Credit Suisse Super League, 3 Spieltag, 01.03.2026 10:15:12
Interviewer: Rokko, 6:1 gegen den FC Lugano – und das gegen einen Gegner, der für euch in den letzten Jahren so etwas wie Kryptonit war. Wie fühlt sich dieser Abend an?
Rokko: Es fühlt sich ehrlich gesagt ein bisschen surreal an. Jeder, der uns kennt, weiß, dass Lugano mit ihrem Trainer – neben Bern und deren Coach – unser absolutes Kryptonit ist. Egal, wie gut wir drauf waren, egal, in welcher Phase der Saison wir uns befanden, gegen Lugano war es immer extrem schwer. Deshalb war die Erwartungshaltung intern eher vorsichtig. Wir wussten: Wenn wir hier etwas Zählbares mitnehmen wollen, dann müssen Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen. Und ja, genau so hat es sich heute angefühlt.
Interviewer: Der Start war beeindruckend. 1:0 in der 7. Minute durch Kastriot Imeri. War das der Dosenöffner?
Rokko: Absolut. Gegen so eine Mannschaft ist es enorm wichtig, gut reinzukommen. Wir haben uns vorgenommen, von der ersten Minute an hellwach zu sein, aggressiv gegen den Ball zu arbeiten und sie gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen. Das 1:0 war die perfekte Bestätigung für unseren Matchplan. Kastriot macht das stark, wir spielen es sauber aus, und plötzlich merkst du: Heute geht was.
Interviewer: In der 19. Minute das 2:0 durch Valmir Matoshi, nur sieben Minuten später das 3:0 wieder durch Imeri. Hattest du da schon das Gefühl, dass ihr einen Sahnetag erwischt habt?
Rokko: Ja, spätestens nach dem 3:0. Gegen Lugano ist selbst eine Zwei-Tore-Führung nie eine Garantie. Aber die Art und Weise, wie wir gespielt haben, war beeindruckend. Wir waren unfassbar gut gegen den Ball. Wir haben Räume geschlossen, Zweikämpfe gewonnen, Passwege zugestellt. Und wenn wir den Ball hatten, haben wir sehr flüssig kombiniert. Das war nicht hektisch, nicht zufällig, sondern strukturiert und mit Überzeugung. Die Jungs hatten einen klaren Plan – und haben ihn perfekt umgesetzt.
Interviewer: Kurz vor der Pause erhöht Mattias Käit auf 4:0. Wie wichtig war dieses Tor?
Rokko: Enorm wichtig. Ein 3:0 ist komfortabel, aber ein 4:0 kurz vor der Halbzeit nimmt dem Gegner nochmal zusätzlich den Wind aus den Segeln. Gleichzeitig gibt es dir als Trainer die Möglichkeit, in der Pause nicht nur zu korrigieren, sondern auch zu loben. Und das habe ich getan. Ich habe den Jungs gesagt, dass das wahrscheinlich unsere beste Halbzeit gegen diesen Trainerkollegen war – vielleicht sogar die beste überhaupt.
Interviewer: Was hat euch heute defensiv so stark gemacht?
Rokko: Die Disziplin. Jeder hat für den anderen gearbeitet. Unsere Abstände waren gut, wir haben als Kollektiv verschoben und waren extrem wach in den Umschaltmomenten. Lugano lebt davon, dass sie dich mit Tempo und individueller Klasse bestrafen. Aber wir haben sehr, sehr wenig zugelassen. Und selbst wenn mal eine Situation brenzlig wurde, war da sofort jemand zur Stelle. Das war mannschaftliche Geschlossenheit in Reinform.
Interviewer: In der 59. Minute dann das 4:1 durch Claudio Cassano. Gab es da kurz Zweifel?
Rokko: Natürlich geht dir kurz durch den Kopf: Bitte jetzt nicht nochmal spannend machen. Gerade weil wir wissen, was Lugano für eine Qualität hat. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass wir nervös wurden. Im Gegenteil. Die Reaktion war stark. Nur drei Minuten später macht Valmir das 5:1. Das war im Grunde die endgültige Entscheidung.
Interviewer: Und trotzdem habt ihr bis zum Ende weitergespielt. 6:1 in der 86. Minute durch Leonardo Bertone.
Rokko: Das war mir wichtig. Wir wollten nicht nur verwalten. Wir wollten zeigen, dass wir heute hungrig sind – bis zur letzten Minute. Leo belohnt sich da für ein starkes Spiel. Und das 6:1 spiegelt am Ende auch die Dominanz wider, die wir über weite Strecken hatten.
Interviewer: Du hast vorhin gesagt, es sei vielleicht das beste Spiel gegen diesen Trainerkollegen gewesen. Was macht diesen Sieg so besonders?
Rokko: Die Kombination aus Gegner, Spielverlauf und Leistung. Wir sprechen hier von einer Mannschaft, die uns in der Vergangenheit regelmäßig Probleme bereitet hat. Und nicht nur knapp, sondern oft sehr deutlich. Dass wir heute nicht nur gewinnen, sondern in dieser Höhe gewinnen, das ist schon etwas Besonderes. Vor allem, weil es nicht glücklich war. Es war absolut verdient.
Interviewer: War das taktisch dein Meisterstück?
Rokko: Meisterstück klingt immer so groß. Aber ich glaube, wir haben heute vieles richtig gemacht. Wir haben ihre Stärken analysiert, Lösungen gefunden und den Jungs klare Vorgaben mitgegeben. Entscheidend ist aber immer die Umsetzung. Und die war heute herausragend. Wenn eine Mannschaft einen Plan nicht nur versteht, sondern mit voller Überzeugung lebt, dann entstehen solche Spiele.
Interviewer: Wie groß ist der Stolz nach so einem Abend?
Rokko: Riesig. Wirklich. Ich bin einfach nur stolz auf die Mannschaft. Nicht nur wegen der Tore, sondern wegen der Haltung. Wegen der Intensität. Wegen der Bereitschaft, für den Mitspieler zu laufen. Diese drei Punkte waren absolut nicht eingeplant. Und genau deshalb fühlen sie sich so gut an.
Interviewer: Welche Bedeutung hat dieser Sieg für den weiteren Saisonverlauf?
Rokko: Er gibt uns Selbstvertrauen. Aber wir dürfen ihn nicht überbewerten. Es sind drei Punkte – mehr nicht. Natürlich sendet ein 6:1 gegen Lugano ein Signal. Aber entscheidend ist, dass wir diese Mentalität mitnehmen. Dass wir verstehen: Wenn wir so auftreten, können wir jeden schlagen.
Interviewer: Was sagst du deinem Trainerkollegen nach so einem Spiel?
Rokko: Großen Respekt. Auch wenn das Ergebnis deutlich ist, weiß ich, wie stark seine Mannschaft ist. Ich schätze ihn sehr, fachlich wie menschlich. Heute waren wir besser, das muss man so sagen. Aber ich bin sicher, dass wir uns auch in Zukunft wieder auf Augenhöhe begegnen werden.
Interviewer: Und jetzt?
Rokko: Jetzt genießen wir den Moment. So ein Abend kommt nicht oft, vor allem nicht gegen diesen Gegner. Aber ab morgen gilt wieder der Fokus auf das nächste Spiel. Wir haben heute gezeigt, wozu wir fähig sind. Jetzt geht es darum, dieses Niveau so oft wie möglich abzurufen.
Interviewer: Danke für deine Zeit.
Rokko: Sehr gerne. Und nochmal: Ich bin unfassbar stolz auf die Jungs. Heute hat wirklich alles gepasst.
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