Eliteserien, 11 Spieltag, 14.04.2026 15:09:56
Dirk große Schlarmann: Rokko, wenn man nur auf das Ergebnis schaut, könnte man meinen, ein sauberer 2:0 Sieg, der nie gefährdet war. Aber wenn man sich den Spielverlauf anschaut, dann war das ja eher ein echtes Geduldsspiel. Wie hast du die 90 Minuten erlebt?
Rokko: Genau so, wie du es beschreibst. Das war heute alles andere als ein typisches 2:0-Spiel, wo du früh in Führung gehst und das Ding dann irgendwie runterspielst. Das war über weite Strecken ein absolutes Taktikspiel, sehr eng, sehr diszipliniert von beiden Seiten. Ich glaube, jeder, der das gesehen hat, wusste relativ schnell: Hier wird heute nicht viel passieren vor den Toren. Umso schöner ist es natürlich, dass wir uns am Ende noch belohnen konnten.
Dirk große Schlarmann: Du sprichst es an – es war wirklich wenig los in den Strafräumen. War das so zu erwarten gegen Rosenborg?
Rokko: Ja, schon. Wir kennen den Trainerkollegen ja noch aus der letzten Saison, damals in Polen. Da waren die Spiele auch schon sehr intensiv, sehr strukturiert, wenig Räume - damals allerdings mit mehr Toren. Und genau das haben wir heute wieder gesehen. Beide Mannschaften waren extrem gut organisiert, haben kaum etwas zugelassen. Das war schon auf einem richtig guten taktischen Niveau, muss man sagen.
Dirk große Schlarmann: Wenn man es ein bisschen zuspitzt: War das heute mehr Schach als Fußball?
Rokko: (lacht) Ja, ein Stück weit schon. Es ging viel darum, keine Fehler zu machen, die Räume eng zu halten, immer wieder gut zu verschieben. Es war jetzt kein Spiel mit 20 Torchancen auf beiden Seiten, sondern eher eines, wo du auf den einen Moment wartest. Und lange sah es ja auch so aus, als würde dieser Moment gar nicht kommen.
Dirk große Schlarmann: Zur Halbzeit steht es 0:0 – folgerichtig, wenn man den Spielverlauf betrachtet?
Rokko: Absolut. Das war ein klassisches 0:0 zur Pause. Beide Mannschaften haben defensiv sehr sauber gearbeitet. Ich glaube, wir hatten minimal mehr Ballbesitz, aber daraus ist wenig Zwingendes entstanden. Rosenborg hatte im Prinzip auch keine nennenswerte Chance. Es war sehr ausgeglichen.
Dirk große Schlarmann: Was hat dir an deiner Mannschaft in dieser Phase besonders gefallen?
Rokko: Die Disziplin. Wirklich. Wie wir gegen den Ball gearbeitet haben, wie wir die Räume zugemacht haben – das war schon sehr, sehr ordentlich. Und wenn man sich das im Nachgang anschaut: Wir haben keinen einzigen Torschuss zugelassen. Das ist schon stark gegen so eine Mannschaft. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Dirk große Schlarmann: Gleichzeitig nach vorne aber auch überschaubar, oder?
Rokko: Ja, das gehört zur Wahrheit dazu. Wir haben uns schwergetan, klare Chancen herauszuspielen. Rosenborg hat das defensiv auch sehr gut gemacht. Da musst du dir jeden Meter hart erarbeiten. Wir hatten ein paar Ansätze, aber nichts, wo du sagst: Das muss jetzt zwingend ein Tor sein.
Dirk große Schlarmann: In der zweiten Halbzeit ein ähnliches Bild. Hattest du irgendwann das Gefühl, dass ein Tor dieses Spiel entscheiden wird?
Rokko: Ja, definitiv. Das war so ein typisches Spiel, wo du weißt: Wer hier das erste Tor macht, wird es wahrscheinlich gewinnen. Weil einfach so wenig passiert und beide Mannschaften so stabil stehen. Und lange Zeit hatte man eher das Gefühl, es bleibt beim 0:0.
Dirk große Schlarmann: Und dann kommt die 89. Minute. Moreira macht das 1:0. Was geht da in dir vor?
Rokko: Pure Erleichterung, ehrlich gesagt. Du investierst über das ganze Spiel so viel, arbeitest gegen den Ball, bleibst geduldig – und dann wirst du endlich belohnt. Das war ein richtig guter Moment für uns. Und auch verdient, weil wir bis dahin einfach sehr konzentriert gearbeitet haben.
Dirk große Schlarmann: Und kaum hat man sich davon erholt, fällt in der Nachspielzeit noch das 2:0 durch Scriven.
Rokko: Genau, das war dann natürlich perfekt. Da merkt man dann auch, dass beim Gegner die Ordnung ein bisschen verloren geht, weil sie nochmal alles nach vorne werfen. Und wir nutzen das dann gut aus. Das gibt dir dann natürlich Sicherheit, weil du weißt: Jetzt ist das Ding durch.
Dirk große Schlarmann: Wenn man das Spiel über 90 Minuten bewertet – ist der Sieg verdient?
Rokko: Ich würde sagen, ja, aber knapp. Es war kein Spiel, wo wir haushoch überlegen waren. Aber wir haben defensiv nahezu perfekt gearbeitet und uns am Ende die entscheidenden Momente erspielt. Deshalb geht der Sieg schon in Ordnung, auch wenn es lange nach einem 0:0 gerochen hat.
Dirk große Schlarmann: Du hast es angesprochen: Kein einziger Torschuss für Rosenborg. Das ist schon eine Ansage.
Rokko: Ja, das ist etwas, worauf wir wirklich stolz sein können. Gerade gegen so einen Gegner. Das zeigt, wie gut die Mannschaft gegen den Ball gearbeitet hat. Jeder war fokussiert, jeder hat seine Aufgabe erfüllt. Das ist die Basis für solche Spiele.
Dirk große Schlarmann: Wie bewertest du die Leistung deines Trainerkollegen?
Rokko: Sehr gut, wirklich. Seine Mannschaft war top eingestellt. Das war, wie gesagt, ein Spiel auf Augenhöhe. Es hätte auch gut und gerne 0:0 ausgehen können. Ich habe großen Respekt davor, wie er seine Mannschaft organisiert. Normalerweise stehen meine Jungs hinten nicht so geordnet (schmunzelt), dann erspielt er sich sicher einige Torchancen - heute war in dieser Hinsicht einfach ein perfekter Tag unsererseits. Ich bin mir sicher, dass sie in den nächsten Spielen ihre Punkte holen werden.
Dirk große Schlarmann: Wenn man das jetzt einordnet – was bedeutet dieser Sieg für euch?
Rokko: Er ist extrem wichtig. Nicht nur wegen der drei Punkte, sondern auch für das Gefühl. Solche Spiele, die so eng sind, musst du erstmal gewinnen. Und wenn du das schaffst, gibt dir das Selbstvertrauen. Gerade weil wir wissen, dass wir auch solche taktischen Spiele für uns entscheiden können.
Dirk große Schlarmann: Ist das vielleicht sogar ein Zeichen von Reife?
Rokko: Ja, ich glaube schon. Früher hätten wir so ein Spiel vielleicht nicht gewonnen, sondern wären mit einem 0:0 rausgegangen oder hätten vielleicht sogar noch ein Gegentor kassiert. Dass wir jetzt bis zum Ende dranbleiben und uns belohnen, zeigt, dass die Mannschaft sich entwickelt.
Dirk große Schlarmann: Wie geht es jetzt weiter für euch?
Rokko: Wir bleiben bei uns. Wir analysieren das Spiel, nehmen die positiven Dinge mit und schauen, wo wir uns noch verbessern können. Gerade im Offensivspiel haben wir noch Luft nach oben, das ist klar. Aber die Basis stimmt, und darauf können wir aufbauen. Auch verrückt das so zu sagen, wo normalerweise die Offensive super ist und wir hinten Luft nach oben haben.
Dirk große Schlarmann: Letzte Frage, Rokko: Was nimmst du persönlich aus diesem Spiel mit?
Rokko: Dass Geduld im Fußball extrem wichtig ist. Du kannst nicht jedes Spiel früh entscheiden. Manchmal musst du einfach dranbleiben, arbeiten, konzentriert bleiben – und dann kommt vielleicht dieser eine Moment. Und genau den haben wir heute genutzt.
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk! Und meinem Trainerkollegen noch viel Erfolg weiterhin! Dieses Spiel machte Lust auf mehr - ergo, große Vorfreude für das Rückspiel mein Bester.
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