Credit Suisse Super League, 29 Spieltag, 20.02.2026 14:37:55
Interviewer: Trainer, was für ein Spiel. 4:2 am Ende, aber es fühlte sich zeitweise nach deutlich mehr an. Wie ordnen Sie das ein?
Trainer: Ja, es war wieder eines dieser Spiele, bei denen du nach Abpfiff kurz durchatmen musst, weil so viel drinsteckte. Von außen sieht man das 4:2 und denkt vielleicht: klare Sache. Aber wer das Spiel gesehen hat, weiß, dass da deutlich mehr Dynamik, mehr Schwankung, mehr Emotion drin war. Wir haben uns das in großen Phasen sehr gut erarbeitet, aber wir haben auch gespürt, wie schnell so ein Spiel kippen kann.
Interviewer: Die ersten Minuten gehörten eher Lausanne.
Trainer: Absolut. Die waren wach, aggressiv, gut organisiert. Wir waren in den ersten zehn, fünfzehn Minuten nicht richtig im Rhythmus. Vielleicht ein Tick zu abwartend, vielleicht noch nicht ganz auf Betriebstemperatur. Lausanne hatte gute Ballstafetten, sie haben uns laufen lassen, wir waren nicht eng genug an den Leuten. Da musst du aufpassen, dass du nicht früh in Rückstand gerätst.
Interviewer: Trotzdem geht Thun in Führung.
Trainer: Und genau das ist aktuell ein Unterschied zu früheren Phasen. Wir bleiben ruhig. Wir wissen, dass wir unsere Momente bekommen. Das 1:0 durch Valmir war dann so ein Moment. Klarer Abschluss, gutes Timing, kein Zögern. Und plötzlich merkst du, wie sich die Energie im Stadion verändert. Du spürst: Jetzt greifen die Abläufe.
Interviewer: Danach wirkte Ihr Team deutlich präsenter.
Trainer: Ja, wir haben angefangen, das Zentrum besser zu kontrollieren. Die Abstände waren enger, die zweiten Bälle gehörten uns. Und mit dem 2:0 durch Ethan kam dann diese Wucht rein. Das war kein Zufallsprodukt, das war sauber ausgespielt, mit Überzeugung. Ab da hatten wir wirklich Kontrolle.
Interviewer: Nach der Pause dann der Doppelschlag zum 3:0 und 4:0.
Trainer: Das war eine starke Phase von uns. Direkt nach Wiederbeginn triffst du – das ist für den Gegner brutal. Und Brighton hat heute wieder gezeigt, was er für eine Präsenz hat. Beim 3:0 ist er eiskalt, beim 4:0 setzt er nochmal einen drauf. In diesen Minuten haben wir sehr klar gespielt, zielstrebig, mit Tempo. Da war diese Mischung aus Struktur und Mut, die ich sehen will.
Interviewer: Hatten Sie beim 4:0 das Gefühl, das Spiel sei durch?
Trainer: Ehrlich? Ein kleiner Teil von einem denkt das natürlich. Vier Tore Vorsprung, Heimspiel, gute Kontrolle – da könnte man meinen, es läuft jetzt einfach runter. Aber genau da liegt die Gefahr. Und Lausanne hat uns das sofort gezeigt.
Interviewer: Ab Minute 60 wurde es wieder deutlich enger.
Trainer: Ja, und das war verdient. Lausanne hat nicht aufgegeben. Sie haben höher gepresst, mehr Risiko genommen, und wir waren vielleicht einen Tick zu komfortabel. Ein Schritt weniger im Pressing, ein Gedanke zu langsam – und auf diesem Niveau wird das bestraft. Das 4:1 war ein Warnsignal.
Interviewer: Und das 4:2 per Elfmeter hat nochmal richtig Spannung reingebracht.
Trainer: Komplett. Da merkst du plötzlich, wie das Momentum kippt. Das Stadion wird nervöser, die Laufwege werden hektischer, jeder Ballverlust fühlt sich doppelt schwer an. Lausanne hat daran geglaubt. Und ich sage ganz ehrlich: Ein 4:3 wäre möglich gewesen. Sie hatten noch eine, zwei Aktionen, bei denen wir richtig verteidigen mussten.
Interviewer: Was hat Ihrer Mannschaft in dieser Phase geholfen?
Trainer: Zusammenhalt. Kommunikation. Und die Bereitschaft, auch mal zu leiden. Es war nicht mehr schön, es war nicht mehr flüssig, aber es war kämpferisch. Wir haben Zweikämpfe angenommen, wir haben uns in Schüsse geworfen. Und das gehört genauso zu einer Entwicklung wie die spielerischen Highlights.
Interviewer: Ist das vielleicht der größte Fortschritt – dass man solche Phasen inzwischen übersteht?
Trainer: Ich denke schon. Vor ein paar Wochen hätten wir in so einer Situation vielleicht die Kontrolle komplett verloren. Jetzt bleiben wir drin. Nicht perfekt, aber stabil genug. Und das ist ein Lernprozess. Wir wollen Spiele dominieren, klar. Aber wir müssen auch lernen, sie zu verwalten.
Interviewer: Insgesamt ist das jetzt eine kleine Serie.
Trainer: Ja, und das fühlt sich gut an. Man merkt, dass die Mannschaft Vertrauen in sich selbst hat. Die Automatismen greifen besser, die Wege sind klarer. Wir haben nach schwierigen Momenten Dinge angepasst, haben viel gesprochen, auch kritisch. Und jetzt sehen wir, dass sich das auszahlt.
Interviewer: Was nehmen Sie konkret aus diesem Spiel mit?
Trainer: Dass wir in der Lage sind, ein Spiel klar zu dominieren – aber auch, dass wir noch nicht am Ende unserer Entwicklung sind. Eine Vier-Tore-Führung darf nicht dazu führen, dass wir nachlassen. Da müssen wir reifer werden, cleverer. Vielleicht auch mal den Ball länger halten, das Tempo bewusst steuern.
Interviewer: Trotzdem überwiegt die Zufriedenheit?
Trainer: Auf jeden Fall. Vier Tore geschossen, viele gute Kombinationen, Mentalität gezeigt. Und am Ende stehen drei Punkte. Das ist entscheidend. Wir wissen aber auch, dass die kommenden Aufgaben nicht einfacher werden. Jede Mannschaft wird uns fordern.
Interviewer: Ihr Blick nach vorne?
Trainer: Demütig bleiben. Weiterarbeiten. Nicht denken, dass jetzt alles automatisch läuft. Wir haben eine gute Phase, ja. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Du musst dir jedes Spiel neu verdienen. Wenn wir die Intensität und den Hunger behalten, dann können wir diesen Weg weitergehen.
Interviewer: Abschließend – Ihr Fazit?
Trainer: Ein emotionales Spiel mit starken und wackeligen Momenten, mit Dominanz und Druckphasen gegen uns. Am Ende ein verdienter, aber hart erarbeiteter Sieg. Und genau solche Spiele bringen dich als Mannschaft weiter. Meinem Trainerkollegen wünsche ich nur das Beste - sympathischer Typ mit dem man sich super unterhalten kann, auch nach den Spielen!
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