PKO Bank Polski Ekstraklasa, 3 Spieltag, 04.01.2026 23:29:06
Reporter: Rokko, 4:4 am Ende, ein Spiel mit gefühlt allem drin. Wenn man das so von außen betrachtet, weiß man gar nicht, ob man von einem gewonnenen oder verlorenen Punkt sprechen soll. Wie fühlt es sich für dich gerade an?
Rokko: Wenn ich ganz ehrlich bin, fühlt es sich für uns wie ein gewonnener Punkt an. Und zwar ein sehr schmeichelhafter. Ich glaube, das sieht jeder, der dieses Spiel halbwegs nüchtern analysiert. Pogon war über 90 Minuten gesehen die bessere Mannschaft, daran gibt es für mich nichts zu rütteln. Wir haben hier heute extrem viel Glück gehabt, dass wir überhaupt etwas mitnehmen.
Reporter: Gerade die erste Halbzeit war sehr einseitig. Pogon hat euch teilweise komplett eingeschnürt. Wie hast du diese Phase erlebt?
Rokko: Das war brutal, anders kann man es nicht sagen. Pogon hat uns in der ersten Halbzeit stellenweise wirklich an die Wand gespielt. Die Intensität, das Tempo, die Positionswechsel – das war richtig stark. Wir sind kaum in die Zweikämpfe gekommen, waren immer einen Schritt zu spät. Wenn sie ihre wirklich hervorragend rausgespielten Chancen konsequenter nutzen, dann ist das Spiel zur Pause eigentlich schon durch. Dass wir da nur mit einem 1:2 in die Kabine gehen, ist extrem schmeichelhaft für uns. Das muss man so klar sagen.
Reporter: Gab es in dem Moment Sorgen, dass das Spiel komplett kippt?
Rokko: Absolut. Du stehst an der Seitenlinie und merkst, dass du gerade nicht wirklich Zugriff bekommst. Du versuchst Dinge zu korrigieren, schiebst ein bisschen, redest viel, aber Pogon war einfach sehr, sehr gut. Wir haben Glück, dass sie uns am Leben lassen. Das ist kein gutes Gefühl als Trainer, weil du weißt, dass du eigentlich gerade unterlegen bist.
Reporter: In der zweiten Halbzeit kommt Piast dann deutlich besser ins Spiel. Was habt ihr verändert?
Rokko: Wir haben ein paar Kleinigkeiten angepasst, vor allem im Zentrum. Aber ehrlicherweise muss ich sagen: Der größte Unterschied war, dass Pogon dieses unfassbare Tempo aus der ersten Halbzeit nicht ganz über 90 Minuten halten konnte. Das ist völlig normal. Dadurch hatten wir etwas mehr Luft, etwas mehr Ballbesitz, etwas mehr Ruhe. Und dann schlagen wir eiskalt zu. Nicht, weil wir plötzlich das Spiel kontrollieren, sondern weil wir unsere wenigen Momente brutal effizient nutzen.
Reporter: Ihr geht dann sogar in Führung. War das aus deiner Sicht verdient?
Rokko: Nein. Ganz klar nein. Das wäre gelogen, wenn ich das anders darstellen würde. Wir führen, aber verdient ist das nicht. Wir waren zu diesem Zeitpunkt effektiver, ja. Aber Pogon war spielerisch weiterhin sehr gut. Das ist Fußball. Manchmal bekommst du Dinge, die du dir eigentlich nicht erarbeitet hast.
Reporter: Trotzdem schaffst du es mit deiner Mannschaft, immer wieder zurückzukommen und sogar erneut in Führung zu gehen. Was sagt das über dein Team?
Rokko: Es sagt, dass wir mental stabil sind und dass wir trotz aller Probleme nie aufgeben. Das rechne ich der Mannschaft hoch an. Auch wenn vieles heute nicht gut war, haben die Jungs Moral gezeigt. Aber Moral allein reicht auf Dauer nicht, das müssen wir klar trennen. Du kannst nicht jedes Spiel darauf hoffen, dass du vorne alles reinmachst und hinten irgendwie überlebst.
Reporter: Apropos hinten: Die Defensive wirkte über weite Strecken extrem anfällig.
Rokko: Das ist noch freundlich formuliert. Unsere Defensive war heute eine Offenbarung – im negativen Sinne. Wir haben schlecht verteidigt, waren unsortiert, haben Abstände nicht gehalten und Pogon immer wieder eingeladen. Dass sie aus den vielen Situationen „nur“ vier Tore machen, ist eigentlich zu wenig. Das muss man so deutlich sagen.
Reporter: Trotzdem erzielt ihr selbst vier Tore. Wie bewertest du die Offensive?
Rokko: Klingt paradox, aber offensiv war das trotz der vier Tore keine gute Partie von uns. Wir hatten kaum Struktur, wenig Kombinationen, wenig Kontrolle. Wir waren einfach brutal effizient. Mehr nicht. Das ist schön für das Ergebnis, aber kein Fundament, auf dem du aufbauen kannst.
Reporter: Der Ausgleich von Pogon fällt spät und nach einer Ecke. Gerade Standards von Pogon wirkten extrem gefährlich.
Rokko: Diese Ecken waren mit das Beste, was ich seit langer Zeit gesehen habe. Da war richtig Zug drin, gute Laufwege, perfektes Timing. Und genau so fällt dann auch das 4:4. Es sieht vielleicht erst glücklich aus, weil es spät ist, aber wenn man ehrlich ist, ist es hochverdient. Eigentlich sogar zu wenig für Pogon, wenn man das ganze Spiel betrachtet.
Reporter: Wie hast du den Moment des Ausgleichs erlebt?
Rokko: Kurz gesagt: Es war verdient. Klar, in dem Moment ärgerst du dich, weil du denkst, du hast es irgendwie wieder geschafft, in Führung zu gehen. Aber innerlich wusste ich sofort: Das ist absolut gerecht. Pogon hat sich diesen Treffer über 90 Minuten erarbeitet.
Reporter: Was hast du deiner Mannschaft nach dem Spiel gesagt?
Rokko: Ich habe ihnen gesagt, dass wir uns über den Punkt freuen dürfen, aber nicht stolz auf die Leistung sein können. Das sind zwei verschiedene Dinge. Wir müssen extrem kritisch mit uns selbst sein. Wenn wir so verteidigen, werden wir in dieser Liga noch richtig Probleme bekommen. Gleichzeitig habe ich gesagt, dass es wichtig ist, solche Spiele nicht zu verlieren, auch wenn man klar unterlegen ist.
Reporter: Wie bewertest du die Leistung von Pogon insgesamt?
Rokko: Überragend. Wirklich. Das war eine unfassbare Leistungssteigerung. Intensiv, mutig, spielerisch stark. Ich ziehe da ganz ehrlich meinen Hut. Wenn Pogon dieses Spiel deutlich gewinnt, darf sich niemand beschweren. Das wäre hochverdient gewesen.
Reporter: Möchtest du deinem Trainerkollegen noch etwas mitgeben?
Rokko: Auf jeden Fall. Ich gratuliere ihm ausdrücklich zu dieser Leistung. Das war richtig starker Fußball. Ich weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt. Heute war das Ergebnis aus meiner Sicht sogar zu wenig für seine Mannschaft. Wenn sie so weiterspielen, werden sie noch viele Spiele gewinnen.
Reporter: Was nimmst du persönlich aus dieser Partie mit?
Rokko: Dass wir noch sehr viel Arbeit vor uns haben. Vor allem gegen den Ball. Und dass wir uns nicht von Ergebnissen blenden lassen dürfen. Ein Punkt kann gut sein, aber die Leistung muss passen. Heute war das nicht der Fall.
Reporter: Und zum Abschluss: Mit welchem Gefühl gehst du aus diesem Spiel?
Rokko: Erleichtert, ehrlich gesagt. Und dankbar. Aber auch selbstkritisch. Wir haben heute viel Glück gehabt. Das wissen wir. Und das müssen wir beim nächsten Spiel besser machen.
Reporter: Danke dir für die offenen Worte.
Rokko: Gern.
Ein wirklich lebendiges und ehrliches Interview, was unser zweites Spiel am gestrigen Abend bestens aufleben lässt.
Im ersten Spiel hast du klar demonstriert, wer das Spiel gerade offensiv beherrschen kann, sehr beeindruckend.
Weiterhin viel Erfolg in der polnischen Liga mit vielen weiteren lesenswerten Berichten. Danke dir und alles Gute
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