Eredivisie, 32 Spieltag, 13.05.2026 10:41:26
Dirk große Schlarmann: Rokko, wenn man das Ergebnis liest – 7:1 bei Ajax verloren – dann denkt wahrscheinlich erstmal jeder: „Das war eine komplette Machtdemonstration.“ Aber ich hab dich eben unten schon sagen hören: „So schlimm wie das Ergebnis war’s eigentlich nicht.“ Wie meinst du das?
Rokko: Ja, weil ich wirklich finde, dass dieses Ergebnis das Spiel nicht komplett widerspiegelt. Natürlich müssen wir die Niederlage annehmen, da brauchen wir nicht drum herumreden. Ajax hat am Ende verdient gewonnen, definitiv. Aber bis zum 3:1 waren wir aus meiner Sicht absolut auf Augenhöhe. Vielleicht sogar die Mannschaft mit etwas mehr Kontrolle im Spiel. Und genau das macht das Ergebnis am Ende natürlich umso bitterer.
Dirk große Schlarmann: Das überrascht wahrscheinlich viele bei sieben Gegentoren.
Rokko: Klar. Aber Fußball ist manchmal verrückt. Du kannst Spiele verlieren, obwohl du über weite Strecken gut drin bist. Und genau so hat sich das heute angefühlt. Wir haben eigentlich ordentlich angefangen, hatten Ballbesitz, hatten Kontrolle, haben Ajax nicht komplett ins Rollen kommen lassen. Aber wir verteidigen manche Situationen einfach brutal schlecht.
Dirk große Schlarmann: Du sprichst diese beiden Szenen vor dem 3:1 an?
Rokko: Unter anderem, ja. Das ärgert mich ehrlich gesagt am meisten. Das sind keine überragend herausgespielten Tore gewesen, sondern Situationen, die wir eigentlich längst geklärt hatten. Ein unnötiger Einwurf zum Gegner, eine Ecke, die schon bereinigt war – und plötzlich klingelt’s. Gegen Ajax wirst du für solche Fehler halt brutal bestraft.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem hattest du bis zum 3:1 das Gefühl, dass da heute wieder etwas gehen könnte? Immerhin habt ihr Ajax zuletzt in Liga und Pokal geschlagen.
Rokko: Ja, definitiv. Und ich glaube, genau deshalb ist die Niederlage heute auch etwas frustrierend. Weil wir gesehen haben, dass wir grundsätzlich mithalten können. Wir wollten Fußball spielen, wir wollten mutig auftreten – und das haben wir phasenweise auch wirklich gut gemacht.
Dirk große Schlarmann: Dann kommt das 3:1 kurz vor der Pause. War das so ein mentaler Knackpunkt?
Rokko: Ja, schon ein bisschen. Weil du dir eigentlich denkst: „Mensch, wir sind gut drin, wir machen vieles ordentlich.“ Und dann gehst du trotzdem mit zwei Toren Rückstand in die Halbzeit. Das war schon bitter. Trotzdem hatten wir in der Kabine eigentlich noch das Gefühl, dass wir zurückkommen können.
Dirk große Schlarmann: Aber direkt nach der Pause wurde Ajax dann deutlich stärker.
Rokko: Genau. Und da muss man dann auch ehrlich sein: In dieser Phase war Ajax einfach besser. Sie haben das Tempo erhöht, sie waren klarer in ihren Aktionen und wir haben defensiv nicht mehr die Stabilität gehabt. Da hast du dann auch gemerkt, warum diese Mannschaft aktuell das Feld von hinten aufrollt.
Dirk große Schlarmann: Was mich interessiert: Ist das dann eher frustrierend, weil man merkt, dass man eigentlich mithalten kann – oder motivierend?
Rokko: Beides. Natürlich bist du erstmal enttäuscht, wenn du sieben Gegentore kassierst. Das fühlt sich nie gut an. Aber gleichzeitig nehme ich aus solchen Spielen auch Dinge mit. Und zwar nicht nur negative. Wir haben bis zu einem gewissen Punkt gezeigt, dass wir auch gegen solche Mannschaften Fußball spielen können. Das Problem war heute nicht, dass wir komplett unterlegen waren – das Problem war, dass wir defensiv zu viele Fehler gemacht haben und offensiv nicht effizient genug waren.
Dirk große Schlarmann: Das klingt fast ein bisschen paradox bei einem 1:7.
Rokko: (lacht) Ja, vielleicht. Aber genau deshalb sage ich ja: Das Ergebnis allein erzählt heute nicht die ganze Geschichte. Ob du am Ende 7:1 oder 2:1 verlierst, ist letztlich egal. Du verlierst das Spiel so oder so. Aber wir müssen eben analysieren, warum es in bestimmten Phasen komplett gekippt ist.
Dirk große Schlarmann: Hattest du irgendwann auf der Bank das Gefühl: „Okay, jetzt wird’s richtig bitter“?
Rokko: Nach dem 5:1 schon, ja. Da hast du gemerkt, dass Ajax komplett im Flow ist und wir in manchen Situationen nicht mehr die nötige Klarheit hatten. Und dann kann so ein Ergebnis eben entstehen. Gerade gegen eine Mannschaft mit dieser Qualität.
Dirk große Schlarmann: Wie sehr spielt da auch die individuelle Klasse von Ajax rein? Wenn man sich die Namen anschaut – Dolberg, Weghorst, …
Rokko: Extrem. Und das hat man heute auch gesehen. Ajax braucht manchmal gar nicht viele Chancen, um gefährlich zu werden. Die Qualität im letzten Drittel ist brutal hoch. Wenn du denen Räume gibst oder sie zu einfachen Situationen einlädst, dann nutzen sie das eiskalt aus.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem wirkst du erstaunlich ruhig nach so einer Niederlage.
Rokko: Ja, weil ich glaube, dass Panik jetzt komplett fehl am Platz wäre. Natürlich müssen wir kritisch sein, absolut. Defensiv war das heute nicht gut genug. Aber wir werden jetzt nicht alles über Bord werfen, nur weil wir gegen Ajax deutlich verloren haben.
Dirk große Schlarmann: Ist das vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass ihr euch als Mannschaft weiterentwickelt habt? Früher hätte euch so ein Spiel vielleicht komplett aus der Bahn geworfen.
Rokko: Ja, vielleicht schon. Früher wäre man nach so einem Ergebnis wahrscheinlich emotionaler gewesen. Jetzt versuchen wir, die Dinge sachlicher einzuordnen. Wir wissen, dass wir zuletzt viele gute Spiele gemacht haben. Und wir wissen auch, dass Niederlagen dazugehören – gerade gegen Mannschaften wie Ajax.
Dirk große Schlarmann: Wie wichtig wird jetzt die Reaktion auf dieses Spiel?
Rokko: Sehr wichtig. Nicht nur vom Ergebnis her, sondern vor allem von der Haltung. Wie gehst du mit so einer Niederlage um? Bleibst du ruhig? Arbeitest du weiter? Genau das wird jetzt entscheidend sein.
Dirk große Schlarmann: Du hast eben schon kurz mit Matich gesprochen. Was hast du ihm gesagt?
Rokko: Einfach Glückwunsch. Ajax hat das heute richtig gut gemacht. Gerade nach dem 3:1 haben sie uns extrem wehgetan. Deshalb geht der Sieg auch absolut in Ordnung. Und Matich macht da einen richtig guten Job.
Dirk große Schlarmann: Letzte Frage: Nimmt man aus so einem Abend trotz allem auch etwas Positives mit?
Rokko: Ja, definitiv. Auch wenn das jetzt vielleicht komisch klingt. Aber solche Spiele zeigen dir eben genau, woran du arbeiten musst. Und sie zeigen dir auch, dass du trotz einer deutlichen Niederlage phasenweise mithalten kannst. Ganz wichtig auch, dass dir solche Spiele zeigen wo du stehst.
Dirk große Schlarmann: Rokko, danke dir für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk!
Trotz der stärkeren Mannschaft, das hätte ich nicht erwartet. Noch dazu in der Höhe. Hier wären (Sorrenos Idee 💡 mit den Wetten) meine Treuepunkte flöten 🪈 gegangen 😅
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