
Reporter: Rokko, 2:6 auswärts in Molde – das klingt deutlich. War es das auch?
Rokko: Ja, das Ergebnis ist deutlich, keine Frage. Wenn man sich aber den Spielverlauf anschaut, dann fühlt es sich ein bisschen besser an, als es das nackte Ergebnis aussagt. Am Ende ist es eine verdiente Niederlage, da brauchen wir nicht drum herumreden – aber vielleicht ein, zwei Tore zu hoch. Trotzdem: Glückwunsch an Molde, das war schon eine richtig starke Vorstellung.
Reporter: Du hast es angesprochen – ihr wart zu Gast beim Ligaprimus, beim Serienmeister. Wie besonders war dieses Spiel für dich auch persönlich?
Rokko: Sehr besonders. Zum einen natürlich sportlich, weil du dich mit den Besten messen willst. Aber auch persönlich, weil ich gegen Kevin gespielt habe – wir kennen uns ja schon gefühlt ewig, auch durch unsere gemeinsame Podcastzeit. Das macht solche Spiele immer nochmal ein Stück spezieller. Ein Mitternachtskick in Norwegen, Flutlicht, starker und sympathischer Gegner – das hat schon was.
Reporter: Kommen wir zum Spiel: Der Start war alles andere als optimal. Nach 14 Minuten steht es schon 0:2. Was ist da passiert?
Rokko: Wir haben die Anfangsphase komplett verpennt, muss man ehrlich sagen. Molde war direkt hellwach, hat Druck gemacht, und wir waren einfach nicht richtig im Spiel. Zwei schnelle Tore durch Gulbrandsen – und du läufst sofort hinterher. Das ist natürlich das Worst-Case-Szenario gegen so eine Mannschaft.
Reporter: Kann man sagen, dass das Spiel da schon in eine Richtung gelenkt wurde?
Rokko: Auf jeden Fall. Gegen ein Team wie Molde willst du eigentlich lange die Null halten, Sicherheit gewinnen, vielleicht selbst Nadelstiche setzen und in Führung gehen. Wenn du dann so früh zwei Gegentore bekommst, wird es extrem schwierig.
Reporter: Trotzdem habt ihr euch danach stabilisiert. In der ersten Halbzeit kam dann auch der Anschlusstreffer durch Bojadžic.
Rokko: Genau, und das war wichtig. Nach dem 0:3 war die Gefahr da, dass es komplett auseinanderläuft. Aber wir haben uns gefangen, haben besser ins Spiel gefunden und konnten dann auch eigene Akzente setzen. Das Tor kurz vor der Pause hat uns wieder ein bisschen Hoffnung gegeben.
Reporter: Hattest du in der Halbzeit das Gefühl, dass da noch was gehen könnte?
Rokko: Ja, tatsächlich. Ich habe den Jungs gesagt: „Wir sind drin im Spiel, wenn wir so weitermachen.“ Wir hatten das Gefühl, dass Molde zwar sehr stark ist, aber nicht unverwundbar.
Reporter: Und genau das hat man dann in der zweiten Halbzeit gesehen. Ihr kommt auf 2:3 ran – plötzlich war wieder alles offen.
Rokko: Absolut. Das war wahrscheinlich unsere beste Phase im Spiel. Wir haben Druck gemacht, waren mutiger, haben uns Chancen erspielt. In dem Moment hatte ich wirklich das Gefühl: „Vielleicht geht hier noch was.“
Reporter: Was hat sich im Vergleich zur Anfangsphase verändert?
Rokko: Wir waren einfach präsenter. Besser in den Zweikämpfen, klarer im Spiel nach vorne, der Ball lief flüssiger. Und wir haben uns mehr zugetraut. In der ersten Viertelstunde waren wir fast ein bisschen zu ehrfürchtig, danach haben wir gemerkt, dass wir phasenweise mithalten können.
Reporter: Trotzdem kippt das Spiel am Ende wieder deutlich in Richtung Molde. Ab der 80. Minute fallen noch drei Tore. Was ist da passiert?
Rokko: Da hat sich dann die Qualität von Molde gezeigt. Wenn du gegen so eine Mannschaft aufmachst, um vielleicht noch den Ausgleich zu holen, entstehen Räume – und die nutzen sie gnadenlos. Eriksen hat das dann richtig gut gemacht, drei Tore in kurzer Zeit. Das ist dann eben der Unterschied auf diesem Niveau.
Reporter: Würdest du sagen, dass ihr da zu viel Risiko gegangen seid?
Rokko: Vielleicht, aber das gehört dazu. Wenn du 2:3 hinten liegst, willst du den Ausgleich. Da gehst du automatisch mehr Risiko. Dass es dann am Ende so deutlich wird, ist natürlich ärgerlich, aber ich würde den Jungs da keinen Vorwurf machen.
Reporter: Wenn du das Spiel in zwei Teile aufteilen müsstest – Anfangsphase und der Rest – wie würdest du das bewerten?
Rokko: Die Anfangsphase war klar unser größtes Problem. Da haben wir das Spiel ein Stück weit hergeschenkt. Danach war es deutlich besser, da konnten wir mithalten, teilweise sogar Druck aufbauen. Aber gegen Molde reicht es eben nicht nur eine gute Halbzeit zu spielen.
Reporter: Was nimmst du aus diesem Spiel mit?
Rokko: Eine Menge. Zum einen, dass wir gegen Topteams stellenweise mithalten können. Das ist wichtig für das Selbstvertrauen. Zum anderen aber auch, dass wir von der ersten Minute an da sein müssen und auch bis zum Schluss. Solche Fehler am Anfang, oder auch am Ende, werden auf diesem Niveau sofort bestraft.
Reporter: Trotz der Niederlage wirkst du relativ gefasst.
Rokko: Ja, weil ich das Spiel einordnen kann. Klar, verlieren ist nie schön. Aber wir haben gegen den aktuell stärksten Gegner der Liga gespielt. Und wir haben gezeigt, dass wir uns nicht komplett verstecken müssen.
Reporter: Wie sehr hat dir das Spiel auch Spaß gemacht – unabhängig vom Ergebnis?
Rokko: Sehr. Wirklich. Solche Spiele sind genau der Grund, warum man das macht. Starker Gegner, besondere Atmosphäre, dazu noch gegen einen guten Wegbegleiter – das macht einfach Spaß.
Reporter: Apropos Wegbegleiter – was sagst du zu Kevin und seiner Mannschaft?
Rokko: Einfach stark. Molde ist nicht umsonst da oben. Sie haben Qualität, sind effizient und wissen genau, was sie tun. Und Kevin macht da einen richtig guten Job. Ich freue mich immer, gegen ihn zu spielen – auch wenn es heute nicht zu unseren Gunsten ausgegangen ist.
Reporter: Was gibst du ihm mit auf den Weg?
Rokko: Einfach so weitermachen. Ich wünsche ihm natürlich viel Erfolg für den weiteren Verlauf. So wie sie aktuell spielen, werden sie schwer zu stoppen sein.
Reporter: Und zum Abschluss: Wie blickst du jetzt auf die kommenden Spiele?
Rokko: Positiv. Wir haben heute trotz der Niederlage Dinge gesehen, auf die wir aufbauen können. Wenn wir die Fehler abstellen und die guten Phasen länger durchziehen, dann werden wir auch wieder Punkte holen.
Reporter: Rokko, danke dir für das offene Gespräch!
Rokko: Sehr gerne.
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