehmen. 75 Minuten lang waren wir drückend überlegen, haben Chancen liegen lassen und am Ende geht dir die Luft aus. Genau das ist der Unterschied auf diesem Niveau. International wirst du für jeden Fehler sofort bestraft. Da fehlt uns noch diese letzte Kaltschnäuzigkeit.
Reporter: Trotzdem scheint die Mannschaft daran zu wachsen.
Rokko: Absolut. Und das ist mir auch wichtig zu betonen. Diese Spiele helfen uns enorm. Auch wenn am Ende nichts Zählbares rauskommt, nehmen wir unglaublich viel mit. Die Jungs merken, dass sie mithalten können. Dass sie sich nicht verstecken müssen. Und genau das ist der Weg, den wir gehen wollen.
Reporter: Blicken wir nach vorne. Wie wichtig war dieses Spiel gegen Sion im Hinblick auf die kommenden Aufgaben?
Rokko: Wichtig. Du gehst mit einem ganz anderen Gefühl in die nächsten Spiele. Selbstvertrauen ist im Fußball alles. Jetzt kommen Aufgaben, die uns wieder alles abverlangen werden. Und da ist es entscheidend, dass du weißt: Wir können es, wenn wir unsere Dinge auf den Platz bringen.
Reporter: Was nimmst du aus diesem Spiel konkret mit?
Rokko: Dass Geduld wichtig ist. Dass wir auch dann ruhig bleiben müssen, wenn es nicht sofort läuft. Und dass wir unsere Qualität haben – vor allem offensiv. Aber auch, dass wir weiter an unserer Stabilität arbeiten müssen. Gerade international reicht ein kleiner Moment der Unordnung, und du bist weg.
Reporter: Lass uns noch über den Trainerkollegen von Sion sprechen.
Rokko: Sehr gerne. Yes ist ein absoluter Sportsmann. Immer fair, immer respektvoll. Egal ob nach Siegen oder Niederlagen. Wir hatten vor und nach dem Spiel gute Gespräche, und das schätze ich sehr. So ein Umgang ist nicht selbstverständlich.
Reporter: Trotz des klaren Ergebnisses also viel Respekt?
Rokko: Ich verstehe nicht so ganz, was das Ergebnis damit zu tun haben soll. Auf jeden Fall habe ich den größten Respekt. Ein einzelnes Spiel sagt nichts über die Arbeit eines Trainers aus. Ich wünsche mir sehr für ihn, dass sein Punktekonte weiter anwächst - aber allen voran finde ich super, dass er ein Teil der Community ist. Genau solche Menschen braucht es, von denen kannst du viel lernen!
Reporter: Zum Abschluss: Was wünschst du dir für die kommenden Wochen?
Rokko: Dass wir diesen Schwung mitnehmen. Dass wir weiter hart arbeiten und wieder konstanter punkten. National wollen wir unseren Weg konsequent weitergehen. International wollen wir uns endlich auch mal belohnen. Die Chancen waren da, und sie werden wieder kommen. Wichtig ist, dass wir dranbleiben.
Reporter: Danke dir für das Gespräch, Rokko.
Rokko: Sehr gerne. Bis bald.
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