Eredivisie, 28 Spieltag, 24.05.2026 21:02:37
Dirk große Schlarmann: Rokko, wenn man sich dieses Spiel anschaut, dann fragt man sich schon ein bisschen: Was war das bitte für eine erste Halbzeit von euch? Vier Tore gegen Groningen, auswärts, gegen eine Mannschaft, die euch im Hinspiel noch geschlagen hat – das war ja phasenweise richtig stark.
Rokko: Ja, absolut. Ich glaube, das war tatsächlich mit die beste erste Halbzeit, die wir bisher gespielt haben seit ich hier Trainer bin. Wir waren unglaublich klar in unseren Aktionen, hatten eine richtig gute Balance zwischen Kontrolle und Tiefgang. Und das Entscheidende war: Wir waren effizient. Das ist uns in manchen Spielen vorher vielleicht ein bisschen abgegangen, aber heute haben wir die Chancen genutzt.
Dirk große Schlarmann: Du sprichst die Effizienz an – gerade Mario Engels vorne drin hatte heute ja einen absoluten Sahnetag. Vier Tore, ständig unterwegs, ständig gefährlich. War das heute seine beste Leistung unter dir?
Rokko: Schwer zu sagen, aber sicherlich eine der besten. Mario war heute überragend, nicht nur wegen der Tore. Seine Laufwege, seine Intensität gegen den Ball, seine Präsenz – das war einfach komplett. Und trotzdem muss man sagen: Das funktioniert auch nur, weil die Mannschaft ihn heute extrem gut eingesetzt hat. Die Jungs haben ihn immer wieder in gute Situationen gebracht.
Dirk große Schlarmann: Wenn wir mal auf die erste Halbzeit schauen – Groningen geht früh in Führung und trotzdem wirkt ihr danach überhaupt nicht beeindruckt. War das vielleicht sogar ein Vorteil, dass ihr direkt reagieren musstet?
Rokko: Vielleicht tatsächlich ein Stück weit, ja. Wir haben nach dem 1:0 überhaupt nicht die Nerven verloren, obwohl wir uns das Tor mit einem dummen individuellen Fehler quasi selbst eingeschenkt haben. Ich hatte aber das Gefühl, dass wir danach noch klarer wurden. Wir wussten ja aus dem Hinspiel, dass wir gegen Groningen phasenweise mithalten konnten. Damals haben wir das Spiel meiner Meinung nach trotz guter Leistung verloren. Heute wollten wir das besser machen.
Dirk große Schlarmann: Und das habt ihr. Zwischen der 18. und 41. Minute vier Tore – das war schon ein kleiner Rausch, oder?
Rokko: Ja, das kann man so sagen. Da hat einfach vieles funktioniert. Wir haben die Räume gut erkannt, hatten ein gutes Tempo im Spiel und waren sehr zielstrebig. Aber – und das ist mir wichtig – Groningen war trotzdem nie komplett weg. Das darf man bei dem Ergebnis nicht vergessen. Die haben immer wieder gezeigt, dass sie Qualität haben.
Dirk große Schlarmann: Das hat man dann vor allem in der zweiten Halbzeit gesehen. Younes Taha macht drei Tore, plötzlich steht es 4:4 und man denkt sich: Das kann doch jetzt nicht wirklich kippen?
Rokko: Ja, das war schon brutal. Und da muss ich auch ehrlich sagen: Riesigen Respekt an Groningen. Viele Mannschaften brechen bei einem 1:4 vielleicht auseinander. Aber die haben weitergemacht, weiter Druck gemacht und ihre Chancen unglaublich gut genutzt. Gerade Taha war da kaum zu stoppen.
Dirk große Schlarmann: Hattest du irgendwann das Gefühl, dass euch das Spiel komplett entgleitet?
Rokko: Ja, kurzzeitig schon. Vor allem nach dem 4:4 natürlich. Da war die Stimmung komplett gekippt. Du führst auswärts 4:1, hast eigentlich alles unter Kontrolle – und plötzlich steht es wieder Remis. Das ist mental natürlich extrem schwierig. Aber genau da muss ich meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen.
Dirk große Schlarmann: Weil ihr nochmal zurückkommt?
Rokko: Genau. Das wäre früher vielleicht ein Spiel gewesen, das du am Ende noch verlierst. Aber die Jungs haben Charakter gezeigt. Wir sind ruhig geblieben, haben weiter nach vorne gespielt und uns dann tatsächlich nochmal belohnt. Das 5:4 kurz vor Schluss war dann natürlich pure Emotion.
Dirk große Schlarmann: Und wieder Mario Engels.
Rokko: Ja, das passt natürlich zu so einem Tag. Wenn du vier Tore machst und dann auch noch den Siegtreffer erzielst, dann hast du dir den Titel „Spieler des Spiels“ definitiv verdient. Aber nochmal: Ich will das nicht nur auf Einzelspieler runterbrechen. Das war heute eine Mannschaftsleistung.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem – defensiv werdet ihr euch die zweite Halbzeit sicher nochmal anschauen müssen, oder?
Rokko: Natürlich. Das gehört auch zur Wahrheit dazu. Offensiv war das heute richtig stark, defensiv war das in der zweiten Halbzeit phasenweise zu wild. Wir haben da zu viele Räume angeboten, waren nicht mehr ganz so sauber in unseren Abläufen. Gegen starke Mannschaften wird das dann bestraft – und Groningen hat das brutal gut gemacht.
Dirk große Schlarmann: Ist das vielleicht auch ein Zeichen eurer Entwicklung? Dass ihr trotz solcher Rückschläge im Spiel am Ende trotzdem gewinnt?
Rokko: Ja, ich glaube schon. Die Mannschaft wirkt mittlerweile stabiler im Kopf. Früher hätten wir vielleicht angefangen zu zweifeln, wobei ich nichts sagen darf, nach dem 4:4 hatte ich auch meine Zweifel - irgendwo auch menschlich denke ich. Heute hatten wir aber trotz des Ausgleichs irgendwie noch das Gefühl: Da geht noch was. Und das ist wichtig.
Dirk große Schlarmann: Wenn man eure Saison insgesamt betrachtet – da fällt schon auf, dass ihr offensiv unglaublich viele Lösungen habt. Gleichzeitig gab es aber zuletzt auch Spiele, wo ihr defensiv mehr zugelassen habt. Ist das aktuell so ein bisschen die Balance, die ihr noch sucht?
Rokko: Ja, definitiv. Wir wollen mutigen Fußball spielen, wir wollen aktiv sein. Aber natürlich gehört dazu auch die defensive Stabilität. Das eine darf nicht auf Kosten des anderen gehen. Heute war offensiv fast alles top, defensiv eben nicht alles. Und genau daran arbeiten wir.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem – solche Spiele zu gewinnen, im Stile einer Topmannschaft, gibt sicher viel Selbstvertrauen.
Rokko: Vielleicht. Aber wir bleiben trotzdem realistisch. Die Liga ist brutal eng. Du kannst drei Spiele gewinnen und plötzlich ganz oben stehen – und genauso schnell kann es wieder anders aussehen. Deshalb versuchen wir, ruhig zu bleiben.
Dirk große Schlarmann: Du wirkst trotz dieser wilden Partie erstaunlich entspannt.
Rokko: Nach außen vielleicht. Innerlich war das heute schon ein ziemliches Wechselbad. Aber genau solche Spiele machen Fußball eben auch aus. Und am Ende freust du dich natürlich riesig, wenn du so ein Spiel noch ziehst.
Dirk große Schlarmann: Wie wichtig war dieser Sieg mit Blick auf die kommenden Wochen?
Rokko: Sehr wichtig. Gerade mental. Du nimmst aus so einem Spiel unglaublich viel mit. Aber wir wissen auch, dass noch viele schwere Aufgaben kommen. Da werden wir wieder auf einem absoluten Topniveau performen müssen.
Dirk große Schlarmann: Ein paar Worte noch zu deinem Trainerkollegen?
Rokko: Sehr gerne. Kalongo ist wirklich ein richtig starker Trainer. Seine Mannschaft hat uns heute alles abverlangt. Gerade wie Groningen nach dem Rückstand zurückgekommen ist, war beeindruckend. Das Ergebnis darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie schwer dieses Spiel war. Ich wünsche ihm wirklich nur das Beste weiterhin. Kalongo, du alte Maschine – bis zum nächsten Mal!
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk!
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