PKO Bank Polski Ekstraklasa, 20 Spieltag, 04.01.2026 22:45:11
Reporter: Rokko, ein 6:3-Auswärtssieg bei Pogon Szczecin, neun Tore, pure Offensive – das war Unterhaltung pur. Wie fühlt sich so ein Spiel direkt nach Abpfiff an?
Rokko: Puh, dass ist eines dieser Spiele, bei denen du erst mal tief durchatmen musst. Das war intensiv, und absolut wild – und das war Fußball, wie ihn viele sehen wollen. Natürlich freue ich mich riesig über die drei Punkte und über sechs Auswärtstore. Aber gleichzeitig weißt du auch: Das war kein kontrollierter Spaziergang. Das war ein Spiel, das du mit deiner Offensive gewinnst, nicht mit deiner Defensive. Und genau so hat es sich auch angefühlt.
Reporter: Sie sprechen es an – die Offensive hat heute geliefert. Bereits nach 21 Minuten stand es 0:3 für Piast. Was hat in dieser Anfangsphase so gut funktioniert?
Rokko: Wir waren von der ersten Minute an extrem klar in dem, was wir tun wollten. Kein großes Abtasten, kein langes Ballgeschiebe, sondern direkt nach vorne. Vertikal, mutig, mit Tempo. Dalmau trifft früh, legt direkt nach, Jirka macht das 0:3 – das war brutal effektiv. Wir haben Pogon in diesen Minuten regelrecht überrumpelt. Nicht, weil sie nicht gut waren, sondern weil wir in der Offensive einen unfassbar guten Zugriff hatten. Jeder wusste, wohin der nächste Ball geht, jeder Lauf hat gesessen. Das sah sehr gut aus.
Reporter: Trotzdem kam Pogon zurück ins Spiel und erzielte noch vor der Pause den Anschluss. Hat Sie das geärgert?
Rokko: Natürlich ärgert dich jedes Gegentor. Und wir haben heute drei davon kassiert, das muss man klar ansprechen. Unsere Defensive war wieder nicht sattelfest. Da sind Abstände nicht sauber, da verlieren wir Zweikämpfe, da sind wir einen Schritt zu spät. Aber ich will das nicht isoliert betrachten. Pogon hat das offensiv auch richtig gut gemacht. Die haben Qualität, die haben Tempo, die sind mutig geblieben. Das war kein Gegner, der sich nach dem 0:3 hat hängen lassen. Im Gegenteil.
Reporter: Direkt nach der Pause fiel dann das 1:4. War das so etwas wie eine Vorentscheidung?
Rokko: Es war ein ganz wichtiger Moment. Jorge Félix macht das Tor genau zu dem Zeitpunkt, wo Pogon eigentlich wieder Hoffnung schöpfte. Das war eiskalt. Und genau das war heute der Unterschied. Wann immer Pogon dran war, haben wir vorne wieder zugeschlagen. Das ist brutal frustrierend für den Gegner – und für uns natürlich Gold wert. Aber auch danach war das Spiel nicht durch. Das zeigt ja schon der Spielstand.
Reporter: Rajmund Molnár verkürzt erneut, es steht 2:4, später 3:5. Hatten Sie zwischendurch Sorgen, dass das Spiel kippen könnte?
Rokko: Sorgen vielleicht nicht, aber Respekt, ja. Du merkst in solchen Spielen, dass es jederzeit in beide Richtungen gehen kann. Wenn Pogon das 3:4 macht, dann brennt hier die Hütte! Dann wird es emotional, dann kann das Spiel komplett kippen. Genau deshalb war es so wichtig, dass wir ruhig geblieben sind. Kein hektisches Wegschlagen, kein Panikfußball. Wir sind unserem Stil treu geblieben – und hatten vorne eben diesen Sahnetag.
Reporter: Sie haben Dalmau angesprochen. Vier Tore, immer wieder anspielbar, immer gefährlich. War das seine beste Leistung seit deiner Rückkehr?
Rokko: Ohne Zweifel. Das war ein Sahnetag, wie man ihn sich als Trainer wünscht. Dalmau war heute nicht zu verteidigen. Abschlüsse, Laufwege, Körperlichkeit, Präsenz im Strafraum – das war komplett. Aber was mir fast noch besser gefallen hat: Er hat auch für die anderen gearbeitet. Das war kein egoistischer Viererpack, das war Mannschaftsfußball mit einem überragenden Zielspieler vorne drin.
Reporter: Trotzdem: Drei Gegentore. Ist das etwas, das Sie beschäftigt?
Rokko: Natürlich. Ich würde lügen, wenn ich das ausblenden würde. Es gibt diesen alten Spruch: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Titel. Titel sind aktuell kein Thema, aber Stabilität ist es trotzdem. Wir müssen da besser werden, ganz klar. Heute konnten wir es uns leisten, weil wir vorne überperformt haben. Aber das ist kein Dauerzustand, auf den du dich verlassen darfst. Das wissen die Jungs auch.
Reporter: Was hat Ihnen trotz der Gegentore besonders gefallen?
Rokko: Die Klarheit. Wir haben wenig geplänkelt, wenig Theater gemacht. Das war direkter Fußball, schnelles Spiel in die Spitze, kein Zögern. Und das hat richtig Spaß gemacht – nicht nur zum Zuschauen, sondern auch an der Seitenlinie. Ich hatte das Gefühl, dass beide Mannschaften Lust hatten, Fußball zu spielen. Und dafür gebührt auch dem Trainerkollegen großer Respekt.
Reporter: Wie ordnen Sie die Leistung von Pogon ein?
Rokko: Sehr, sehr gut. Wer hier nur auf das Ergebnis schaut und denkt, Pogon sei untergegangen, der tut ihnen Unrecht. Sie haben immer wieder Lösungen gefunden, sie sind mutig geblieben, sie haben uns gefordert. Das war kein einfacher Gegner, das war ein offener Schlagabtausch. Für diese Spielweise habe ich großen Respekt vor dem Trainerkollegen. Das war großartiger Offensivfußball.
Reporter: Am Ende steht ein 6:3-Auswärtssieg. Was nehmen Sie aus diesem Spiel mit?
Rokko: Viel Selbstvertrauen, vor allem offensiv. Die Jungs wissen jetzt, was möglich ist, wenn wir mutig sind und an uns glauben. Gleichzeitig nehmen wir aber auch klare Hausaufgaben mit. Wir müssen defensiv kompakter werden, cleverer verteidigen, besser absichern. Aber solche Spiele geben dir trotzdem Energie. Die machen Lust auf mehr.
Reporter: Zum Abschluss noch ein Wort an Ihren Trainerkollegen.
Rokko: Danke für dieses Spiel. Es war intensiv, fair und auf Augenhöhe – auch wenn das Ergebnis etwas anderes sagt. Ich wünsche ihm und Pogon weiterhin viel Erfolg. Und wenn wir uns wiedersehen, weiß ich jetzt schon: Das wird wieder kein Spaziergang.
Reporter: Vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gern.
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