Credit Suisse Super League, 33 Spieltag, 18.02.2026 15:22:27
Reporter: Rokko, 3:3 in Bern – nach dem 0:6 zuletzt in Luzern. Was für eine Reaktion! Wie ordnest du dieses Spiel direkt nach Abpfiff ein?
Rokko: Boah… erstmal riesigen Respekt an meine Mannschaft! Nach so einer Klatsche zurückzukommen und hier in Bern so aufzutreten – das ist alles andere als selbstverständlich. Wir waren auf Augenhöhe, und das über weite Strecken. Klar tut das 3:3 in der 88. Minute weh, keine Frage. Aber wenn man die 90 Minuten ehrlich bewertet, ist das ein gerechtes Remis. Und für uns ein extrem wertvoller Punkt.
Reporter: Dabei geht ihr zunächst in Rückstand, 36. Minute, Bedia trifft.
Rokko: Ja, und das war eigentlich gegen den Spielverlauf. Wir waren gut drin, hatten Zugriff, waren mutig. Und dann reicht Bern eine Situation – und zack, liegst du hinten. Das ist die Qualität dieser Mannschaft. Die brauchen nicht viele Chancen.
Reporter: Wie hat deine Mannschaft darauf reagiert?
Rokko: Überragend! Wirklich. Keine hängenden Köpfe, kein wildes Anrennen. Wir bleiben ruhig, spielen weiter unser Ding – und werden belohnt. Das 1:1 kurz vor der Pause durch Matoshi war extrem wichtig. Nicht nur fürs Ergebnis, sondern fürs Gefühl.
Reporter: Dann noch die Gelbe gegen Labeau kurz vor der Halbzeit. War das ein Thema?
Rokko: Klar sprichst du es an. Du willst nicht, dass Emotionen überkochen. Aber Brighton hat das danach sehr erwachsen gespielt. Und dann macht er ja direkt nach der Pause das 1:2 – besser kannst du nicht antworten!
Reporter: Das war tatsächlich eine starke Phase von euch.
Rokko: Ja! Und ich finde auch nicht unverdient. Wir waren giftig, wir waren mutig, wir haben uns was zugetraut. Und wenn du hier in Bern das Spiel drehst, dann ist das kein Zufall.
Reporter: Dann kommt diese eine Szene in der 56. Minute. Notbremse, Rot für Bürki.
Rokko: Und das war der Knackpunkt. Eine dämliche Aktion, anders kann ich es nicht sagen. Klar, es ist eine Stresssituation, du willst retten, was zu retten ist. Aber es war eine klare Notbremse. Die Rote Karte ist absolut verdient und folgerichtig. Da gibt es keine Diskussion.
Reporter: Hat dir das in dem Moment den Stecker gezogen?
Rokko: Kurzzeitig ja. Du führst 2:1, bist voll drin im Spiel – und plötzlich spielst du noch über 30 Minuten in Unterzahl gegen die Young Boys. Da weißt du, was auf dich zukommt.
Reporter: Und trotzdem erzielt ihr das 1:3 in Unterzahl.
Rokko: Wahnsinn, oder? Das war pure Willenskraft. Wir verteidigen eine Situation, schalten schnell um – und Imeri macht das stark. In Unterzahl hier auf 3:1 zu stellen, das war ein Statement. Da habe ich gedacht: Vielleicht geht heute wirklich was ganz Großes.
Reporter: Aber Bern kommt schnell zurück.
Rokko: Ja, und das ist genau das Problem. Gegen so eine Mannschaft reicht es nicht, wenn du nur 70 oder 75 Minuten gut verteidigst. Du brauchst 90 perfekte Minuten – und die hatten wir durch die Rote Karte einfach nicht mehr im Tank.
Reporter: Das 2:3 fällt nur drei Minuten nach eurem dritten Tor.
Rokko: Und da merkst du, wie brutal dieses Stadion werden kann. Bern wirft alles nach vorne, wir verteidigen mit Mann und Maus. Jeder läuft für den anderen. Aber irgendwann werden die Räume größer.
Reporter: Und dann die 88. Minute – wieder Bedia.
Rokko: Ja… das tut weh. So kurz vor Schluss. Du bist so nah dran an diesem Auswärtssieg. Und dann reicht eine Situation. Ein Ball, ein Abschluss – und drin ist er.
Reporter: Hattet ihr in den letzten Minuten noch Angst, das Spiel komplett zu verlieren?
Rokko: Natürlich. Wenn du so lange in Unterzahl spielst, dann wird es hinten raus brutal. Die Beine werden schwer, die Konzentration lässt nach. Ich bin ehrlich: In den letzten Minuten war ich froh über jeden geklärten Ball.
Reporter: Wenn wir die Rote Karte ausklammern – wäre heute mehr drin gewesen?
Rokko: Das ist die Frage, die ich mir auch stelle. Mit elf gegen elf, bei unserem Spiel heute… ja, vielleicht. Vielleicht nehmen wir hier drei Punkte mit. Aber das ist Konjunktiv. Fakt ist: Die Rote war berechtigt. Und wir haben uns diese Hypothese selbst genommen.
Reporter: Überwiegt bei dir jetzt Stolz oder Ärger?
Rokko: Beides. Ärger, weil du das Gefühl hast, es war mehr drin. Stolz, weil wir hier nach so einem Tiefschlag wie in Luzern so zurückgekommen sind. Das war Charakter. Das war Mentalität.
Reporter: Wie wichtig ist dieser Punkt für euch?
Rokko: Enorm wichtig! Der war nicht einkalkuliert, ganz ehrlich. In Bern rechnest du nicht automatisch mit Zählbarem. Und genau deshalb fühlt sich dieser Punkt so wertvoll an.
Reporter: Was sagt dir dieses Spiel über deine Mannschaft?
Rokko: Dass sie lebt. Dass sie nicht auseinanderfällt nach einer Klatsche. Dass sie gegen Topgegner bestehen kann. Und das gibt mir extrem viel.
Reporter: Ein Wort zu sportfan_1990 und seinen Young Boys?
Rokko: Brutale Qualität. Offensivpower ohne Ende. Und sie geben nie auf. Nach dem 1:3 haben sie weiter Druck gemacht. Das zeichnet ein Spitzenteam aus.
Reporter: Was nimmst du konkret mit in die nächsten Wochen?
Rokko: Die Energie, die Intensität, den Mut. Aber auch die Erkenntnis, dass du dir gegen solche Gegner keine dummen Aktionen leisten darfst. Eine Szene kann alles kippen.
Reporter: Rokko, am Ende also ein 3:3, das dem Spiel gerecht wird?
Rokko: Ja, über 90 Minuten gesehen schon. Beide Teams hatten starke Phasen, beide hätten gewinnen können. Wir hätten es vielleicht mit elf Mann ziehen können – aber das bleibt Spekulation.
Reporter: Letzte Frage: Fühlt sich dieser Punkt nach Wiedergutmachung an?
Rokko: Ein Stück weit, ja. Nicht für alles – aber als Zeichen. Wir sind noch da. Wir können mithalten. Und wenn wir diese Leistung konservieren, dann werden wir noch einige Punkte holen.
Reporter: Danke dir für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne. Und Hut ab vor meiner Mannschaft heute – darauf können wir aufbauen.
67
21
18.02.2026 15:41:50
18
18.02.2026 15:22:27
24
14.01.2026 23:30:14
15
6
1
18.02.2026 15:41:50
18
18.02.2026 15:22:27
24
14.01.2026 23:30:14
15