PKO Bank Polski Ekstraklasa, 10 Spieltag, 15.01.2026 23:52:59
Reporter: Rokko, was wir heute gesehen haben, war ein Spiel voller Emotionen und purer Leidenschaft. 4:3-Auswärtssieg nach 0:3-Rückstand – nimm uns bitte mit in deine Gefühlswelt direkt nach dem Schlusspfiff.
Rokko: Ganz ehrlich? Das ist einer dieser Siege, die man so schnell nicht vergisst. Ich bin emotional komplett durch, im positiven Sinne. Wenn du nach 35 Minuten auswärts 0:3 hinten liegst, dann sieht es normalerweise nicht gut aus. Und ich will da auch nichts beschönigen: Der Start in dieses Spiel war beschissen. Punkt. Wir waren nicht da, wir waren nicht wach genug, und Termalica hat das gnadenlos ausgenutzt.
Reporter: Die Gegentore fielen auffällig ähnlich.
Rokko: Ja, und genau das ärgert mich fast noch mehr als der Rückstand an sich. Alle drei Tore nach demselben Muster: über außen durchgebrochen, Pass in die Mitte, Abschluss, Tor. Drei Mal. Da stehst du an der Seitenlinie und denkst dir: Leute, das haben wir doch angesprochen. Das müssen wir besser verteidigen. Termalica hat das gut gemacht, keine Frage, aber wir haben es ihnen auch zu leicht gemacht.
Reporter: Wie hast du die Phase nach dem 0:3 erlebt?
Rokko: Ich war ehrlich gesagt erst einmal richtig bedient. Du schluckst dreimal innerhalb von 35 Minuten, auswärts, bei einem Gegner, der voll da ist – das tut weh. Aber genau da kommt der Punkt, der mir heute unglaublich wichtig war. Ich habe die Jungs zusammengenommen und gesagt: Hört zu, es ist okay, wenn wir dieses Spiel verlieren, dass gehört zum Fußball dazu. Aber was ich nicht akzeptiere, ist, wenn wir uns hier ergeben. Ich will verdammt nochmal sehen, dass ihr alles reinwerft. Wir haben noch 60 Minuten. Also los geht’s.
Reporter: Und dann kommt der Anschlusstreffer kurz vor der Pause.
Rokko: Ja, und der war Gold wert. Dalmau trifft zum 1:3, und das war unglaublich wichtig. Er hatte zuletzt Ladehemmungen, hat viel gearbeitet, wenig Ertrag gehabt. Und dann macht er dieses Tor genau zu diesem Zeitpunkt. Du merkst richtig, wie sich etwas verändert. In den Köpfen, in der Körpersprache. Plötzlich war wieder Glaube da.
Reporter: Wie hast du die zweite Halbzeit gesehen?
Rokko: Da waren wir eine ganz andere Mannschaft. Viel aggressiver, viel mutiger, viel klarer in unseren Aktionen. Wir haben das Spiel Stück für Stück an uns gezogen, ohne dabei komplett die Kontrolle zu übernehmen. Und dann fällt das 2:3 durch Jorge Félix – ein Tor, das uns endgültig zurück ins Spiel bringt. Ab da war klar: Hier geht noch was.
Reporter: Spätestens mit dem 3:3 in der 68. Minute war alles offen.
Rokko: Absolut. Das Stadion war da, es war ein komplett offenes Spiel. Und ich will auch betonen: Die Gastgeber waren weiterhin voll in der Partie. Das war kein Einbahnstraßenfußball. Sie hatten Chancen, sie hatten unter anderem zwei Aluminiumtreffer. Da hatten wir auch Glück, das gehört zur Wahrheit dazu.
Reporter: Trotzdem geht Piast am Ende voll ins Risiko.
Rokko: Ja, wir wollten mehr. Nach dem Ausgleich habe ich gespürt, dass die Jungs nicht zufrieden sind mit einem Punkt. Wir wollten diese Partie drehen. Natürlich mit dem Risiko, dass wir am Ende leer ausgehen. Aber genau dafür spielst du Fußball. Und dann kommt dieser Moment in der 85. Minute.
Reporter: Der eingewechselte Lokilo...
Rokko: Genau. Frisch eingewechselt, kommt rein, macht das 4:3 – und dann explodiert alles. Das Stadion, die Bank, ich selbst. Pure Emotion. Das sind diese Momente, für die du Trainer bist. Für die du die ganze Woche arbeitest. Für die du Rückschläge in Kauf nimmst und daraus lernst.
Reporter: Danach hieß es nur noch verteidigen.
Rokko: Ja, und das war noch einmal richtig Arbeit. Termalica wirft alles nach vorne, wir müssen leiden, kämpfen, jeden Meter gehen. Aber wir haben es geschafft. Wir haben das Ergebnis gehalten. Und das macht mich unglaublich stolz. Das war eine Willensleistung, eine mentale Leistung, wie ich sie in meiner noch kurzen Amtszeit bei Piast noch nicht erlebt habe.
Reporter: Wie ordnest du diesen Sieg ein?
Rokko: Das ist ein Sieg des Willens. Kein taktisches Meisterwerk, kein perfektes Spiel – im Gegenteil. Aber wir haben Moral gezeigt, wir haben uns nicht aufgegeben, wir haben an uns geglaubt. Und genau solche Spiele können einer Mannschaft extrem viel geben.
Reporter: Ein paar Worte zum Gegner und Trainerkollegen BenniOo?
Rokko: Sehr gerne. Benni, ich weiß, wie bitter sich so eine Niederlage anfühlt. Du führst 3:0, hast das Spiel eigentlich im Griff, und dann verlierst du es noch. Das tut weh, keine Frage. Aber ich will ganz klar sagen: Du hast das richtig gut gemacht. Du warst gut vorbereitet, du hattest einen klaren Plan, hast unsere Schwächen gnadenlos bespielt. Solche Spiele kippen manchmal einfach.
Reporter: Du bist überzeugt, dass Termalica noch Siege einfahren wird?
Rokko: Absolut. Da bin ich mir sicher. Die Qualität ist da, die Idee ist da, der Trainer sowieso. Das heute war kein Spiel, das man verliert, weil man schlecht war. Es war eines dieser Spiele, in denen Kleinigkeiten und Momente entscheiden. Ich freue mich jetzt schon auf das Rückspiel – solche Duelle machen einfach Spaß.
Reporter: Letzte Frage: Was nimmst du persönlich aus diesem Spiel mit?
Rokko: Dass es sich immer lohnt, dran zu glauben. Egal wie beschissen es gerade läuft. Fußball schreibt solche Geschichten, aber nur, wenn du bereit bist, alles zu investieren. Heute haben meine Jungs genau das getan. Und dafür ziehe ich meinen Hut, Amen.
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