Credit Suisse Super League, 18 Spieltag, 02.01.2026 20:35:03
Reporter: Rokko, 6:0 auswärts in Lausanne. Ein Ergebnis, das erst mal schlucken lässt – im positiven Sinne für euch. Wie hast du die 90 Minuten erlebt?
Rokko: Ganz ehrlich? Das war einer dieser Abende, wo du als Trainer relativ früh merkst: Heute läuft sehr, sehr viel für uns. Wir waren von der ersten Sekunde an da, komplett scharf, komplett fokussiert. Die Jungs waren richtig on fire, anders kann man es nicht sagen. Trotzdem will ich direkt vorwegnehmen: Das Ergebnis ist brutal und es spiegelt das Spiel nur bedingt wider. Für Lausanne tut mir das ehrlich gesagt total leid.
Reporter: Ihr geht extrem früh in Führung, Brighton Labeau trifft gleich dreifach innerhalb von zwölf Minuten.
Rokko: Du planst, mutig zu starten, hoch konzentriert zu sein, Druck zu machen. Aber dass du nach 18 Minuten mit 3:0 führst und mit Labeau ein Spieler einen Hattrick erzielt hat, das kannst du nicht planen. Das ist dann einfach ein Lauf. Brighton war heute in einem Tunnel. Jeder Ballkontakt war gut, jede Aktion gelang ihm. Das ist diese Mischung aus Selbstvertrauen, Form und Tagesverfassung. Wenn das zusammenkommt, wird es für jeden Gegner schwer.
Reporter: Nach dem 0:2 hatte Lausanne, laut dir, zwei hundertprozentige Chancen nach Ecken. War das der Knackpunkt?
Rokko: Absolut. Das war der Moment, wo das Spiel kippen hätte können. Nach dem 0:2 wackelst du als Auswärtsmannschaft manchmal kurz, das ist normal. Lausanne bekommt zwei Ecken, beide Male ist der Ball eigentlich drin. Wirklich 100-prozentige Dinger. Wenn da einer reingeht, dann reden wir über ein komplett anderes Spiel. Aber sie gehen nicht rein. Und dann hast du sofort dieses Gefühl: Heute soll es einfach nicht sein für sie.
Reporter: Und danach ging es Schlag auf Schlag.
Rokko: Ja, und das ist genau der Punkt, der mir ein bisschen Bauchschmerzen macht. Nach diesen vergebenen Chancen ist bei Lausanne sichtbar etwas gebrochen. Nicht im Sinne von Aufgeben, sondern mental. Und wir haben das gnadenlos ausgenutzt. Innerhalb von 30 Minuten steht es 6:0. Das ist ein Blitz-Ko, wie man so schön sagt. Und da musst du auch ehrlich sein: Das ist brutal, das tut weh, und das fühlt sich für den Gegner einfach nur falsch an.
Reporter: Kastriot Imeri, Ethan Meichtry, Mattias Käit – die Treffer verteilen sich auf viele Schultern. Ein Vorteil?
Rokko: Ja, definitiv. Natürlich ist ein Hattrick immer ein Highlight, aber mir gefällt fast noch mehr, dass danach andere nachlegen. Das zeigt, dass wir als Team funktionieren. Jeder weiß, wann er seinen Moment hat, wann er Verantwortung übernehmen muss. Und das ist eine Sache, die wir uns hart erarbeitet haben. Das ist kein Zufall.
Reporter: Trotzdem sagst du, das Ergebnis hätte so niemals kommen dürfen.
Rokko: Ja, bleibe ich bei. Lausanne ist keine schlechte Mannschaft, im Gegenteil. Sie spielen einen sauberen Ball, haben Struktur, wollen Fußball spielen. Wenn sie ihre Chancen nutzen, vor allem diese beiden Ecken nach dem 0:2, dann sieht das Spiel ganz anders aus. Manchmal ist Fußball einfach scheiße. Heute war es so ein Spiel. Und da darf man auch ruhig mal Mitgefühl zeigen. Ich weiß selbst, wie sich solche Abende anfühlen.
Reporter: Ihr bestätigt damit den starken Saisonstart. Spürt man gerade einen kleinen Flow?
Rokko: Ja, den spürt man. Aber das ist etwas, womit man vorsichtig umgehen muss. Ein Flow ist schön, aber er kann auch trügerisch sein. Heute war vieles sehr sehr gut, fast perfekt. Daraus darfst du nicht ableiten, dass jedes Spiel so läuft. Die Liga ist hart, jeder Gegner kann dir Probleme machen. Deshalb Mund abwischen, weitermachen – egal ob nach Sieg oder Niederlage.
Reporter: Ein Wort zum Trainerkollegen Nelson. Wie schwer fällt es, nach so einem Spiel die richtigen Worte zu finden?
Rokko: Sehr schwer. Ich habe nach dem Abpfiff sofort an ihn gedacht. Das Ergebnis sieht aus, als hätte eine Mannschaft komplett versagt, und das stimmt einfach nicht. Manchmal hast du diese Spiele, da geht alles schief. Lieber einmal so richtig einen auf den Deckel bekommen, als fünfmal hintereinander 0:1 verlieren und langsam zerbrechen. Das würde ich ihm auch so sagen. Er ist ein guter Typ, ein fairer Trainer, und ich bin mir sicher, dass seine Mannschaft wieder aufsteht.
Reporter: Was hast du ihm konkret mitgegeben?
Rokko: Mund abwischen und weiter. Mehr kannst du in so einem Moment nicht sagen. Fußball ist manchmal grausam, aber genau das macht ihn auch aus. Nächste Woche sieht die Welt vielleicht schon wieder komplett anders aus. Und ganz ehrlich: Ich wünsche ihm von Herzen, dass er bald wieder positive Ergebnisse einfährt. Glück auf, mein Bester – das meine ich ernst.
Reporter: Abschließend: Was nimmst du persönlich aus diesem Spiel mit?
Rokko: Demut. Trotz 6:0. Vielleicht klingt das komisch, aber genau solche Spiele erinnern dich daran, wie schmal der Grat ist. Zwei Ecken, ein Tor – und alles läuft anders. Heute war das Glück auf unserer Seite, wir waren effizient. Das nehmen wir mit, freuen uns darüber, aber wir bleiben geerdet. Denn das nächste Spiel fragt nicht nach dem letzten Ergebnis.
Reporter: Danke dir für die offenen Worte, Rokko.
Rokko: Sehr gerne.
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