PKO Bank Polski Ekstraklasa, 12 Spieltag, 01.03.2026 09:48:28
Interviewer: Rokko, 1:3 gegen Jagiellonia Białystok – wenn man nur auf das Ergebnis schaut, klingt es relativ klar. Fühlt es sich für dich auch so klar an, wie es das Resultat am Ende vermuten lässt?
Rokko: Nein, ehrlich gesagt überhaupt nicht. Wenn man die 90 Minuten gesehen hat, weiß man, dass das deutlich enger war, als es das Ergebnis ausdrückt. Wir wussten vor dem Spiel, was da auf uns zukommt. Jagiellonia ist eine unfassbar starke Mannschaft, extrem eingespielt, brutal effizient und mit enormer individueller Qualität - allen voran im Angriff. Uns war klar: Wenn wir heute etwas mitnehmen wollen, dann brauchen wir einen perfekten Tag. Und ich finde, wir waren sehr nah dran an diesem perfekten Tag – nur eben nicht in allen Bereichen.
Interviewer: Du hast vor dem Spiel eine neue Formation gewählt. Das kam für viele überraschend. Was war der Gedanke dahinter?
Rokko: Wir wollten mutig sein. Wir wollten nicht nur reagieren, sondern auch selbst Akzente setzen. Gerade gegen so einen Gegner ist es oft so, dass man sich tief hinten reinstellt und hofft, irgendwie durchzukommen. Aber das entspricht nicht ganz unserer Philosophie. Also haben wir ein paar Dinge angepasst, sowohl in der Grundordnung als auch im Pressingverhalten. Und ich muss sagen: Die Jungs haben das überragend umgesetzt. Wir sind richtig gut reingekommen, hatten sofort Zugriff, waren präsent in den Zweikämpfen und hatten auch selbst gute Ballbesitzphasen.
Interviewer: Würdest du sagen, ihr wart in der Anfangsphase sogar die bessere Mannschaft?
Rokko: Phasenweise ja, definitiv. Mindestens auf Augenhöhe, würde ich sagen. Und es gab Momente, da hatten wir sogar einen leichten Vorteil. Wir haben es geschafft, ihre Aufbauwege zu stören, haben früh Bälle gewonnen und uns auch Chancen erspielt. Das war genau das, was wir uns vorgenommen hatten. Deshalb ist es umso bitterer, dass wir uns für diese starke Anfangsphase nicht belohnt haben.
Interviewer: Das 0:1 durch Taras Romanczuk in der 24. Minute – war das aus deiner Sicht ein Knackpunkt?
Rokko: Es war natürlich ärgerlich, weil es so ein bisschen aus dem Nichts kam. Wir waren eigentlich gut im Spiel, hatten Kontrolle, und dann reicht dem Gegner eine Situation. Das ist eben die Qualität einer Spitzenmannschaft. Sie nutzen jede sich bietende Gelegenheit. Wir verteidigen das nicht schlecht, aber vielleicht einen Tick zu passiv im entscheidenden Moment – und dann klingelt es. Das ist der Unterschied auf diesem Niveau.
Interviewer: Kurz vor der Pause dann noch das 0:2 durch Afimico Pululu. Wie schwer wiegt so ein Gegentor psychologisch?
Rokko: Sehr schwer. Gerade wenn du weißt, dass du eigentlich gut mithältst. Mit einem 0:1 gehst du in die Pause und sagst: Alles gut, wir sind dran, wir brauchen nur den einen Moment. Aber das 0:2 kurz vor dem Halbzeitpfiff tut weh. Das darf uns in der Form nicht passieren. Da müssen wir konzentrierter bleiben. Trotzdem habe ich den Jungs in der Kabine gesagt: Kopf hoch, das Spiel ist noch nicht vorbei. Wir sind absolut drin.
Interviewer: Du hast es angesprochen – es fehlten drei wichtige Stammspieler, vor allem euer Stürmer. Wie sehr hat euch das offensiv eingeschränkt?
Rokko: Natürlich merkst du das. Gerade in so einem Spiel brauchst du vorne einen, der aus wenig viel macht. Wir hatten Chancen, wir waren in guten Räumen, aber uns hat ein Stück weit die letzte Durchschlagskraft gefehlt. Und das liegt nicht daran, dass die Jungs nicht wollten. Im Gegenteil, der Einsatz war top. Aber wenn dir drei wichtige Säulen fehlen, allen voran dein etatmäßiger Stürmer, dann fehlt dir in gewissen Momenten die Kaltschnäuzigkeit. Das ist keine Ausrede, sondern einfach Fakt.
Interviewer: In der 67. Minute dann das 0:3 durch Álex Pozo. War das die Entscheidung?
Rokko: Ja, das war im Grunde der Deckel drauf. Wir haben nochmal alles versucht, wollten höher anlaufen, etwas riskieren – und dann wirst du ausgekontert. Das ist das Risiko, das du gehst, wenn du zurückliegst. Und Jagiellonia spielt das dann eiskalt aus. Da sieht man einfach ihre Klasse. Trotzdem bin ich den Jungs nicht böse. Sie haben es versucht, sie wollten das Spiel drehen.
Interviewer: Das 1:3 durch Andreas Katsantonis in der 90. Minute war zumindest noch ein kleines Ausrufezeichen. Wichtig für die Moral?
Rokko: Absolut. Auch wenn es am Ausgang nichts mehr ändert, ist es wichtig, dass wir uns belohnen. Für die Moral, für das Gefühl. Wir haben uns diesen Treffer verdient. Er zeigt, dass wir bis zum Schluss dranbleiben. Und vielleicht nehmen wir genau dieses Gefühl mit ins nächste Spiel.
Interviewer: Wenn du ein Fazit ziehen müsstest – überwiegt der Stolz auf die Leistung oder der Frust über das Ergebnis?
Rokko: Es ist eine Mischung. Natürlich bin ich enttäuscht, weil ich wirklich das Gefühl hatte, dass heute etwas drin war. Wenn wir in Führung gehen oder zumindest den Ausgleich machen, kann das Spiel eine ganz andere Richtung nehmen. Aber gleichzeitig bin ich stolz auf die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind. Neue Formation, viele Ausfälle, starker Gegner – und trotzdem waren wir absolut konkurrenzfähig.
Interviewer: Blick nach vorne – was erwartest du vom nächsten Spiel?
Rokko: Dass wir an diese Leistung anknüpfen. Wenn wir die Intensität, die Passsicherheit und den Mut beibehalten und gleichzeitig vorne etwas konsequenter sind, dann holen wir auch wieder Punkte. Vielleicht sind bis dahin auch ein, zwei Verletzte zurück, das würde uns natürlich helfen. Aber unabhängig davon bin ich überzeugt, dass die Mannschaft auf dem richtigen Weg ist.
Interviewer: Letzte Frage – was sagst du dem Gegner nach so einem Spiel?
Rokko: Respekt und Glückwunsch. Jagiellonia hat gezeigt, warum sie da oben stehen. Sie waren effizient, abgezockt und haben ihre Chancen genutzt. Das muss man anerkennen. Aber wir haben ihnen alles abverlangt – und das sollte uns Mut machen.
Interviewer: Danke dir für die offenen Worte.
Rokko: Sehr gerne. Mund abputzen, weitermachen – und im nächsten Spiel greifen wir wieder an.
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