Champions League, 7 Spieltag, 16.01.2026 00:14:48
Reporter: Rokko, das Ergebnis liest sich brutal: 2:4-Niederlage nach 2:0-Führung, und das auch noch in den Schlussminuten. Wenn man aber das Spiel gesehen hat, weiß man, dass diese Zahlen nicht das ganze Bild widerspiegeln. Wie gehst du unmittelbar nach diesem Spiel damit um?
Rokko: Es ist extrem schwer, das in Worte zu fassen. Wenn du mich fragst, wie es sich anfühlt, dann sage ich ganz ehrlich: scheiße! Nicht, weil meine Mannschaft heute schlecht war – ganz im Gegenteil. Sondern weil wir uns nach 75 Minuten eigentlich hätten belohnen müssen. Und zwar nicht mit einem knappen Vorsprung, sondern mit einer komfortablen Führung. Dass wir dieses Spiel am Ende verlieren, tut richtig weh.
Reporter: Du sprichst die 75 Minuten an – Thun war lange Zeit klar überlegen.
Rokko: Ja, und das ist genau der Punkt. Wir waren über weite Strecken drückend überlegen. Wir haben das Spiel kontrolliert, wir haben Real Sociedad kaum Luft zum Atmen gelassen. Wenn wir zur Halbzeit 3:0 führen, kann sich keiner beschweren – und ganz ehrlich, das wäre absolut verdient gewesen. Wir haben Chancen kreiert, wir waren präsent, wir waren mutig, wir haben uns getraut, Fußball zu spielen. Das war eine unserer besten Leistungen in dieser Champions-League-Gruppenphase.
Reporter: Trotzdem steht zur Pause „nur“ ein 1:0 auf der Anzeigetafel.
Rokko: Genau, und da beginnt das Problem. Du spielst auf diesem Niveau, gegen so eine Mannschaft, und verpasst es, den Sack frühzeitig zuzumachen. Das ist kein Vorwurf an einzelne Spieler, das ist einfach bitter. Wenn du deine Chancen nicht nutzt, wirst du bestraft. Und heute haben wir teures Lehrgeld bezahlt, schon wieder.
Reporter: Auch nach dem 2:0 in der 70. Minute hattest du wahrscheinlich das Gefühl, dass jetzt der Moment gekommen ist.
Rokko: Absolut. Das 2:0 war verdient, wir waren weiter gut im Spiel, hatten das Gefühl: Heute geht was. Das Stadion war da, die Jungs waren da, alles hat gepasst. Aber man muss auch ehrlich sagen: Ab diesem Zeitpunkt hat man gemerkt, dass uns langsam die Luft ausgeht. Nicht mental, sondern körperlich. Dieses permanente Anlaufen, dieses hohe Tempo, das kostet unfassbar viel Kraft.
Reporter: Und Real Sociedad nutzt das gnadenlos aus.
Rokko: Genau das ist der Unterschied auf diesem Niveau. Du gibst ihnen einen kleinen Spalt – und sie gehen durch. Oyarzabal zeigt dann einfach, warum er dieser Spieler ist. Drei Tore in kürzester Zeit, eiskalt, ohne große Anlaufzeit. Da siehst du Qualität, bei ihm definitiv auch Erfahrung, und die pure Abgezocktheit. Und dann fällt auch noch das 2:4 durch Kubo – das ist dann der endgültige Nackenschlag.
Reporter: Wie sehr ärgert es dich, dass deine Mannschaft am Ende ohne Punkte dasteht?
Rokko: Extrem. Weil sie es heute verdient gehabt hätten, dreifach zu punkten. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Es geht nicht darum, wer schöner spielt oder wer länger überlegen ist, sondern wer am Ende die Tore macht. Und da war Sociedad heute einfach effizienter.
Reporter: Trotzdem wirkst du nicht wütend auf deine Mannschaft.
Rokko: Nein, überhaupt nicht. Ich bin enttäuscht über das Ergebnis, ja. Aber ich bin stolz auf den Auftritt. Wirklich stolz. Wir haben gezeigt, dass wir auf diesem Niveau teilweise mithalten können. Dass wir nicht nur dabei sind, sondern Spiele gestalten können. Das war heute kein Klassenunterschied – das war ein Spiel, das in den letzten 15 Minuten entschieden wurde.
Reporter: Ist das vielleicht auch der größte Lernprozess für euch in dieser Champions-League-Saison?
Rokko: Definitiv. Genau solche Spiele zeigen dir, wo du stehst. Effizienz, Cleverness, Kräfte einteilen – das sind Dinge, die kommen mit Erfahrung. Wir sind in vielen Bereichen schon sehr weit, aber eben noch nicht ganz da, wo diese absoluten Topteams sind.
Reporter: Ein Wort zum Trainerkollegen Bob-Fugu?
Rokko: Sehr gerne. Erstmal Glückwunsch zum Sieg. Und darüber hinaus möchte ich betonen, was für ein feiner Mensch er ist. Wir haben uns nach dem Spiel noch in Ruhe unterhalten, ganz entspannt. Solche Gespräche sind für mich fast genauso wertvoll wie das Spiel selbst. Da merkt man einfach, dass da jemand sitzt, der den Fußball genauso liebt wie wir alle.
Reporter: Das klingt nach viel gegenseitiger Wertschätzung.
Rokko: Absolut. Und das ist mir extrem wichtig. Konkurrenz auf dem Platz, Respekt daneben. Er hat eine richtig starke Mannschaft, die heute ihre Klasse gezeigt hat. Ich wünsche ihm und Real Sociedad weiterhin viel Erfolg in diesem Wettbewerb.
Reporter: Wie blickst du nun auf die kommenden Spiele in der Gruppe?
Rokko: Positiv. Trotz der Niederlage. Weil wir gesehen haben, dass wir mithalten können. Wir stehen zwar weiterhin ohne Punkte da, aber wir stehen nicht ohne Hoffnung da. Die Jungs sind heiß, sie glauben an sich, und solche Leistungen geben dir Rückenwind – auch wenn das Ergebnis etwas anderes sagt. Und klar, wir werden ziemlich sicher die Gruppenphase nicht überstehen, so ehrlich müssen wir sein - aber wir geben alles, damit wir nicht ohne Punkte dastehen.
Reporter: Was nimmst du persönlich aus diesem Abend mit?
Rokko: Die Erkenntnis, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Dass wir uns nicht verstecken müssen. Und dass Fußball manchmal brutal sein kann. Aber genau das macht ihn auch aus. Wir werden daraus lernen, wir werden weiterarbeiten, und wir werden weiter alles reinwerfen. Heute tut es weh – morgen gehen wir wieder voller Energie an die Sache ran.
Reporter: Danke dir, Rokko, für die offenen Worte.
Rokko: Sehr gerne. Und genau für solche Abende lieben wir doch diesen Sport, oder? Wenngleich es heute gegen meine Mannschaft lief.
Danke dir für den treffenden Spielbericht und die netten Worte. Du bist auch ein sehr angenehmer Mensch.
Du hättest die 3 Punkte allemal verdient. Hut ab, dass du mir 70 Minuten kein Land geschenkt hast mit dem kleinen FC Thun.
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