Eredivisie, 30 Spieltag, 28.05.2026 09:42:34
Dirk große Schlarmann: Rokko, wenn man ehrlich ist, dann war das heute wahrscheinlich eines dieser Spiele, bei denen jeder neutrale Zuschauer komplett auf seine Kosten gekommen ist – als Trainer allerdings vermutlich eher weniger. 4:4 am Ende, ständiges Hin und Her, Führungswechsel, späte Tore. Wie fühlt sich so ein Spiel direkt nach Abpfiff an?
Rokko: Chaotisch trifft es wahrscheinlich ganz gut. Nein, im Ernst – das war heute ein komplett wildes Spiel. Für die Zuschauer wahrscheinlich überragend, für uns Trainer eher schwierig mitanzusehen. Es gab viele gute offensive Aktionen auf beiden Seiten, aber defensiv war das teilweise schon sehr vogelwild. Deshalb fühlt sich dieses 4:4 am Ende auch irgendwie logisch an.
Dirk große Schlarmann: Dabei startet das Spiel erstmal alles andere als ideal für euch. Früh das 0:1. Hat man da direkt gemerkt, dass das heute ein komplizierter Nachmittag wird?
Rokko: Ja, definitiv. Breda kam richtig gut rein, war aggressiv, mutig und sehr direkt in ihren Aktionen. Wir waren da anfangs nicht richtig wach. Das frühe Gegentor hat uns natürlich erstmal wehgetan, aber ich fand die Reaktion danach eigentlich ziemlich gut.
Dirk große Schlarmann: Weil ihr das Spiel dann ja komplett dreht.
Rokko: Genau. Und ich fand auch, dass wir in der ersten Halbzeit danach insgesamt etwas besser waren. Wir hatten mehr Kontrolle, waren gefährlicher im letzten Drittel und haben es geschafft, das Spiel mehr auf unsere Seite zu ziehen. Deshalb ging die Führung zur Pause für mich auch in Ordnung.
Dirk große Schlarmann: Was mir auffiel: Offensiv habt ihr teilweise richtig gute Lösungen gefunden, defensiv dagegen wirkte es auf beiden Seiten extrem offen. War das einfach die Dynamik des Spiels?
Rokko: Ja, glaube ich schon. Das Spiel hatte irgendwann kaum noch Ruhephasen. Es ging ständig hin und her. Beide Mannschaften wollten nach vorne spielen, beide haben mutig agiert – und dadurch entstanden natürlich Räume. Dazu kam, dass wir auf beiden Seiten defensiv nicht unseren besten Tag hatten. Das Stellungsspiel war teilweise einfach nicht gut genug.
Dirk große Schlarmann: Würdest du sagen, dass euch dieses wilde Spiel eher entgegenkam oder eher nicht?
Rokko: Schwierige Frage. Grundsätzlich spielen wir schon gerne nach vorne und suchen offensive Lösungen. Aber heute war es teilweise zu offen. Gerade defensiv hatten wir nicht die Stabilität, die wir normalerweise haben wollen. Und wenn du dann gegen eine Mannschaft wie Breda spielst, die offensiv viel Qualität hat, wird das natürlich gefährlich.
Dirk große Schlarmann: Dann kommt die zweite Halbzeit – und plötzlich kippt das Spiel wieder komplett.
Rokko: Ja, Breda wurde deutlich stärker. Sie hatten mehr Zugriff, haben uns früher gestört und waren insgesamt aggressiver in ihren Aktionen. Und dann drehen sie das Spiel natürlich auch verdient.
Dirk große Schlarmann: Hattest du in dieser Phase das Gefühl, dass euch das Spiel komplett entgleitet?
Rokko: Kurzzeitig schon, ja. Vor allem nach dem 3:2 hatte Breda richtig Momentum. Das Stadion war da, die Mannschaft war da – und wir mussten in dieser Phase wirklich kämpfen, um im Spiel zu bleiben.
Dirk große Schlarmann: Aber genau dann schafft ihr wieder den Ausgleich.
Rokko: Ja, und das zeigt eben auch die Mentalität der Mannschaft. Wir haben heute sicherlich nicht perfekt gespielt, aber die Jungs haben nie aufgehört. Auch nach Rückschlägen sind wir immer wieder zurückgekommen. Das war positiv.
Dirk große Schlarmann: Und trotzdem schien das Spiel dann in der Schlussphase nochmal komplett zu kippen. Das 4:3 in der 84. Minute – da dachtest du wahrscheinlich schon: Das war’s jetzt.
Rokko: Ja, ehrlich gesagt schon ein bisschen. Weil du natürlich weißt, wie wenig Zeit dann noch bleibt. Und wenn du so spät ein Gegentor kassierst, ist das erstmal brutal bitter.
Dirk große Schlarmann: Aber dann kommt Thomas Bruns in der 92. Minute.
Rokko: Ja, Wahnsinn eigentlich. Das war natürlich ein unglaublicher Moment für uns. Gerade weil das Spiel emotional schon mehrfach in beide Richtungen geschwankt ist. Deshalb fühlt sich dieser Punkt am Ende vielleicht sogar ein bisschen wie ein kleiner Sieg an.
Dirk große Schlarmann: Würdest du sagen, das Remis geht insgesamt in Ordnung?
Rokko: Ja, ich glaube schon. Beide Mannschaften hatten ihre Phasen, beide hätten das Spiel gewinnen können und beide haben defensiv zu viel zugelassen. Deshalb finde ich das Unentschieden am Ende gerecht.
Dirk große Schlarmann: Was ich spannend finde: Ihr habt in den letzten Wochen viele unterschiedliche Spiele erlebt. Dominante Siege, knappe Spiele, jetzt so ein wildes 4:4. Hilft euch das vielleicht sogar mit Blick auf die Entwicklung?
Rokko: Ja, definitiv. Du lernst aus jedem Spiel etwas anderes. Heute ging es viel darum, trotz Chaos ruhig zu bleiben und immer wieder zurückzukommen. Das ist mental nicht einfach. Natürlich hätten wir defensiv einiges besser machen können, aber die Reaktion der Mannschaft war trotzdem gut.
Dirk große Schlarmann: Wie schwierig ist es als Trainer eigentlich, so ein Spiel von außen zu begleiten? Weil das ja gefühlt komplett ohne Kontrolle ablief.
Rokko: Sehr schwierig. Du versuchst natürlich ständig, Ordnung reinzubringen, aber manchmal entwickelt ein Spiel einfach eine Eigendynamik. Und heute war das definitiv so. Da ging es irgendwann viel über Emotionen, Momentum und Effizienz.
Dirk große Schlarmann: Wenn wir auf die Tabelle schauen: Ist das eher ein Punktgewinn oder eher zwei verlorene Punkte?
Rokko: Ich würde sagen, am Ende eher ein gewonnener Punkt. Gerade wegen des späten Ausgleichs. Klar, zwischenzeitlich führst du selbst und denkst vielleicht über mehr nach. Aber wenn du kurz vor Schluss hintenliegst und dann noch zurückkommst, musst du den Punkt auch annehmen.
Dirk große Schlarmann: Ein paar Worte noch zu deinem Trainerkollegen Robin?
Rokko: Sehr gerne. Ich finde, seine Mannschaft hat das heute wirklich gut gemacht. Breda war mutig, intensiv und offensiv extrem unangenehm. Deshalb war das heute auch so schwer für uns. Ich wünsche ihm auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg.
Dirk große Schlarmann: Was nimmt man jetzt aus so einem Spiel mit? Eher die offensive Qualität oder eher die Baustellen defensiv?
Rokko: Wahrscheinlich beides. Offensiv haben wir wieder gezeigt, dass wir immer Tore machen können. Aber defensiv müssen wir definitiv stabiler werden. Das wissen wir auch selbst. Gleichzeitig gehört zu einer guten Saison eben auch dazu, solche wilden Spiele irgendwie mitzunehmen.
Dirk große Schlarmann: Letzte Frage, Rokko: Ist das vielleicht genau die Art von Spiel, die man einfach abhaken muss?
Rokko: Ja. Natürlich analysieren wir das, klar. Aber du darfst dich davon auch nicht verrückt machen lassen. Es war ein verrücktes Spiel mit vielen Fehlern auf beiden Seiten. Jetzt geht’s darum, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und wieder den Fokus auf das nächste Spiel zu legen.
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk!
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