Eliteserien, 25 Spieltag, 13.05.2026 11:51:09
Dirk große Schlarmann: Rokko, 4:1 gegen Haugesund. Du hast direkt nach Abpfiff gesagt: „Das war genau das Spiel, das wir erwartet haben, nur dass wir es früh auf unsere Seite gezogen haben.“ Was meinst du damit?
Rokko: Ja, weil ich finde, das Ergebnis erklärt sich nur über diese Anfangsphase. Wenn du nach fünf Minuten 1:0 führst durch Scriven, dann nach 13 Minuten das 2:0 durch Moreira nachlegst, dann veränderst du ein Spiel komplett. Das war kein Zufall, sondern genau das, was wir uns vorgenommen haben: aktiv reinkommen, Druck erzeugen, den Gegner sofort beschäftigen. Und das ist uns heute extrem gut gelungen.
Dirk große Schlarmann: Man hatte aber trotzdem kurz das Gefühl, Haugesund kommt zurück ins Spiel – gerade mit dem 2:1 in der 17. Minute.
Rokko: Absolut, und das ist auch die Phase, die ich am ehesten kritisch sehe, wenn ich überhaupt etwas kritisch sehen will. Wir haben nach dem 2:0 einen Moment gehabt, wo wir ein bisschen zu passiv waren. Haugesund ist eine Mannschaft, die unter ihrem neuen Trainer MichaelOlise wirklich gut organisiert ist. Das war uns vorher klar. Die Teams von dem Trainer haben nicht umsonst so überdurchschnittlich gute Ergebnisse in den letzten Wochen gehabt. Und genau in so einer Phase bestrafen sie dich dann sofort.
Dirk große Schlarmann: Das heißt, ihr wart gewarnt?
Rokko: Sehr. Wir haben den Trainer natürlich analysiert, und man sieht sofort, dass da klare Ideen drin sind. Umschalten, Mut im Ballbesitz, sehr stark im Dribbling, kompakte Staffelung gegen den Ball – das ist schon richtig gut. Deshalb war uns klar: Wenn wir denen Raum geben, wird es unangenehm. Aber genau das haben wir nach dem 2:1 schnell wieder korrigiert.
Dirk große Schlarmann: Und dann kam relativ schnell das 3:1 durch Sødal.
Rokko: Genau, und das war dann der Knackpunkt im Spiel. Dieses Tor in der 21. Minute hat uns wieder komplett stabilisiert. Wir haben danach viel ruhiger gespielt, bessere Abstände gehabt und das Zentrum besser kontrolliert. Das war wichtig, weil Haugesund vorher kurz dabei war, das Spiel zu öffnen.
Dirk große Schlarmann: Und mit dem 4:1 durch Strunck in der 35. Minute war die Partie dann im Prinzip durch.
Rokko: Ja, aber auch da muss man sagen: Das war kein Zufallstor oder so. Das war eine Phase, in der wir den Gegner richtig eingeschnürt haben. Viele Ballgewinne, gute Bewegungen, klare Struktur im letzten Drittel. Da hat man gesehen, dass die Mannschaft aktuell sehr gut zusammenarbeitet.
Dirk große Schlarmann: Wenn man auf den Spielverlauf schaut, wirkt es fast so, als hättet ihr Haugesund phasenweise dominiert.
Rokko: Ich würde sagen: Ja, aber mit Phasen dazwischen, in denen wir eben nicht sauber genug waren. Und genau das ist der Punkt, an dem wir als Team noch wachsen müssen. Wir können Spiele kontrollieren, wir können dominant sein – aber wir müssen diese kleinen Momente noch besser managen. Das 2:1 war so ein Moment.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem ist es ein deutlicher Sieg gegen einen Trainer, der vorher sehr stabil wirkte.
Rokko: Ja, und das zeigt auch, dass wir uns entwickelt haben. Ich finde, man sieht bei uns in dieser Saison insgesamt eine klare Linie. Wir sind strukturierter, wir sind klarer in unseren Abläufen, und wir sind vor allem in der Lage, Spiele früh auf unsere Seite zu ziehen.
Dirk große Schlarmann: Wenn du auf die Saison insgesamt schaust – ist das so ein bisschen über Erwartung?
Rokko: Ja, definitiv. Wir haben intern schon gehofft, dass wir Schritte machen, aber dass wir so stabil punkten und solche Spiele so klar gestalten können, das war nicht selbstverständlich. Wir sind noch nicht am Ende der Entwicklung, aber wir sind auf einem sehr guten Weg.
Dirk große Schlarmann: Man merkt aber auch, dass du sehr vorsichtig bleibst in der Bewertung.
Rokko: Das ist notwendig. Weil wir wissen, wo wir herkommen. Und wir wissen auch, dass es in dieser Liga sehr schnell in die andere Richtung gehen kann. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht anfangen, uns auf Ergebnissen auszuruhen.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem kommt jetzt eine Phase, die es in sich hat. Erst das Rückspiel gegen Molde – und dann Molde im Pokal.
Rokko: Genau, und das sind zwei völlig unterschiedliche Aufgaben. Molde wird im Rückspiel natürlich wieder alles geben und versuchen, uns das Leben erneut schwer zu machen und die drei Punkte mitzunehmen. Und Molde im Pokal ist sowieso ein anderes Level, da Kevin unfassbar stark in diesen KO-Wettbewerben ist.
Dirk große Schlarmann: Da geht man als Außenseiter rein.
Rokko: Absolut. Und das ist auch völlig okay so. Molde ist in vielen Bereichen die Benchmark in dieser Liga. Da musst du ehrlich sein: In neun von zehn Spielen wirst du da wahrscheinlich nichts holen. Aber genau das ist auch der Reiz. Du gehst da nicht rein, um irgendwas zu verwalten, sondern um alles rauszuhauen, was du hast.
Dirk große Schlarmann: Ist das für dich als Trainer auch eine besondere Herausforderung?
Rokko: Ja, weil du diese Spiele anders vorbereiten musst. Du kannst nicht erwarten, dass du dominant bist. Du musst andere Lösungen finden, andere Momente nutzen, extrem kompakt verteidigen und gleichzeitig mutig bleiben, wenn du den Ball hast. Das ist eine ganz andere Art von Spiel.
Dirk große Schlarmann: Heute hat man aber eher das Gefühl gehabt, dass ihr genau diese Balance schon gut gefunden habt.
Rokko: Ja, heute war das sehr gut. Vor allem in der Phase nach dem 3:1 haben wir das Spiel sehr kontrolliert runtergespielt. Das ist etwas, das wir nicht immer so sauber gemacht haben. Heute war da eine gewisse Ruhe drin.
Dirk große Schlarmann: Und offensiv wirkt es sehr variabel.
Rokko: Ja, weil wir nicht mehr nur über eine Struktur kommen. Wir haben verschiedene Spieler, die Tore erzielen können, verschiedene Wege, gefährlich zu werden. Das macht uns schwerer ausrechenbar.
Dirk große Schlarmann: Rokko, danke dir.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk.
4
2
1
0