Eliteserien, 4 Spieltag, 24.05.2026 21:31:49
Dirk große Schlarmann: Rokko, ich glaube, das war heute genau die Art von Spiel, die man im Saisonendspurt irgendwie „erwachsen“ nennen würde. Nicht komplett spektakulär, nicht komplett wild – aber man hatte trotzdem über 90 Minuten das Gefühl, dass eure Mannschaft genau weiß, was sie tun muss, um so ein Ding zu ziehen. Würdest du da mitgehen?
Rokko: Ja, tatsächlich schon. Ich glaube, das beschreibt das Spiel ganz gut. Es war kein Spiel, wo du den Gegner dominierst oder dir Chance um Chance erspielst. Dafür war Strømsgodset viel zu gut eingestellt. Aber ich fand, dass wir heute in vielen kleinen Momenten sehr klar waren. Gegen den Ball, im Verschieben, in den Zweikämpfen – da waren wir einfach wach. Und ich glaube, genau das war am Ende der Unterschied.
Dirk große Schlarmann: Du hast vor dem Spiel schon davon gesprochen, wie groß dein Respekt vor Gimmly und seiner Entwicklung als Trainer ist. Hat sich das heute nochmal bestätigt?
Rokko: Absolut. Und ich glaube, jeder, der das Spiel gesehen hat, wird das ähnlich wahrgenommen haben. Das war über weite Strecken ein total ausgeglichenes Spiel. Strømsgodset hat uns alles abverlangt. Sie hatten gute Ballbesitzphasen, gute Lösungen im Aufbau und waren auch defensiv sehr stabil. Das war kein Spiel, das du mal eben so gewinnst. Deshalb freuen wir uns heute natürlich umso mehr über diese drei Punkte.
Dirk große Schlarmann: Man hatte auch nie das Gefühl, dass ihr euch komplett absetzen könnt. Selbst beim 2:0 oder später beim 3:0 wirkte das alles noch offen.
Rokko: Ja, total. Und das haben wir auch genauso wahrgenommen. Das Ergebnis liest sich am Ende vielleicht klarer, als das Spiel wirklich war. Wir wussten die ganze Zeit, dass wir konzentriert bleiben müssen. Gerade gegen so eine Mannschaft reicht ein kurzer Moment der Unordnung und plötzlich kippt das Spiel. Deshalb war ich heute vor allem mit der Arbeit gegen den Ball sehr zufrieden.
Dirk große Schlarmann: Das fand ich spannend – du gehst direkt auf die Defensive. Viele würden jetzt wahrscheinlich erstmal über eure drei Tore sprechen.
Rokko: Klar, Tore sind immer schön und natürlich brauchst du vorne auch Qualität, um solche Spiele zu gewinnen. Aber für mich lag der Schlüssel heute tatsächlich eher darin, wie geschlossen wir verteidigt haben. Die Jungs haben unglaublich viel gearbeitet. Wir waren kompakt, haben Wege zugestellt und viele Situationen schon im Ansatz gut gelöst. Gerade in so engen Spielen ist das enorm wichtig.
Dirk große Schlarmann: Und trotzdem – dieses 1:0 kurz vor der Pause war wahrscheinlich schon ein enorm wichtiger Moment, oder?
Rokko: Ja, definitiv. Das Timing war natürlich perfekt. Bis dahin war es wirklich ein Spiel auf Augenhöhe. Beide Mannschaften hatten ihre Momente. Und dann gehst du kurz vor der Halbzeit in Führung – das gibt dir natürlich ein gutes Gefühl. Aber auch danach war uns klar, dass das noch lange nicht entschieden ist.
Dirk große Schlarmann: Nach der Pause dann das 2:0 durch Svindland. Hattest du da kurz das Gefühl, jetzt kippt das Spiel vielleicht in eure Richtung?
Rokko: Ein Stück weit vielleicht schon, aber eher vom Gefühl her, dass wir etwas mehr Kontrolle bekommen haben. Trotzdem blieb es eng. Strømsgodset hat nie aufgehört, Lösungen zu suchen. Das hat man schon gemerkt. Deshalb war das 3:0 später natürlich extrem wichtig.
Dirk große Schlarmann: Und trotzdem kassiert ihr hinten raus noch das Gegentor.
Rokko: Ja, das ärgert mich tatsächlich ein bisschen. Nicht wegen des Ergebnisses, sondern eher, weil wir bis dahin wirklich sehr konzentriert verteidigt haben. Aber das gehört auch dazu. Wichtig war heute vor allem der Sieg.
Dirk große Schlarmann: Was ich interessant finde: Ihr gewinnt solche Spiele mittlerweile auf unterschiedliche Arten. Ist das vielleicht der größte Entwicklungsschritt dieser Mannschaft?
Rokko: Ja, das würde ich schon sagen. Wir haben im Laufe der Saison verschiedene Gesichter gezeigt. Und ich glaube, genau das brauchst du auch, wenn du oben mitspielen willst. Es wird nicht jedes Spiel ein Offensivspektakel. Gerade gegen starke Gegner musst du manchmal auch leiden können, diszipliniert bleiben und geduldig sein. Das haben die Jungs heute wirklich gut gemacht.
Dirk große Schlarmann: Wenn wir auf die Tabelle schauen, dann wird das Thema Europa natürlich immer größer. Merkst du das auch im Umfeld?
Rokko: Klar, natürlich. Die Leute beschäftigen sich damit, die Fans träumen ein bisschen – und das ist ja auch völlig normal. Wir wären ja verrückt, wenn wir uns darüber nicht freuen würden. Aber intern versuchen wir trotzdem ruhig zu bleiben. Es bringt nichts, jetzt den Blick zu weit nach vorne zu richten.
Dirk große Schlarmann: Aber du merkst schon, dass da gerade etwas Besonderes entstehen könnte?
Rokko: Ja, das Gefühl ist schon da. Und das darf man auch genießen. Wir haben uns in eine richtig gute Ausgangslage gebracht. Aber gleichzeitig wissen wir auch, und da wiederhole ich mich gefühlt Woche für Woche, dass noch unglaublich viele schwere Spiele kommen. Deshalb bleiben wir vorsichtig.
Dirk große Schlarmann: Jetzt kommt ja direkt das Rückspiel gegen denselben Gegner. Ist das etwas, worauf du dich freust oder eher etwas, wo du denkst: „Boah, nicht schon wieder“?
Rokko: Nein nein, ich freue mich wirklich drauf. Genau solche Spiele machen doch Spaß. Zwei Mannschaften auf Augenhöhe, zwei Trainer, die sich gegenseitig gut kennen und respektieren – das sind einfach coole Duelle. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das Rückspiel nochmal komplett anders wird.
Dirk große Schlarmann: Glaubst du, dass Gimmly jetzt Anpassungen vornehmen wird?
Rokko: Ganz bestimmt. Aber das werden wir auch tun. Und genau das macht es ja spannend. Beide Teams kennen jetzt die Abläufe des anderen noch ein Stück besser. Deshalb erwarte ich wieder ein sehr enges Spiel.
Dirk große Schlarmann: Du wirkst heute insgesamt sehr zufrieden und doch ruhig.
Rokko: Du Dirk, natürlich freuen wir uns riesig über den Sieg. Gegen so einen starken Gegner drei Punkte zu holen, fühlt sich richtig gut an. Aber wir wissen eben auch, dass wir uns alles weiterhin hart erarbeiten müssen. In dieser Liga bekommst du nichts geschenkt.
Dirk große Schlarmann: Und trotzdem – solche Spiele geben doch auch Selbstvertrauen, oder?
Rokko: Absolut. Gerade weil es heute eben kein Selbstläufer war. Solche engen Spiele zu gewinnen, gibt dir als Mannschaft schon ein gutes Gefühl. Aber Selbstvertrauen darf nie in Selbstzufriedenheit umschlagen. Das wäre gefährlich.
Dirk große Schlarmann: Letzte Frage, Rokko: Was erwartest du jetzt vom Rückspiel?
Rokko: Ehrlich? Wieder ein brutal enges Spiel. Ich glaube nicht, dass da irgendwer klar überlegen sein wird. Dafür sind beide Mannschaften zu gut organisiert. Es werden wieder Kleinigkeiten entscheiden – und genau darauf freuen wir uns.
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk!
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