Eredivisie, 20 Spieltag, 06.04.2026 22:31:13
Reporter: Rokko, wenn man dich so anschaut, wirkt das heute wie ein Unentschieden, das sich nicht ganz wie ein gewonnener Punkt anfühlt. Täuscht der Eindruck?
Rokko: Nein, überhaupt nicht. Das beschreibt es eigentlich ziemlich gut. Klar, wenn du dreimal zurückkommst, kannst du sagen: „Okay, Moral gezeigt, Punkt geholt.“ Aber wenn du das ganze Spiel gesehen hast, dann fühlt sich das heute eher wie eine verpasste Chance an.
Reporter: Gerade nach dem Hinspiel, das ihr ja extrem bitter in der Nachspielzeit verloren habt – war da heute eine besondere Motivation spürbar?
Rokko: Auf jeden Fall. Wir waren gewarnt, wir wussten, was auf uns zukommt. Telstar ist einfach eine richtig gute Mannschaft, das haben sie im Hinspiel schon gezeigt. Aber wir hatten diesmal ein besseres Gefühl für ihre Spielweise und wollten von Anfang an dagegenhalten.
Reporter: Und das hat man auch gesehen. Deine Mannschaft war direkt im Spiel, sehr aktiv, sehr dominant.
Rokko: Ja, das war vielleicht sogar mit das Beste heute. Wir waren von der ersten Minute an da, haben uns reingearbeitet, waren aggressiv, haben Fußball gespielt. Es gab Phasen, da hatten wir richtig einen Lauf, da lief der Ball gut, die Jungs hatten Selbstvertrauen – das hat Spaß gemacht, auch von außen zuzuschauen.
Reporter: Trotzdem geht Telstar in Führung. Wieder so ein Moment, wo man denkt: „Das kann doch nicht sein.“
Rokko: Genau das. (lacht) Wir machen eigentlich ein richtig gutes Spiel, haben Kontrolle – und dann reicht dem Gegner eine Aktion, und es steht 0:1. Das ist dann halt die Qualität von Telstar.
Reporter: Aber auch da wieder die direkte Antwort – Engels mit dem 1:1.
Rokko: Ja, und das war extrem wichtig. Ich hatte heute nie das Gefühl, dass wir uns hängen lassen. Egal, was passiert ist – die Mannschaft hat immer weitergemacht. Das war wirklich stark.
Reporter: Kurz vor der Pause dann trotzdem wieder der Rückstand durch Owusu. War das ein Knackpunkt?
Rokko: Es war auf jeden Fall ärgerlich. Gerade vor der Halbzeit willst du eigentlich stabil bleiben. Aber auch da: Wir hatten genug Chancen, um selbst in Führung zu gehen. Und wenn du die nicht nutzt, dann kommt im Fußball oft genau sowas.
Reporter: In der zweiten Halbzeit dann der Ausgleich durch Ould-Chikh. Da hattest du wahrscheinlich wieder Hoffnung, dass das Spiel endlich kippt.
Rokko: Absolut. Wir waren dran, wir hatten das Spiel im Griff, haben uns Chancen erspielt. Ich dachte wirklich: „Jetzt drehen wir das Ding.“
Reporter: Aber wieder geht Telstar in Führung – das 2:3 durch Hetli. Es zieht sich wie ein roter Faden durch das Spiel.
Rokko: Ja, das war wirklich verrückt. Wir investieren so viel, machen Druck, haben Chancen – und dann geht der Gegner wieder in Führung. Das ist mental nicht einfach, aber die Jungs haben es wieder gut angenommen.
Reporter: In der 83. Minute dann das 3:3 durch Zeefuik. War das am Ende eher Erleichterung oder Frust, weil es „nur“ der Ausgleich war?
Rokko: In dem Moment natürlich erstmal Erleichterung. Du willst das Spiel ja nicht verlieren. Aber je länger du danach darüber nachdenkst, desto mehr kommt der Frust. Weil du weißt, dass heute mehr drin war.
Reporter: Wenn man sich die Zahlen anschaut – 5,9 zu 1,7 xG – spricht das eine ziemlich deutliche Sprache.
Rokko: Ja, und genau das ist der Punkt. Wir haben uns so viele klare Chancen erarbeitet, wirklich hochkarätige Dinger dabei. Und wenn du davon nicht mehr Tore machst, dann brauchst du dich am Ende nicht wundern, dass es „nur“ ein Unentschieden wird.
Reporter: Ist das dann ein Thema, das du klar ansprichst, oder schützt du die Mannschaft eher?
Rokko: Ich glaube, man muss da ehrlich sein. Die Jungs wissen das selbst. Ich werde jetzt keinen einzelnen Spieler rauspicken, aber insgesamt müssen wir einfach effizienter werden. Das gehört zum Fußball dazu.
Reporter: Trotzdem – dreimal zurückkommen gegen so einen Gegner, das ist ja auch nicht selbstverständlich.
Rokko: Absolut. Und das ist auch das, was ich positiv mitnehme. Die Mentalität stimmt. Wir geben uns nicht auf, egal wie das Spiel läuft. Das ist eine Qualität, die du brauchst.
Reporter: Würdest du sagen, dass ihr heute die bessere Mannschaft wart?
Rokko: Ja, das würde ich schon so sagen. Über 90 Minuten gesehen waren wir besser, hatten mehr Spielanteile, mehr Chancen. Aber – und das ist eben entscheidend – wir haben es nicht geschafft, das in einen Sieg umzumünzen.
Reporter: Und deshalb fühlt sich das Remis eher wie eine Niederlage an?
Rokko: Genau. Wenn du so ein Spiel machst und am Ende nicht gewinnst, dann tut das weh.
Reporter: Mit etwas Abstand – kannst du dem Punkt trotzdem etwas Positives abgewinnen?
Rokko: Ja, definitiv. Auch wenn es jetzt direkt nach dem Spiel schwerfällt. Gegen so einen starken Gegner einen Punkt zu holen, ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Und vor allem die Art und Weise, wie wir gespielt haben, macht Mut.
Reporter: Was nimmst du konkret mit für die nächsten Spiele?
Rokko: Dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wenn wir diese Leistung regelmäßig abrufen und dazu noch ein bisschen effizienter werden, dann werden wir solche Spiele auch gewinnen.
Reporter: Und ein letztes Wort zum Gegner?
Rokko: Große Anerkennung. Telstar ist eine top Mannschaft, sehr effektiv, sehr unangenehm zu spielen. Ich wünsche meinem Trainerkollegen weiterhin viel Erfolg – die werden noch einige Teams vor Probleme stellen.
Reporter: Rokko, danke dir für das offene Gespräch.
Rokko: Gerne.
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