Credit Suisse Super League, 6 Spieltag, 07.01.2026 10:10:18
Reporter: Rokko, ein klarer Auswärtssieg in Winterthur. Rein sportlich ist das eine deutliche Angelegenheit. Wie ordnest du dieses Spiel ein?
Rokko: Ja, sportlich gibt es da nicht so viel zu analysieren, wenn ich ehrlich bin. Wir waren heute sehr effizient, sehr klar im Angriffsspiel und haben die Chancen, die wir uns erspielt haben, konsequent genutzt. Es war einer dieser Tage, an denen fast alles funktioniert. Wir sind früh in Führung gegangen, hatten sofort Kontrolle und haben dann nicht nachgegeben und weitergemacht.
Reporter: Es wirkte von außen so, als wäre deine Mannschaft von der ersten Minute an komplett da gewesen.
Rokko: Ja, das stimmt. Die Jungs wurden von mir richtig heiß gemacht. Man hat gemerkt, dass sie Spaß daran hatten, nach vorne zu spielen. Es war wenig Leerlauf drin, wenig unnötiges Geplänkel. Einfach direkter Fußball, schnell in die Spitze, Abschlüsse suchen. Das hat heute sehr gut gepasst. Aber ich will das gar nicht größer machen, als es ist. Es gibt solche Spiele, und es gibt andere. Heute war es einer von der dieser Sorte.
Reporter: Trotz der Deutlichkeit willst du sportlich gar nicht zu sehr ins Detail gehen?
Rokko: Genau. Weil dieses Spiel für mich heute aus einem ganz anderen Grund hängen bleibt. Das Ergebnis ist das eine, aber das eigentlich Wichtige war für mich der Mensch auf der anderen Seite.
Reporter: Dann lass uns darüber sprechen. Du meinst den Trainerkollegen von Winterthur?
Rokko: Ganz genau, ich rede von chrisman. Dieser Mensch ist für mich pure Inspiration – und das meine ich wirklich vollkommen ernst. Wir hatten vor dem Spiel ein kurzes Gespräch, ganz ruhig, ganz offen. Und er hat mir erzählt, dass es gesundheitlich nicht immer einfach ist, dass es Tage gibt, an denen das Leben einfach schwerer ist als an anderen. Und trotzdem steht er da, macht seinen Job, lebt diesen Trainerjob hier bei Town seit vielen vielen Jahren. Das hat mich beeindruckt.
Reporter: Wie war dieses Gespräch für dich?
Rokko: Sehr ehrlich, sehr menschlich. Kein Jammern, kein Drama. Eher so ein trockener, ehrlicher Umgang mit der Situation. Und dann dieser Galgenhumor… ich musste wirklich schmunzeln. Er erzählt dir Dinge, bei denen du erst kurz schluckst, und im nächsten Moment lachst du, weil er es so locker rüberbringt. Das ist eine Art, mit dem Leben umzugehen, die ich extrem bewundere. Ich arbeite nebenberuflich im sozialen Bereich – der Mensch ist für mich das, was unterm Strich zählt. Diese Geschichten sind es, die einen Mensch greifbar machen.
Reporter: Du klingst, als hätte dich das persönlich sehr bewegt.
Rokko: Absolut. Fußball ist am Ende nur Fußball. Ergebnisse kommen und gehen. Tabellenkonstellationen ändern sich laufend. Aber solche Begegnungen bleiben. Von ihm kann man unglaublich viel lernen. Nicht nur als Trainer, sondern als Mensch. Wie man Niederlagen einordnet, wie man Dinge akzeptiert, die man nicht ändern kann, und trotzdem nicht bitter wird.
Reporter: Gerade nach so einer deutlichen Niederlage wirkt er nach außen sehr ruhig.
Rokko: Das ist für mich das Beeindruckendste. Viele Trainer zerbrechen an Niederlagen, suchen Ausreden, schießen gegen Schiedsrichter, gegen Gegner, gegen alles. Er nicht. Er nimmt das an, analysiert es sachlich und macht weiter. Diese Souveränität im Umgang mit Rückschlägen ist etwas, das man nicht lernen kann - das kommt von innen.
Reporter: Glaubst du, dass dir selbst solche Trainerkollegen helfen, dich weiterzuentwickeln?
Rokko: Zu hundert Prozent. Ich nehme mir da ganz bewusst etwas mit. Und zwar weit über das Trainerdasein hinaus! Auch ich ärgere mich über Niederlagen, auch ich bin manchmal emotional, manchmal zu emotional. Und dann siehst du jemanden, der ganz andere Kämpfe im Leben hat und trotzdem so klar, so ruhig bleibt. Das erdet dich. Das rückt Dinge wieder gerade.
Reporter: Gab es einen Moment heute, der dir besonders im Kopf geblieben ist?
Rokko: Einfach der Mensch selbst – wirklich, wir hatten nur ein sehr sehr kurzes Gespräch… aber das mich das so zum nachdenken anregt zeigt schon, was für ein Typ er ist. Wir reden im Fußball immer von Typen, da haben wir einen!
Reporter: Wie wichtig sind solche Persönlichkeiten für den Fußball?
Rokko: Enorm wichtig. Der Fußball braucht solche Menschen. Nicht nur die Lauten, nicht nur die Titelträger, sondern die Stillen, die Reflektierten, die, die zeigen, dass man auch mit Haltung verlieren kann. Davon können wir alle lernen. Andere Trainer, Spieler – und ganz sicher auch ich.
Reporter: Was möchtest du deinem Trainerkollegen mit auf den Weg geben?
Rokko: Vor allem Respekt. Tiefen Respekt. Ich wünsche ihm von Herzen nur das Beste – sportlich, aber vor allem menschlich und gesundheitlich. Ich hoffe, dass er seinen Humor behält, seine Ruhe, seine Perspektive auf die Dinge. Und ich hoffe, dass er weiß, wie inspirierend er für andere ist, auch wenn er das vielleicht selbst gar nicht so mitbekommt.
Reporter: Abschließend: Was nimmst du persönlich aus diesem Spiel mit?
Rokko: Dankbarkeit. Vor allem für diese Begegnung. Für dieses Gespräch. Für die Erinnerung daran, dass Fußball zwar wichtig ist, aber nie wichtiger als das Leben selbst. Und wenn man von Menschen wie ihm etwas lernen darf, dann ist das mehr wert als jeder Sieg. Zugegeben, hier und heute war ich etwas emotional, aber das hat mich einfach berührt und das wollte ich dann auch zum Ausdruck bringen.
Reporter: Danke dir für diese offenen Worte.
Rokko: Sehr gerne.
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