Eredivisie, 17 Spieltag, 12.04.2026 23:10:16
Dirk große Schlarmann: Rokko, ich weiß gar nicht, ob wir heute überhaupt klassisch über dieses Spiel sprechen müssen – 6:0 nach nicht mal 25 Minuten, das ist ja schon eher ein Statement. Lass uns mal ein bisschen größer drauf schauen: Acht Spiele, sechs Siege, ein Remis, eine Niederlage. Hättest du das so unterschrieben vor der Saison?
Rokko: Sofort, ganz ehrlich – da brauche ich nicht lange zu überlegen. Wenn mir das jemand vor der Saison so hingelegt hätte, hätte ich gesagt: „Wo muss ich unterschreiben?“ Wir sind sehr zufrieden, das muss man ganz klar sagen. Aber – und das ist mir wichtig – wir ordnen das auch richtig ein. Es ist ein guter Start, mehr nicht. Es bringt dir am Ende nichts, wenn du jetzt gut dastehst und dann die letzten Spiele nicht mehr die Leistung bringst.
Dirk große Schlarmann: Trotzdem, man hat schon das Gefühl, dass sich da etwas entwickelt hat bei euch. Es wirkt gefestigter, klarer, vielleicht auch reifer. Täuscht das?
Rokko: Nein, das würde ich schon so sagen. Die Mannschaft ist gewachsen, nicht nur spielerisch, sondern auch im Kopf. Wir haben Phasen gehabt, da lief es nicht so rund, auch in einzelnen Spielen. Aber die Jungs haben gelernt, damit umzugehen. Wir wirken stabiler, auch wenn es mal nicht perfekt läuft. Und das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Schritt.
Dirk große Schlarmann: Jetzt ist ja immer die Frage: Was macht man mit so einem Start? Fängt man an, Richtung Europa zu schielen, oder bleibt man bewusst auf dem Boden?
Rokko: Beides, ehrlich gesagt. Intern ist es schon so, dass wir ein klares Ziel haben. Wir wollen international spielen. Das ist kein Geheimnis. Dafür arbeiten wir jeden Tag. Aber wir wissen auch, dass der Weg dahin extrem schwierig ist. Diese Liga ist eng, da kann sich das ganz schnell drehen. Deshalb bleiben wir bei uns, schauen von Spiel zu Spiel.
Dirk große Schlarmann: Wie nimmst du denn die Erwartungshaltung wahr? Ich kann mir vorstellen, dass die nach so einem Start automatisch steigt – von außen, aber vielleicht auch intern.
Rokko: Ja, das ist ganz normal. Wenn du Spiele gewinnst, dann steigen die Erwartungen. Das gehört dazu, das kannst du auch nicht komplett ausblenden. Aber wir versuchen, das intern ein bisschen zu steuern. Wir sagen ganz klar: Wir definieren uns nicht nur über Ergebnisse. Klar, die sind wichtig, keine Frage. Aber uns geht es auch darum, wie wir auftreten, wie wir uns entwickeln.
Dirk große Schlarmann: Du wirkst da sehr bewusst in deiner Herangehensweise. Ist das etwas, was du dir über die Zeit angeeignet hast?
Rokko: Ja, definitiv. Gerade nach Spielen, in denen es mal nicht so lief, lernst du, Dinge besser einzuordnen. Es bringt nichts, nach einem Sieg alles in den Himmel zu loben oder nach einer Niederlage alles schlecht zu reden. Diese Balance ist wichtig. Und die versuche ich auch der Mannschaft zu vermitteln.
Dirk große Schlarmann: Wenn wir trotzdem ganz kurz auf heute schauen – war das so ein Spiel, wo einfach alles zusammenkommt?
Rokko: Ja, das kann man so sagen. Wir hatten heute einen Lauf, da hat vieles funktioniert. Aber ich würde es nicht überbewerten. Solche Spiele hast du ein, zwei Mal in einer Saison, vielleicht. Wichtig ist, dass du auch in den Spielen punktest, in denen es nicht so läuft.
Dirk große Schlarmann: Stichwort Konstanz. Ist das aktuell der größte Hebel für euch?
Rokko: Absolut. Wir wollen über einen längeren Zeitraum konstant performen. Das ist die große Herausforderung. Nicht das eine Spiel, nicht diese eine Phase, sondern über Wochen hinweg immer wieder die Leistung bringen. Daran arbeiten wir.
Dirk große Schlarmann: Wenn wir auf die kommenden Wochen schauen – wird das jetzt eher schwieriger oder einfacher?
Rokko: Schwieriger, ganz klar. Aber genau das ist ja die Herausforderung, die wir annehmen wollen.
Dirk große Schlarmann: Hast du das Gefühl, dass deine Mannschaft bereit ist für diesen nächsten Schritt?
Rokko: Ich glaube schon. Aber wir müssen es zeigen. Es bringt nichts, darüber zu reden. Am Ende zählt, was auf dem Platz passiert. Und da müssen wir weiterhin hart arbeiten.
Dirk große Schlarmann: Du hast vorhin gesagt, Europa ist ein Ziel. Wie konkret ist das aktuell schon im Kopf?
Rokko: Es ist präsent, aber nicht unser täglicher Fokus. Unser Fokus liegt wirklich auf dem nächsten Spiel. Wenn du anfängst, zu weit nach vorne zu schauen, verlierst du schnell die Konzentration auf das Hier und Jetzt. Und das wäre ein Fehler.
Dirk große Schlarmann: Was gefällt dir aktuell am meisten an deiner Mannschaft?
Rokko: Der Zusammenhalt. Die Art, wie sie arbeitet, wie sie miteinander umgeht. Da stimmt vieles. Und das ist die Basis für alles andere. Ohne das kannst du keine Spiele gewinnen, egal wie gut du individuell bist.
Dirk große Schlarmann: Gibt es trotzdem Dinge, bei denen du sagst: Da müssen wir unbedingt besser werden?
Rokko: Klar, die gibt es immer. Wir sind noch lange nicht am Limit. Es gibt viele kleine Dinge, die wir verbessern können – im Spiel mit dem Ball, gegen den Ball, im Umschalten. Das hört ja nie auf.
Dirk große Schlarmann: Du klingst sehr ruhig, sehr reflektiert. Kein bisschen Euphorie?
Rokko: Doch, die ist schon da. Intern freuen wir uns natürlich über die Ergebnisse, über die Entwicklung. Aber nach außen bleibe ich bewusst etwas ruhiger. Ich glaube, das tut der Mannschaft gut.
Dirk große Schlarmann: Letzte Frage, Rokko: Wenn du dir etwas wünschen dürftest für die nächsten Wochen – was wäre das?
Rokko: Dass wir weiter so arbeiten wie bisher. Dass wir hungrig bleiben, dass wir uns nicht auf dem ausruhen, was wir bisher erreicht haben. Und dass wir als Team weiter zusammenwachsen. Wenn uns das gelingt, dann bin ich überzeugt, dass wir eine gute Saison spielen können.
Dirk große Schlarmann: Rokko, vielen Dank für das Gespräch.
Rokko: Sehr gerne, danke dir Dirk!
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