Eredivisie, 2 Spieltag, 02.04.2026 01:01:53
Reporter: Rokko, ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage: Was war das bitte für ein Spiel?! 5:4 in der Nachspielzeit, dein erstes Spiel als Coach von Heracles Almelo – besser kann ein Einstand kaum laufen, oder?
Rokko: (lacht) Ja, ich glaube, viel verrückter kannst du dir dein erstes Spiel nicht ausmalen. Ich bin ehrlich, ich bin komplett durchgeschwitzt. Das war ein absoluter Ritt, ein Spiel mit allem, was der Fußball zu bieten hat. Tore, Wendungen, Emotionen, Spannung bis zur letzten Sekunde. Und dann gewinnst du das Ding noch in der Nachspielzeit – das ist natürlich überragend, aber auch nichts für schwache Nerven.
Reporter: Lass uns vorne anfangen. Du kommst neu zur Mannschaft, erstes Spiel – und dann gleich so ein Auftakt mit einem frühen Tor in der 5. Minute durch Walid Ould-Chikh.
Rokko: Genau so wünschst du dir das natürlich. Wir sind richtig gut reingekommen, hatten direkt Zugriff aufs Spiel, haben den Ball sauber laufen lassen und sind immer wieder gut ins letzte Drittel gekommen. Das war genau das, was wir uns vorgenommen hatten. Und dann belohnst du dich so früh mit dem 1:0 – das gibt dir direkt ein gutes Gefühl.
Reporter: Man hatte auch den Eindruck, dass ihr in dieser Phase wirklich die aktivere Mannschaft wart.
Rokko: Ja, definitiv. Wir hatten Kontrolle, wir hatten gute Abläufe, wir waren präsent in den Zweikämpfen. Nicht komplett überlegen, aber ich würde schon sagen, dass wir die leicht bessere Mannschaft waren in der ersten halben Stunde.
Reporter: Und trotzdem dreht Utrecht innerhalb weniger Minuten das Spiel. Erst das 1:1 in der 24. Minute, dann das 1:2 in der 32. Minute.
Rokko: Genau das ist Fußball. Du machst ein gutes Spiel, hast die Kontrolle – und dann reichen dem Gegner zwei Aktionen. Utrecht hat Qualität, das wussten wir vorher. Die brauchen nicht viele Chancen. Beim 1:1 sind wir einen Tick zu passiv, beim 1:2 verteidigen wir nicht sauber genug. Und plötzlich läufst du einem Rückstand hinterher.
Reporter: Aber deine Mannschaft reagiert sofort. Zwei Minuten später das 2:2 – wieder durch Ould-Chikh.
Rokko: Und das war extrem wichtig. Das zeigt einfach den Charakter der Mannschaft. Du kassierst zwei Gegentore, das Spiel droht zu kippen – und wir schlagen direkt zurück. Walid macht das heute überragend, ist sehr präsent, immer anspielbar und hat einen super Abschluss. Dass wir so schnell wieder ausgleichen, hat uns total geholfen.
Reporter: Mit diesem 2:2 geht es dann auch in die Pause. Wie hast du die erste Halbzeit insgesamt gesehen?
Rokko: Ich würde sagen, wir waren leicht besser. Nicht dominant, aber wir hatten mehr Spielanteile, mehr Kontrolle. Utrecht war extrem effizient, das muss man anerkennen. Aber ich war mit unserer Leistung in der ersten Halbzeit grundsätzlich zufrieden.
Reporter: Dann kommt die zweite Halbzeit – und plötzlich wirkt Utrecht deutlich stärker.
Rokko: Ja, das war schon auffällig. Sie kommen besser rein, sind aggressiver, haben mehr Zugriff. Wir hatten in dieser Phase ein bisschen Probleme, unser Spiel durchzubringen. Da hatte ich kurz das Gefühl, dass das Spiel eher in ihre Richtung kippen könnte.
Reporter: Und trotzdem geht ihr in Führung. Erst das 3:2 durch Reine-Adélaïde in der 66. Minute.
Rokko: Ja, das war so ein Moment, der eigentlich ein bisschen gegen den Spielverlauf kam. Aber genau solche Momente brauchst du. Jeff macht das richtig gut, nutzt die Situation eiskalt. Und plötzlich bist du wieder vorne.
Reporter: Zehn Minuten später sogar das 4:2 durch Zeefuik. Da dachtest du doch: Jetzt haben wir es, oder?
Rokko: Ich wäre ein schlechter Trainer, wenn ich das nicht kurz gedacht hätte (lacht). Aber gleichzeitig weißt du: Gegen Utrecht ist das noch lange nicht durch. Und genau so kam es ja auch.
Reporter: In der 82. Minute das 4:3, in der 87. Minute dann das 4:4.
Rokko: Du hast sofort Bilder im Kopf. Und in dem Moment denkst du natürlich: Das darf doch nicht wahr sein. Du führst 4:2, hast das Spiel eigentlich in der Hand – und dann kassierst du zwei Tore.
Reporter: Was passiert da in so einer Phase auf der Bank?
Rokko: Chaos im Kopf, ganz ehrlich. Du versuchst, ruhig zu bleiben, klare Anweisungen zu geben. Aber innerlich bist du komplett angespannt. Du denkst dir: Bitte jetzt nicht komplett kippen lassen. Weil du merkst, dass Utrecht nochmal alles reinwirft.
Reporter: Und dann kommt die Nachspielzeit. Minute 91, Reine-Adélaïde macht das 5:4.
Rokko: Ja, das ist einfach Wahnsinn. Wirklich. Du denkst, das Spiel ist durch, vielleicht ein Remis – was auch irgendwo gerecht gewesen wäre. Und dann hast du nochmal diese eine Aktion. Jeff ist da, bleibt ruhig und schiebt das Ding rein. Das ist einfach pure Emotion.
Reporter: Wie hast du diesen Moment erlebt?
Rokko: Ich bin ehrlich, ich weiß es gar nicht mehr genau. Da ist einfach alles rausgebrochen. Freude, Erleichterung, Adrenalin. Du realisierst das erst Sekunden später. Und dann hörst du den Schlusspfiff und weißt: Wir haben das tatsächlich gewonnen.
Reporter: Wenn man das Spiel über 90 Minuten betrachtet – ist der Sieg verdient?
Rokko: Ich würde sagen, es ist ein typisches Remis-Spiel gewesen. Beide Teams hatten ihre Phasen, beide hatten Chancen. Vielleicht waren wir in der ersten Halbzeit etwas besser, Utrecht in der zweiten. Am Ende gewinnen wir – und natürlich nehmen wir das gerne mit. Aber ich glaube, ein Unentschieden hätte dem Spiel auch entsprochen.
Reporter: Ein paar Worte zu deinem Trainerkollegen Nelson29101?
Rokko: Absolut. Sehr, sehr starke Leistung von ihm und seiner Mannschaft. Sie haben uns alles abverlangt, sind immer wieder zurückgekommen, haben nie aufgegeben. Das ist nicht selbstverständlich. Ich wünsche ihm auf jeden Fall viel Erfolg weiterhin – das war ein richtig starkes Spiel von Utrecht.
Reporter: Was bedeutet dieser Sieg für dich persönlich, gerade als Einstand?
Rokko: Sehr viel. Es ist natürlich ein Traum, so in ein neues Kapitel zu starten. Aber ich bleibe realistisch: Das war ein verrücktes Spiel, mit vielen Dingen, die gut waren, aber auch einigen, an denen wir arbeiten müssen. Trotzdem gibt es Selbstvertrauen und zeigt, was in der Mannschaft steckt.
Reporter: Und zum Abschluss: Wie geht man nach so einem Spiel in die nächsten Tage?
Rokko: Erstmal durchatmen. Dann analysieren wir das Spiel, sprechen die Dinge an, die nicht gut waren. Und dann richten wir den Blick nach vorne. Aber eines ist klar: Dieses Spiel werde ich so schnell nicht vergessen.
Reporter: Rokko, vielen Dank für das Interview.
Rokko: Sehr gerne, danke dir!
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