Eredivisie, 21 Spieltag, 13.05.2026 10:22:03
Dirk große Schlarmann: Rokko, wenn man nur das Ergebnis liest – 7:1 auswärts, dann denkt man erstmal: „Okay, Almelo ist da komplett drübergerollt.“ Aber ich hab dich eben unten schon sagen hören: „So deutlich war das eigentlich gar nicht.“ Erklär uns das mal.
Rokko: Ja, weil ich wirklich finde, dass das Ergebnis das Spiel nicht richtig widerspiegelt. Natürlich klingt ein 7:1 brutal deutlich, da brauchen wir nicht drum herumreden. Aber gerade die erste halbe Stunde war das ein total enges Spiel. Bis zum 3:0 war das aus meiner Sicht komplett offen. Beide Mannschaften hatten ihre Momente, beide hatten gute Ballbesitzphasen. Wir waren vielleicht etwas effizienter, aber nicht klar überlegen.
Dirk große Schlarmann: Das überrascht doch bei diesem Resultat.
Rokko: Ja, klar. Aber Fußball ist manchmal einfach komisch. Du hast Spiele, die enden 1:1 und eine Mannschaft hätte eigentlich 5:1 gewinnen müssen. Und heute war es ein bisschen andersrum. Wir nutzen unsere Chancen brutal konsequent und irgendwann entwickelt das Spiel dann eine Eigendynamik.
Dirk große Schlarmann: Gerade diese Phase zwischen der 22. und 27. Minute war ja schon heftig. Zwei Tore von Zeefuik, dazwischen Ould-Chikh – plötzlich steht’s 3:0.
Rokko: Genau. Und das war eben der Knackpunkt. Vorher war das wirklich eng. Missable und seine Mannschaft haben das richtig gut gemacht. Die Spiele gegen ihn sind eigentlich immer unangenehm. Egal wie die Ergebnisse am Ende aussehen – du musst dir gegen ihn alles hart erarbeiten. Deshalb war uns vorher schon klar, dass das heute kein Spaziergang wird.
Dirk große Schlarmann: Was macht diese Duelle gegen ihn denn so schwierig?
Rokko: Ich finde, seine Mannschaften sind immer extrem diszipliniert. Sie haben klare Abläufe, verteidigen gut und schaffen es oft, dich aus deinem Rhythmus zu bringen. Und genau das ist heute anfangs auch passiert. Wir hatten zwar Ballbesitz, aber kamen nicht direkt in unsere gefährlichen Räume. Er dagegen kam teils spielend ins letzte Drittel und hatte einfach beim letzte Pass, oder auch beim Abschluss, Pech.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem wirkt es momentan so, als würdet ihr irgendwann immer Lösungen finden.
Rokko: Ja, und das freut mich aktuell am meisten. Dass wir geduldig bleiben. Früher hatten wir manchmal Spiele, in denen wir dann hektisch wurden, wenn es nicht sofort lief. Jetzt bleiben die Jungs ruhig. Sie vertrauen den Abläufen und glauben daran, dass die Räume irgendwann aufgehen.
Dirk große Schlarmann: Und wenn sie aufgehen, dann wird’s bei euch aktuell oft direkt gefährlich.
Rokko: Ja, offensiv läuft es momentan natürlich sehr gut. Aber das ist eben auch viel Arbeit. Die Jungs investieren extrem viel. Die Laufwege stimmen, die Abstimmung wird besser, das Timing passt immer häufiger. Das kommt nicht einfach von alleine.
Dirk große Schlarmann: Lass uns kurz über Zeefuik sprechen. 34 Saisontore mittlerweile – und heute wieder ein richtig starker Auftritt.
Rokko: Ja, brutal wichtige Entwicklung bei ihm. Und ich freue mich wirklich für ihn. Gerade weil wir intern ja auch immer wieder darüber gesprochen haben, dass er noch effizienter werden kann. Er bringt so viele Voraussetzungen mit, ist körperlich unglaublich präsent und wird jetzt auch vor dem Tor immer klarer in seinen Aktionen.
Dirk große Schlarmann: Was mir bei euch auffällt: Es sind nie nur ein oder zwei Spieler. Heute treffen wieder mehrere. Das wirkt alles sehr variabel.
Rokko: Ja, und genau das macht uns aktuell vielleicht auch schwer ausrechenbar. Natürlich hast du Spieler, die häufiger im Fokus stehen, aber wir wollen nie abhängig von einem Einzelnen sein. Heute trifft Hrustic doppelt (der nur gespielt hat aufgrund einer Sperre) Engels macht wieder sein Tor, Walid ist gefährlich – das verteilt sich momentan ganz gut.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem versuchst du immer wieder ein bisschen auf die Bremse zu treten. Obwohl die Zahlen inzwischen schon echt beeindruckend sind.
Rokko: Ja, weil wir realistisch bleiben wollen. Natürlich sieht das aktuell gut aus. Die Tabelle liest sich schön, die Ergebnisse sind stark. Aber wir wissen eben auch, dass jetzt richtig schwere Wochen kommen.
Dirk große Schlarmann: Du sprichst Feyenoord und Groningen an?
Rokko: Genau. Das sind Mannschaften, bei denen du nicht einfach automatisch Punkte einplanst. Gerade Feyenoord gehört für mich zu den absoluten Topteams der Liga. Da brauchst du nahezu einen perfekten Tag, um etwas mitzunehmen. Und Groningen ist für mich sowieso eine Mannschaft, die oft ein bisschen unterschätzt wird und das obwohl sie unter Kalongo bereits eine Meisterschaft gefeiert haben - die haben brutal viel Qualität.
Dirk große Schlarmann: Ist das vielleicht jetzt die spannendste Phase für euch? Weil man langsam merkt, dass aus einem guten Saisonstart mehr werden könnte?
Rokko: Ja, wahrscheinlich schon. Aber genau deshalb müssen wir jetzt besonders aufpassen. Es ist leicht, ruhig zu bleiben, wenn du Spiele gewinnst. Die wahre Herausforderung kommt oft erst dann, wenn du mal wieder schwierige Wochen hast.
Dirk große Schlarmann: Wie sehr beschäftigt dich das als Trainer?
Rokko: Ich glaube, dass Konstanz im Fußball das Schwierigste überhaupt ist. Nicht dieses eine große Spiel, nicht dieses eine 7:1 – sondern Woche für Woche da zu sein. Das trennt am Ende gute von sehr guten Mannschaften.
Dirk große Schlarmann: Und wo ordnest du euch aktuell ein?
Rokko: Irgendwo dazwischen. Nein, im Ernst: Wir sind auf einem guten Weg, aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Das klingt vielleicht langweilig, aber ich meine das wirklich so. Wir haben uns entwickelt, definitiv. Aber die kommenden Spiele werden zeigen, wie weit wir wirklich sind.
Dirk große Schlarmann: Hat sich die Erwartungshaltung intern verändert?
Rokko: Natürlich spricht man inzwischen anders miteinander als noch ganz am Anfang der Saison. Wenn du konstant punktest, entsteht automatisch mehr Selbstvertrauen. Aber wir versuchen trotzdem, nicht abzuheben. Dafür kennen wir den Fußball (oder Fifa ^^) zu gut.
Dirk große Schlarmann: Noch ein Wort zu deinem Trainerkollegen heute?
Rokko: Sehr gerne. Wie gesagt: Das Ergebnis spiegelt das Spiel aus meiner Sicht nicht richtig wider. Missable ist ein richtig guter Trainerkollege und seine Mannschaft kann absolut mithalten. Deshalb wünsche ich ihm wirklich nur das Beste für die kommenden Wochen. Solche Spiele gibt es manchmal einfach.
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk!
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