Reporter: Rokko, erneut ein Sieg gegen den gleichen Gegner, diesmal im Rückspiel. Zwei Spiele, zwei Siege. Klingt erst einmal ganz gut. Wie ordnest du diesen Abend ein?
Rokko: Ja, vom Ergebnis her ist das natürlich super, das brauchen wir nicht wegreden. Aber ich bleibe dabei: Man muss solche Spiele immer im Kontext sehen. Heute lief wieder sehr viel für uns, wir waren von Beginn an voll da, extrem konzentriert und haben früh die Richtung vorgegeben. Wenn du dann schnell führst und der Gegner ins Grübeln kommt, kann sich so ein Spiel verselbstständigen. Die Jungs mussten wieder arbeiten, viel laufen und noch mehr investieren. Das haben sie getan, und dafür wurden sie belohnt.
Reporter: Mit diesem Sieg springt der FC Thun vorläufig an die Tabellenspitze. Sieben Spiele, sieben Siege, jetzt ganz oben. Was macht das mit dir?
Rokko: Klar, das fühlt sich gut an. Wer etwas anderes behauptet, lügt. Tabellenführer zu sein, selbst wenn es vorläufig ist, ist immer ein schönes Gefühl. Aber ich sage auch ganz offen: Ich schaue da mit einem lachenden und einem sehr wachsamen Auge drauf. Wir haben einen überragenden Saisonstart hingelegt, keine Frage. Aber die Tabelle im Moment ist nur eine Momentaufnahme. Entscheidend ist, wo du nach 33 Spieltagen stehst- noch viel wichtiger, nach den PlayOffs.
Reporter: Der Saisonstart ist dennoch gut. Hattest du damit gerechnet, dass ihr so durch die Liga marschiert?
Rokko: Jetzt halten wir mal den Ball flach, die richtigen dicken Brocken warten noch auf uns.. Ich war optimistisch, ich wusste, dass wir gut vorbereitet sind, dass wir Qualität im Kader haben. Aber sieben Siege aus sieben Spielen, ist schon top. Da greift vieles ineinander: Form, Selbstvertrauen, Spielglück, ein funktionierendes Teamgefüge. Wichtig ist jetzt, dass wir uns davon nicht blenden lassen.
Reporter: Du sprichst es an: Die richtig harten Gegner kommen erst noch. Lugano, Bern – Schwergewichte der Liga. Wie blickst du auf diese Spiele?
Rokko: Mit sehr großem Respekt. Lugano ist der amtierende Meister, Bern extrem stabil und individuell stark. Das werden ganz andere Spiele als die, die wir bisher hatten. Da wird uns nichts geschenkt, da werden wir an unsere Grenzen gehen müssen und darüber hinaus. Aber und das ist mir wichtig: Wir geben uns nicht schon vor den Spielen auf. Wir gehen da rein mit dem klaren Anspruch, alles rauszuhauen, was wir haben. Vollgas, 90 Minuten, egal gegen wen.
Reporter: Wie optimistisch bist du, dass ihr aus diesen Spielen auch Punkte mitnehmen könnt?
Rokko: Grundsätzlich bin ich ein optimistischer Mensch, sonst wäre ich im Fußball falsch. Ich traue meiner Mannschaft zu, auch gegen diese Gegner zu bestehen. Ob das am Ende für Siege reicht, wird man sehen. Aber wir wollen konkurrenzfähig sein, wir wollen eklig sein, wir wollen unangenehm sein. Und wenn du das bist, kannst du jedem Gegner weh tun. Lugano und Bern werden extrem schwer, das ist klar. Aber wir fahren da nicht hin, um schön zu verlieren. Wenngleich Lugano sowas wie unser Kryptonit ist.
Reporter: Lass uns über einzelne Spieler sprechen. Zwei Namen stechen, neben Labeau, besonders hervor: Ethan Meichtry und Mattias Käit. Wie wichtig sind die beiden für dein Team?
Rokko: Enorm wichtig. Ethan ist seit Wochen in einer richtig starken Phase. Er arbeitet unfassbar viel, ist taktisch extrem diszipliniert und bringt trotzdem immer wieder Gefahr von den Außen. Was mir bei ihm besonders gefällt, ist seine Konstanz. Er ist nicht der Typ für eine gute Halbzeit und dann abtauchen, sondern zieht sein Ding durch. Genau solche Spieler brauchst du, wenn du oben angreifen willst.
Reporter: Und Mattias Käit im Zentrum?
Rokko: Mattias ist für mich aktuell einer der Schlüsselspieler. Er gibt uns Ruhe, Struktur, aber auch Intensität. Ein richtiger Box-to-Box Spieler der immer und überall im Zentrum zu finden ist - ala Goretzka in seiner Prime. Er ist immer anspielbar, denkt das Spiel schnell und übernimmt Verantwortung. Seit einiger Zeit ist er richtig auf einem Level, wo man merkt, dass er das Team trägt, auch wenn es mal nicht läuft. Solche Spieler sind Gold wert, gerade in engen Spielen gegen starke Gegner.
Reporter: Kann man sagen, dass diese Achse aktuell das Fundament eures Erfolgs ist?
Rokko: Sie ist ein wichtiger Teil davon, ja. Aber ich würde es nie nur auf zwei Spieler reduzieren. Fußball ist ein Mannschaftssport. Trotzdem stimmt es, dass Spieler wie Ethan und Mattias der Mannschaft Stabilität geben. Und genau diese Stabilität wird in den kommenden Spielen extrem wichtig sein.
Reporter: Blick nach vorne: Die nächsten Spiele haben es in sich. Wie entscheidend sind diese Wochen für den weiteren Saisonverlauf?
Rokko: Sehr entscheidend. Diese Phase wird uns zeigen, wo wir wirklich stehen. Wenn du gegen die Top-Teams der Liga bestehst, dann kannst du ein echtes Ausrufezeichen setzen. Selbst wenn du nicht alles gewinnst, geht es darum, dran zu bleiben, nicht einzubrechen, weiter Punkte zu sammeln. Genau da entscheidet sich oft, ob eine gute Saison eine sehr gute Saison wird.
Reporter: Spürst du bei deiner Mannschaft eine gewisse Spannung oder eher Vorfreude auf diese Aufgaben?
Rokko: Ganz klar Vorfreude. Die Jungs brennen darauf, sich mit den Besten zu messen. Genau dafür trainierst du, genau dafür spielst du Fußball. Niemand hat Angst, niemand versteckt sich. Natürlich wissen alle, dass es schwer wird und das wenn es normal läuft, wir die Außenseiter sind.
Reporter: Du hast vor der Saison das Ziel Top 3 ausgegeben. Hat sich daran etwas geändert, jetzt wo ihr an der Spitze steht?
Rokko: Nein. Und das wird sich auch nicht ändern. Top 3 bleibt unser klares Ziel. Alles, was darüber hinausgeht, nehmen wir gerne mit. Aber ich möchte, dass wir realistisch bleiben. Der Weg ist noch lang, die Konkurrenz stark. Wenn wir am Ende unter den Top 3 stehen, haben wir eine überragende Saison gespielt.
Reporter: Abschließend gefragt: Was wünschst du dir für die kommenden Wochen?
Rokko: Dass wir gesund bleiben, fokussiert bleiben und unseren Weg weitergehen. Dass wir auch in schwierigen Phasen zusammenstehen. Und dass wir uns den Spaß am Fußball nicht nehmen lassen. Wenn uns das gelingt, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass wir noch viele gute Spiele sehen werden.
Reporter: Danke dir für das Gespräch, Rokko.
Rokko: Sehr gerne.
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